Herr nicht glauben ; es ist mir selbst nicht ganz gemütlich bei der Sache « , entgegnete Sebastian mit unverkennbarer Ehrlichkeit . » Nun , wenn es so steht , so will ich morgen Ihm und dem tapferen Johann zeigen , wie Gespenster beim Licht aussehen . Schäme Er sich , Sebastian , ein junger , kräftiger Bursch , wie Er ist , vor Gespenstern davonzulaufen ! Nun geh Er unverzüglich zu meinem alten Freund , Doktor Classen : meine Empfehlung und er möchte unfehlbar heut ' Abend neun Uhr bei mir erscheinen ; ich sei extra von Paris hergereist , um ihn zu konsultieren . Er müsse die Nacht bei mir wachen , so schlimm sei ' s ; er solle sich richten ! Verstanden , Sebastian ? « » Ja wohl , ja wohl ! der gnädige Herr kann sicher sein , daß ich ' s gut mache . « Damit entfernte sich Sebastian , und Herr Sesemann kehrte zu seinem Töchterchen zurück , um ihr alle Furcht vor einer Erscheinung zu benehmen , die er noch heute ins nötige Licht stellen wollte . Punkt neun Uhr , als die Kinder zur Ruhe gegangen und auch Fräulein Rottenmeier sich zurückgezogen hatte , erschien der Doktor , der unter seinen grauen Haaren noch ein recht frisches Gesicht und zwei lebhaft und freundlich blickende Augen zeigte . Er sah etwas ängstlich aus , brach aber gleich nach seiner Begrüßung in ein helles Lachen aus und sagte , seinem Freunde auf die Schulter klopfend : » Nun , nun , für einen , bei dem man wachen soll , siehst du noch leidlich aus , Alter . « » Nur Geduld , Alter « , gab Herr Sesemann zurück ; » derjenige , für den du wachen mußt , wird schon schlimmer aussehen , wenn wir ihn erst abgefangen haben . « » Also doch ein Kranker im Haus und dazu einer , der eingefangen werden muß ? « » Weit schlimmer , Doktor , weit schlimmer . Ein Gespenst im Hause , bei mir spukt ' s ! « Der Doktor lachte laut auf . » Schöne Teilnahme das , Doktor ! « fuhr Herr Sesemann fort ; » schade , daß meine Freundin Rottenmeier sie nicht genießen kann . Sie ist fest überzeugt , daß ein alter Sesemann hier herumrumort und Schauertaten abbüßt . « » Wie hat sie ihn aber nur kennen gelernt ? « fragte der Doktor noch immer sehr erheitert . Herr Sesemann erzählte nun seinem Freunde den ganzen Vorgang und wie noch jetzt allnächtlich die Haustür geöffnet werde , nach der Angabe der sämtlichen Hausbewohner , und fügte hinzu , um für alle Fälle vorbereitet zu sein , habe er zwei gutgeladene Revolver in das Wachtlokal legen lassen ; denn entweder sei die Sache ein sehr unerwünschter Scherz , den sich vielleicht irgendein Bekannter der Dienerschaft mache , um die Leute des Hauses in Abwesenheit des Hausherrn zu erschrecken - dann könnte ein kleiner Schrecken , wie ein guter Schuß ins Leere , ihm nicht unheilsam sein - ; oder auch es handle sich um Diebe , die auf diese Weise erst den Gedanken an Gespenster aufkommen lassen wollten , um nachher um so sicherer zu sein , daß niemand sich herauswage - in diesem Falle könnte eine gute Waffe auch nicht schaden . Während dieser Erklärungen waren die Herren die Treppe hinuntergestiegen und traten in dasselbe Zimmer ein , wo Johann und Sebastian auch gewacht hatten . Auf dem Tische standen einige Flaschen schönen Weines , denn eine kleine Stärkung von Zeit zu Zeit konnte nicht unerwünscht sein , wenn die Nacht da zugebracht werden mußte . Daneben lagen die beiden Revolver , und zwei , ein helles Licht verbreitende Armleuchter standen mitten auf dem Tisch , denn so im Halbdunkel wollte Herr Sesemann das Gespenst denn doch nicht erwarten . Nun wurde die Tür ans Schloß gelehnt , denn zu viel Licht durfte nicht in den Korridor hinausfließen , es konnte das Gespenst verscheuchen . Jetzt setzten sich die Herren gemütlich in ihre Lehnstühle und fingen an , sich allerlei zu erzählen , nahmen auch hier und da dazwischen einen guten Schluck , und so schlug es zwölf Uhr , eh ' sie sich ' s versahen . » Das Gespenst hat uns gewittert und kommt wohl heut ' gar nicht « , sagte der Doktor jetzt . » Nur Geduld , es soll erst um ein Uhr kommen « , entgegnete der Freund . Das Gespräch wurde wieder aufgenommen . Es schlug ein Uhr . Ringsum war es völlig still , auch auf den Straßen war aller Lärm verklungen . Auf einmal hob der Doktor den Finger empor . » Bst , Sesemann , hörst du nichts ? « Sie lauschten beide . Leise , aber ganz deutlich hörten sie , wie der Balken zurückgeschoben , dann der Schlüssel zweimal im Schloß umgedreht , jetzt die Tür geöffnet wurde . Herr Sesemann fuhr mit der Hand nach seinem Revolver . » Du fürchtest dich doch nicht ? « sagte der Doktor und stand auf . » Behutsam ist besser « , flüsterte Herr Sesemann , erfaßte mit der Linken den Armleuchter mit drei Kerzen , mit der Rechten den Revolver und folgte dem Doktor , der , gleichermaßen mit Leuchter und Schießgewehr bewaffnet , voranging . Sie traten auf den Korridor hinaus . Durch die weitgeöffnete Tür floß ein bleicher Mondschein herein und beleuchtete eine weiße Gestalt , die regungslos auf der Schwelle stand . » Wer da ? « donnerte jetzt der Doktor heraus , daß es durch den ganzen Korridor hallte , und beide Herren traten nun mit Lichtern und Waffen auf die Gestalt heran . Sie kehrte sich um und tat einen leisen Schrei . Mit bloßen Füßen im weißen Nachtkleidchen stand Heidi da , schaute mit verwirrten Blicken in die hellen Flammen und auf die Waffen und zitterte und bebte wie ein Blättlein im Winde von oben bis