der Wichtigkeit der Geschäfte und der Personen ihrer Söhne sich tröstend , bald an ihrem Herzen , ihrer Kindesliebe verzweifelnd , und wahrscheinlich in beidem irrend . Auch wußten sie nichts davon , was heute , an diesem schönen Sonntage , vorging . Die Zwillinge hatten ihre Absicht verschwiegen , damit nicht etwa auf dem Markte durch Schuld der mütterlichen Reden eine schädliche Szene entstand . So saßen nun Jakob Weidelich und seine Frau Amalie auf der Bank vor dem Hause und machten Kalender , als sie zwei schwarzgekleidete junge Herren mit hohen Hüten daherkommen sahen , jeder mit einer hübschen , blühenden und schön geputzten jungen Dame am Arm . Denn die Salanderfräulein hatten es darauf abgesehen , den fremden Eltern wie ihren Söhnen Vergnügen und ein wenig Ehre zu bereiten , da die eigenen Eltern kein sonderliches Freuden- und Ruhmesgeschrei erhoben . So wollten sie nun die Elternlust im Zeisig zu erhöhen suchen und sich mit daran gütlich tun . Mann und Frau Weidelich dachten eher an den Tod , als daß das ihre Söhne wären , bis sie ganz herangekommen . Jetzt endlich erkannten sie ihr Blut , von gutem Weine und noch besserem Abenteuer so rosig angehaucht wie noch nie ; als aber vollends die zwei Fräulein Salander genannt und als Bräute vorgestellt wurden , da vergaßen sie , insbesondere die Mutter , alles Leid schneller , als ein Licht ausgeblasen wird . Wenigstens ward es ihr fast dunkel vor den Augen : die Salanderinnen , von denen das Stück erst eine halbe Million Franken gelten sollte ! Das heißt , wenn ihr Vater nicht wieder Dummheiten machte ! Denn wer kann heutzutag noch fest auf seinen Willen bauen ? Das ist jetzt so , sie haben die Bräute und sind Mannes genug mit und ohne die halbe Million ! Solche Gedanken stürmten in der Brust der guten Frau , wurden aber nicht laut ; denn sie war stracks in das Haus hineingelaufen und putzte sich in der Geschwindigkeit so gut als möglich heraus . In der Zeit führte der ehrliche Milch- und Gemüsehändler den Ehrenbesuch in die ländliche Stube , nötigte die jungen Leute , um den Tisch herum Platz zu nehmen , und eilte , um nicht sofort reden zu müssen , mit der blanken Weinkanne in den Keller . Während er dort war , kam die Frau gesprungen , rief : » So ist ' s recht , ruhet nur aus ! « lief aber zur andern Tür wieder hinaus , um die Magd auszutreiben , wie sie sagte , damit sie schnell Küchlein backen helfe , nur eine Schüssel voll , zum Kaffee , der gemacht werden müsse . Umsonst gingen und riefen die jungen Leute ihr nach , sie solle doch alles bleiben lassen , sie hätten weder Hunger noch Durst . Das gehe sie nichts an und der Tag sei noch lang und noch nichts bereit , gab sie zurück und trollte sich weiter . Sie prallte mit ihrem Manne zusammen , der mit der gefüllten Zinnkanne und einem großen Stück Käse auf bemaltem Teller gemessenen Ganges hereinkam , auf den Tisch abstellte , denselben mit Gläsern bedeckte , dann aber nicht dablieb , sondern wieder hinausging und nach einer Weile mit einer riesigen Schüssel voll Schinkenschnitze zurückkehrte . Dann nahm er kleinere , ebenfalls mit bunten Nelken verzierte Teller , Messer und Gabeln aus dem Schrank und holte zuletzt ein großes Bauernbrot herbei , das er anschnitt . Dazwischen hörte man von der Küche her schon das Feuer knistern und die Butter in der Pfanne spratzeln . » Ei , was machst du denn , Vater ? « rief Frau Weidelich , in weißer Küchenschürze und mit gerötetem Gesichte eintretend , » das wäre ja später nach dem Kaffee recht gewesen ! Wo soll ich denn damit hin ? « » Bring nur , was du hast , wenn du fertig bist ! « sagte gelassen Jakob Weidelich , » wir stellen alles durcheinander , so sieht unsere Armut um so reicher aus ! Ohnehin trinken ich und die Buben lieber ein Glas Wein als Kaffee . « » Die Buben , ja ! Wißt ihr ungeratenen Ratsherren , daß wir den schönen Schinken vergangene Woche schon für euch gesotten haben ? Aber ihr habt euch nicht ein Augenblicklein gezeigt und uns vergeblich warten lassen ! « » Du mußt es nicht übelnehmen , Mama ! « entschuldigten sich die Söhne , » wir gehören unseren Stellungen , nicht mehr uns selbst an ; Geschäfte und Umstände nahmen uns dies erste Mal so in Anspruch , daß wir uns vor der Abfahrt nie losmachen konnten . Künftig wird es hoffentlich nicht mehr so gehen ! « » Gott bessere es ! « sagte die Mutter , » aber das Kücheln macht mir einen Heidendurst ! Gib mir ein halbes Glas voll Wein , Vater , und schenke den jungen Herrschaften auch ein , weil ' s einmal dasteht ! « Weidelich goß einen klaren , halbroten Wein in die Gläser . » Zur guten Gesundheit , ihr lieben Jungfern ! Zur Gesundheit , Vater ! Und Isidor und Julian ! « Sie trank das halbe Glas mit einem Zuge leer und wischte den Mund mit der Schürze , sichtlich erfrischt weitersprechend : » Und was machen denn die lieben Eltern , ihr Fräulein ? Ist die Mama wohlauf und der Herr Papa auch ? « » Vater und Mutter sind beide wohlauf , wir danken der Nachfrage ! « sagte Setti , » wir sollen Sie und Herrn Weidelich freundlich von ihnen grüßen , und sie hoffen bald Gelegenheit zu haben , die geehrten Eltern unserer Bräutigame selbst zu begrüßen ! « » Jetzt ist ' s Zeit für dich als Vater , auch dein Wörtlein zu sagen « , stieß die fröhliche Frau den Mann an , der , von der Verlobungsgeschichte zwar nur halb unterrichtet , den Stand der Sache im ganzen doch zu beurteilen wußte ;