werden oder nicht ? « daneben gar nicht aufkommen durfte . Nur einigermaßen versöhnen , wenn mir nämlich der Begriff » Pflicht « so recht vor die Seele trat . Nun ja : - wir gehörten zum deutschen Bunde und mit den verbündeten deutschen Brüdern im Verein mußten wir für die Rechte unterdrückter deutscher Brüder kämpfen . Das Nationalitätsprinzip war vielleicht doch etwas , das mit elementarer Kraft Bethätigung erheischte - - von diesem Standpunkte aus also mußte es sein ... Beim Anklammern an diese Idee ließ der schmerzende Groll in meiner Seele ein wenig nach . Hätte ich voraussehen können , wie zwei Jahre später diese ganze deutsche Verbrüderung in bitterste Feindschaft sich auflösen sollte ; wie dann der Preußenhaß in Österreich noch viel wütender angefacht würde , als jetzt der Dänenhaß - so hätte ich damals schon erkannt , wie ich das seither erkennen gelernt , daß die Motive , welche als Rechtfertigung der Feindseligkeiten angeführt werden , nichts als Phrasen sind , Phrasen und Vorwände . Den Sylvesterabend verbrachten wir wieder im Hause meines Vaters . Mit dem Schlage zwölf erhob dieser sein Punschglas : » Möge der Feldzug , welcher uns in dem neugeborenen Jahre bevorsteht , ein für unsere Waffen glorreicher werden « - sprach er feierlich ; - ich stellte mein schon erhobenes Glas auf den Tisch zurück - » und mögen unsere Lieben uns erhalten bleiben ! « beschloß er . Jetzt erst that ich Bescheid . » Warum hast Du bei der ersten Hälfte meines Toastes nicht angestoßen , Martha ? « » Weil ich von einem Feldzug nichts anderes wünschen kann , als daß er - unterbleibe « Als wir ins Hotel und in unser Schlafzimmer zurückgekehrt waren , warf ich mich Friedrich um den Hals . » Mein Einziger ! Friedrich ! Friedrich ! ! « Er drückte mich sanft an sich : » Was hast Du , Martha ? Du weinst ... heute in der Neujahrsnacht ? Warum denn das junge 1864 mit Thränen einweihen , mein Liebling ? Bist Du denn nicht glücklich ? Habe ich Dich irgendwie gekränkt ? « » Du ? O nein , nein , - nur zu glücklich machst Du mich , viel zu glücklich - und deshalb ist mir bang . « » Abergläubisch , meine Martha ? Stellst Du Dir auch neidische Götter vor , welche zu schönes Menschenglück zerstören ? « » Nicht die Götter - die unsinnigen Menschen selber beschwören das Unglück auf sich herab . « » Du spielst auf den möglichen Krieg an ? Es ist ja noch nichts entschieden , wozu denn der vorzeitige Kummer ? Wer weiß , ob es zum Kampfe kommt , wer weiß , ob ich mitgehen muß ? ... Komm her , mein Liebling , setzen wir uns « - er zog mich neben sich auf das Sofa - » verschwende Deine Thränen nicht an eine bloße Möglichkeit . « » Schon die Möglichkeit ist mir schmerzlich . Wäre es Gewißheit , Friedrich , ich würde nicht sanft und still an Deiner Schulter weinen - ich müßte laut aufschreien und aufjammern ... Aber die Möglichkeit , die Wahrscheinlichkeit , daß in dem anbrechenden Jahre Du mir mittelst Armeebefehl aus den Armen gerissen würdest - die genügt schon , mich in Bangen und Trauer zu versetzen . « » Bedenke , Martha , Du gehst ja auch selber einer Gefahr entgegen - wie mir dies Dein Weihnachtsgeschenk so lieb verkündet hat - und doch denken wir beide nicht an die grause Möglichkeit , welche jeder Frau im Wochenbette beinahe ebenso häufig droht , wie jedem Manne auf dem Schlachtfelde ... Freuen wir uns des Lebens und denken wir nicht an den über unser aller Häupter schwebenden Tod . « » Du sprichst ja wie Tante Marie , Liebster - als ob unser Loos nur von der Bestimmung abhinge und nicht von den Unvorsichtigkeiten , Grausamkeiten , Wildheiten und Dummheiten unserer eigenen Mitmenschen . Wo liegt die unabwendbare Notwendigkeit dieses Krieges mit Dänemark ? « » Noch ist derselbe nicht ausgebrochen , noch - « » Ich weiß , ich weiß : - noch können Zufälligkeiten das Übel verhüten . Aber nicht der Zufall , nicht politische Ränke und Launen sollten über eine solche Schicksalsfrage entscheiden , sondern der feste , aufrichtige Wille der Menschen . Doch was nützt mein » es sollte nicht « und » es sollte « - ich kann die Ordnung der Dinge nicht ändern , nur darüber klagen . Aber darin hilf mir , Friedrich - versuche nicht , mit den landläufigen leeren Ausflüchten mich zu trösten ! Du glaubst selber nicht daran - Du selbst erbebst vor edlem Widerwillen ... Nur darin finde ich Genugthuung , wenn Du mit mir verdammst und beklagst , was mich und unzählige Andere so unglücklich machen soll . « » Ja , mein Herz , wenn es hereinbricht , das Verhängnis , dann will ich Dir recht geben ; dann will ich Dir den Schauder und den Haß nicht verhehlen , den mir der anbefohlene Völkermord einflößt ... Aber heute laß uns noch des Lebens froh sein ... Wir haben einander ja - nichts trennt uns ... nicht die geringste Schranke zwischen unseren Seelen ! Laß uns dieses Glück genießen - so lange es unser ist - mit Inbrunst genießen ... Denken wir nicht an die angedrohte Zerstörung desselben ... Ewig kann ja keine Freude dauern . In hundert Jahren ist ' s doch einerlei , ob wir lang oder ob wir kurz gelebt . Auf die Zahl der schönen Tage kommt es schließlich nicht an , sondern auf den Grad ihrer Schönheit . Die Zukunft bringe was sie wolle , mein vielgeliebtes Weib - unsere Gegenwart ist so schön , so schön , daß ich jetzt nichts fühlen mag , als seliges Entzücken . « Während er so sprach , schlang er seinen Arm um mich und küßte mein an seiner Brust ruhendes Haupt . Da schwand auch mir die