d ' Heiligen , und Männer und Weiber machen sich unterm Anschaun leicht andere Gedanken , wie sie sollten . « » Na , wie solln s ' denn deinm Dafürhalten nach nachher ausschaun ? « fragte gereizt der Bursche . » Dös weiß ich nit , dös kann ich nit sagen , aber so nit , Muckerl , wie die dein . So schaut keins aus nach überstandener Qual und Marter und harter Buß und schwerem Lebn , ehnder wie unsereins , hrunterkommen und zerrackert . « » Geh , dalkete Gredl , an meinsgleichen , was sich selber nit z ' helfen weiß , werd ich mich doch nit um Hilf wenden , das tu ich doch nur mit rechtem Vertraun ans ausbündig Schöne und ans alles Überwindsame , dem kein Not und Elend ankann . « » Du hast all dein Lebtag nit verstanden , was beten heißt , wann d ' dich einer Fürbitt wegen ans ausbündig Schöne halten willst und an was kein Not ankann und was auch dein Ungstalt nit begreift und dein Jammer nit versteht . « » Deinm Reden nach müßt mer wohl ' n Teufel schön machen und d ' Heiligen verunziern ? Nit ? Wann d ' dadraufhin noch nit einsiehst , wie d ' dalket daherplauscht und kein Begriff von der Sach hast , tust mer leid ! « » Kann ja sein , daß d ' recht hast , und ich hab ja gleich gsagt , daß ich möglich davon gar nix versteh ; aber dö Muttergottesin da is mein Bestelltes , und das werd ich wohl bereden dürfen , daß die mir nit gfallt , und , frei hraus , dö nimm ich nit , daß d ' es weißt . « » Aber warum denn nit ? « » Weil s ' af a Haar dem heillosen Nachbarsmensch , der Zinshofer Helen , gleicht . « » Gleicht , aber nit is ! « schrie Muckerl , im ganzen Gesichte erglühend . » Weht der Wind über das Eck ? Soll s ' vielleicht nach dir gschnitzt sein , du Hanfputz ? ! « Die Dirne starrte den Burschen mit ihren wundernden Augen ängstlich an , ihr weinerlicher Mund begann zu zucken , sie legte beide Hände vor die Brust und sagte nach einer Weile mit klagend dehnender Stimme : » Das wollt ich nit haben , Muckerl , daß d ' dich über mich erzürnst . So hoffärtig bin ich gar nit , daß ich nur dran denk , du könntst ein Bild nach mir schnitzen ; aber du wärst kein Christ , Muckerl , wann d ' nit einsähest , wie ein große Sünd das wär , wann mer ein solchs in der Kirch zur Andacht aufstellet , das einer gleichschaun möcht , die noch dazu in selbem Ort ' n Leuten unter ' n Augen herumlauft , und wär s ' auch d ' Bravste ; doch mit der hieß ' s d ' Heilig Jungfrau gradzu verschänden . « » Himmelherrgottsakkerment « , fluchte Muckerl , » so soll s ' gleich auch schon der Teufel holn ! « Er schwang das Schnitzmesser . » Jesses und Josef , Muckerl , der Herr verzeih dir dö Sünd ! « kreischte Sepherl und fiel ihm in die Rechte . » Na , laß nur « , sagte er , wieder gutmütig lächelnd . » Ich will ihr nur bissel d ' Nasn zustutzen . Wirst sehen - du weißt gar nit , was d ' Nasn in einm Gsicht bedeut - , wie gschwind sie anders ausschaun und niemand mehr gleichen wird . « Er begann zu schnitzen , während die Dirne mit eingehaltenem Atem über dem Werktische lehnte und ängstlich zusah , immer bereit , ihm das Messer zu entreißen , wenn ihr etwa scheinen sollte , daß es zu tief griffe . Muckerl legte schmunzelnd das Werkzeug weg . Er hatte den zarten Bug der Nase und den feinen Schwung der Nüstern ins Rundliche verschnitzelt , und die Madonna trug nun , obgleich es ihr gar nicht zu Gesichte stand , Sepherls Nase . Davon ahnte die Dirne freilich nichts , sie sah nur , daß die verhaßte und lästernde Ähnlichkeit gänzlich verschwunden war , und klatschte vor Freude in die Hände wie ein überglückliches Kind ; ihr Jubel lockte die beiden alten Frauen herbei , man bestaunte und belobte das Bildwerk nach Gebühr , während Muckerl die durch das Schnitzmesser bloßgelegten Stellen wieder mit Farbe bestrich . Als Sepherl mit ihrer Mutter sich zur Heimkehr anschickte , gab er ihr das Liebfrauenbild mit und schrie ihr , noch von der Schwelle aus , nach , » sie möcht sich wohl im Tragen vor der Himmelmutter ihrer nassen Nasen in acht nehmen « . So schieden sie unter fröhlichem und freudigem Lachen . Die Frauen wähnten die Erfüllung ihrer geheimen Wünsche und Hoffnungen so nahe bevorstehend , daß sie schon in wachen Träumen , hingeworfenen Andeutungen und halben Reden ein Glück vorzukosten begannen , von welchem der , dem sie alle sich dafür verpflichtet fühlten - nicht etwa Gott - , der Kleebinder Muckerl , gar nicht berührt wurde . Am andern Morgen , lange bevor noch die Glocken zur Frühmesse riefen , erwachte Sepherl . Ein feiner Duft von frischer Ölfarbe erfüllte die Stube . Das Mädchen besann sich , warf die Kleider über , schritt auf den großen Wäschschrein zu , auf welchem die Statuette stand , stützte die Ellbogen auf und faltete die Hände . » Allergebenedeiteste Jungfrau ! Weil ich dich noch da bei mir hab , erlaub , daß ich mit dir red ; denn wenn ich dich später zur Kirch bring , hat der Mesner ein Menge z ' fragen und z ' sagen , und die Leut drängen auch zu , so daß sich dort für mich kaum a Glegenheit schicken möcht , mit dir unter vier Augen z ' sein . Gar schön