von Judith gekommen ? « » Nein . « » Ich finde , sie läßt lange damit warten , und doch gibt es Situationen , in denen man umgehend schreiben muß oder doch in derselben Woche noch . Und nun sind es über zwei . « » Die Gräfin kann krank sein wie du . « » Kaum . Wer sich jeden Tag so reinbeichtet wie Judith , bei dem gedeiht keine Neuralgie . Krankheit wächst nur auf dem Beet der Sünde , sagen die Frommen , und vielleicht haben sie recht . Unter allen Umständen halten sie sich dessen gewiß , solange sie nicht persönlich in die Zwickmühle genommen werden , und nur eines ist mir noch gewisser , daß du hier seit vierzehn Tagen ein elendes und tristes Leben führst und daß mit diesem Elend und dieser Tristheit ein Ende gemacht werden muß . Ja , Fränzl , ein Ende gemacht , und wenn ich die Ziegler auf Gastrollen , etwa Medea zweimal täglich , oder euren Bismarck auf eine Bärenjagd in den Karpaten einladen sollte - gleichviel , wir müssen heraus aus dieser Dumpfheit , in die kein Licht und keine Freude dringt . « » Ich bitte dich , Petöfy , denk an dich und nicht an mich . Ich habe gute Tage . « » Gute Tage ? Graue Tage hast du . « » Nein , gute Tage , sag ich . Und wenn sie nebenher grau sind , so laß sie ; die grauen sind nicht die schlimmsten . Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen . « » Ist schon recht . Aber es hat ' s ein Mann gesagt , und ihr , ihr empfindet anders : ihr seid für Gegensätze , könnt Schwarz ertragen , aber nicht Grau , Tod und Unglück , aber nicht Langeweile . Kenne das und habe mir auch schon einen Plan ausgedacht . Sobald ich die Hand wieder rühren kann , schreib ich an Phemi . « » Nein , Petöfy . Das unterlaß . Ich bitte dich darum . « » Aber ihr stimmtet doch so gut zusammen , und so mich nicht alles täuscht , hattest du wirklich ein Herz für sie . « » Hatt ich auch und hab ich noch . Ich bin ihr ganz aufrichtig zugetan , und wenn sie meiner je bedürfen sollte - sie wird es nicht , sie weiß eben für sich selbst zu sorgen - , so werd ich mich vor der Lächerlichkeit und vor der Undankbarkeit hüten , ihr gegenüber die Fremde herauskehren zu wollen oder wohl gar die Gräfin . Ich bin dessen überhaupt nicht fähig . Ich weiß das . Aber ebenso gewiß weiß ich auch , daß ich keine Veranlassung habe , diese Beziehungen ohne Not wieder anzuknüpfen . Ich bin nun aus dem Kreise heraus und wünsche mich nicht wieder hinein . Am wenigsten aber wünsche ich ein zweilebiges Leben zu führen , ein zweilebiges , das nach meiner Meinung nicht viel besser ist als keins . « Er hatte den Kopf anfangs mißmutig hin und her gewiegt , aber diese Mißlaune ging rasch wieder in eine freundlichere Stimmung über . » Und so soll es denn immer Hannah sein ! Hannah und immer wieder Hannah . Weißt du , Fränzl , ich bewundere deine Genügsamkeit und daß ihr euch nicht ausplaudert . « » Oh , wir können uns nicht ausplaudern , weil wir , was dich vielleicht überraschen wird , eigentlich überhaupt wenig plaudern . « » Je nun , was tut ihr denn ? « » Wir verstehen uns . « » Das ist freilich viel . « » Beinahe alles . « » Nun gut . Aber ist sie nicht etwas zu nüchtern oder doch wenigstens nüchtern überhaupt ? « » Immer nur da , wo sie ' s sein darf , wo Nüchternheit ausreicht oder hingehört . Ich möchte sagen : nüchtern für alle Tage . « » Und feiertags ? « » Ist sie voll Mut und Leidenschaft und liebt mich so , daß sie jeden Augenblick für mich sterben würde . « » Das glaubst du ? « » Nein , ich weiß es und weiß es seit lange , seit meinem zehnten Jahr , da fing es an . Und wie sie sich damals gezeigt hat , so zeigt sie sich noch . Ich bin ihrer so sicher , wie daß ich lebe , ja , mein Zutrauen zu ihr ist grenzenlos . Sieh , um dir nur ein Beispiel zu geben , ich ängstige mich beim Gewitter , aber in ihrer Gegenwart fällt alle Furcht von mir ab . Es ist mir dann , als stünde mein Schutzgeist neben mir . Eigentlich könnt ich dir von ihr erzählen , von ihr und meiner Kinderzeit . Aber sage mir , wenn der Anfall kommt und die Schmerzen ; ich weiß , du bist dann am liebsten allein . « » Erzähle nur ; ich höre . Kinderzeit ist ohnehin unsere beste Zeit und die lehrreichste dazu . Da leben wir noch so recht eigentlich und zeigen uns , wie wir sind . In dem , was nachher kommt , ist soviel Zurechtgemachtes . Auch im Guten . « » Avis au lecteur . « » O nicht doch , Fränzl , ich hasse das , ich hasse das Hinterrückssprechen in Winken und Andeutungen . Aber du wolltest mir von Hannah erzählen , und wie sie zuerst dein Champion wurde , dein Ritter ohne Furcht und Tadel . War es nicht so ? « » Ja . Du darfst es so nennen , denn es gab etwas von einer regelrechten Schlacht , und Blut floß . - Aber es ist kalt geworden . Erlaube mir also , daß ich zunächst für Feuer sorge , soweit die paar Kohlen dazu reichen , und vor allem diesen Schirm beiseite schiebe . Das Halbdunkel hier ist nur gut für Gespenstergeschichten , und die