. » Jungfer Murter ! « sagt er leise und weich , » bist schon munter ? « » Ich hab nicht g ' schlafen , Kind . « » Und ganz g ' nau hast du dem einsamen Spatz die G ' schicht erzählt ? « » Freilich . So wie ' s halt war . - G ' hört und g ' sehn hat er ja selber auch viel , dein Herr Vater hat oft die längste Zeit mit ihm g ' redt , besonders nach seiner schweren Krankheit . Alle Leut im Haus hat er auch allerweil ausgefragt und hat über unser ganzes Haus ein großes Buch zusammeng ' dicht , mir hat er extra das davon abg ' schrieb ' n , weil ' s dich angeht , aber ich kann ' s halt nicht lesen « , seufzt sie beschämt . Er richtet sich auf , sitzt eine Weile nachdenklich auf dem Rand seines Lagers , schlenkert mit den Beinen langsam hin und her , wie er es als Bürschlein getan , wenn er über seinen Aufgaben brüten mußte , nagt an dem kleinen Finger , und dann sagt er langsam mit der sanft klingenden Stimme seiner schönen Mutter : » Sie riechen noch allerweil , die Rosen von - ihr , aber - nimmermehr gut . « » So mach ' s Fenster auf . Weißt , sie verwelken halt g ' schwind , weil ' s auf lauter Draht g ' bunden sein . « » So wie die falschen Rosen , gelt ? « Er nickt ernsthaft und öffnet das Fenster , aber so , als ob er etwas sehr Wichtiges täte , dann setzt er sich wieder bedächtig auf sein Lager und betrachtet aufmerksam die Spitze von seinem kleinen Finger . Ein dünner Nebel schwebt draußen über dem Hof ; in dem mageren Akazienbaum zirpen die Spatzen , sonst ist es still . Die feuchtkalte Morgenluft strömt in das Zimmer und verdrängt langsam den herben Rosenduft . » Murterl ! Heut schicken wir der Frau Mutter ihren Buschen zurück ! « » Warum , mein Kind ? « » Weil ich nicht selbst damit hingehn mag - und weil ich mein Lebtag nimmer zu ihr geh ! « » Aber Bub ! Warum ? « stammelt die Hanni erschreckt . » Weil sie gelogen hat , weil sie gesagt hat , daß du der Schatz von meinem Vater warst , Jungfer Mutter ! « Es ist mit einmal , als sei jeder Laut erstorben in der Natur und in den vier Wänden da . Und jetzt ein verschämtes , schwaches , bitterliches Weinen - und gleich danach das atemlose Schweigen wieder - und nun , jählings , ungestüm , unaufhaltsam , ein widerstandsloses , befreiendes Schluchzen . » O mein Herr und Gott ! - - Lepold ! ... Kind ! ... Wer hat dir die Wahrheit gesagt ? ... Du bist der erste , der das weiß und glaubt ! ... Wer hat dir ' s g ' sagt ... wer ! ? « » Ach geh ! - Wer ? - Mein kleiner Finger - und der Vollmond - « , scherzt der Leopold , und dabei schaut er immer auf das Büchlein , lächelt zufrieden und zwirbelt beide Enden seines Schnurrbärtchens recht selbstbewußt auf . Die alte Jungfer bewegt lautlos die Lippen und weint noch immer vor sich hin . Da fliegt ein Schatten über sein frisches Gesicht . » Mußt nicht weinen « , er deutet lässig hinauf zu der weißen Mondscheibe , die noch am Morgenhimmel steht , und seine Stimme zittert leicht . » Schau nur den Mond an , wie schneeweiß der worden ist , siehst ' s , der schämt sich , daß die Leut auf der Welt manchmal keine Augen und kein Hirn im Kopf haben und ' s Herz nur am Sonntag einhängen , wenn ' s ausgehn , weil wo was Besonders passieren könnt , wo sie ' s herzeigen müssen . - Mit den G ' schichten , die sie alle Tag sehn und mit denen sie alt werden , strengen sie sich nimmer an . « » Poldl , zum Erschrecken ist dir das , du redst wie dein seliger Vater manchmal ! - Aber glaub mir , mein Kind , es gibt auch viel gute , gute Leut - ich hab ' s kenneng ' lernt ! « » Du ! ? - Kann schon sein ! - Wenn ' s g ' nug g ' schimpft haben und wenn man nichts braucht hat von ihnen , nachher sein ' s die allerbesten . - Wer hat denn dir geholfen ? « Der Leopold läßt seine zehn Finger rasch nacheinander knacken und horcht gespannt , dem Bettschirm zugewendet . » Na « , erwidert die Hanni , breit herzählend , » die Laternanzünderin hat dir ein Gugelhupf g ' macht , und der einsame Spatz hat mir deine Brief vorg ' lesen und dir genau so g ' schrieben , wie ich ' s ihm angesagt hab , und nachher « , sagt sie sinnend . » Nachher ? « » Unser Herrgott ! Der hat mich allerweil g ' sund sein lassen , mir Arbeit geben und dich wieder heimg ' schickt . Das andere hat halt so sein müssen . « » Alte ! Du redst wie die türkischen Bosniaken ! « » Ich red von meinem Herrgott ! « sagt die Hanni erstaunt und als ob sie etwas Unheiliges abwehren müßte . » Ja , ja , freilich , der ist wer ! « » Poldl , ich bitt dich um was « , klingt es leise herüber zu ihm durch das graue Dämmerlicht und den letzten faden Hauch der welken Rosen . » So ? - Mich ? - Du ? - Na , was denn ? « fragt er und starrt auf den alten Bettschirm . » Daß du deine Frau Mutter