Schwarm mit einem Besen allmählich aus dem Hause . Dies Attentat war denn doch zu auffällig gewesen , als daß die oberen Behörden länger hätten zusehen können . Sie verlangten eine strenge Untersuchung . Wir wurden in einem Saale versammelt und einzeln aufgerufen , um vor ein Tribunal zu treten , welches in einer Nebenstube saß . Das Verhör dauerte einige Stunden , die Zurückkehrenden gingen sogleich weg , ohne Bericht zu geben ; zwei Dritteile der Versammelten waren schon fort , und noch wurde ich nicht aufgerufen ; dagegen bemerkte ich , daß zuletzt alle , welche aus der Verhörstube kamen , mich ansahen , ehe sie weggingen . Zuletzt hieß es , der ganze Rest solle hereinkommen mit Ausnahme des grünen Heinrich . Endlich kam die Reihe an mich ; der letzte Trupp erschien wieder und hieß mich hineingehen . Ich wollte fragen , was denn vorginge , erhielt aber keine Antwort ; vielmehr sputeten sie sich ängstlich von hinnen . So trat ich in die Nebenstube , halb von Neugierde vorwärtsgedrängt , halb von jener beklemmenden Furcht zurückgehalten , welche die Jugend vor den Alten empfindet , wenn sie in ihnen an Verstand überlegene und allmächtige Wesen voraussetzt . Es saßen zwei Herren am obern Ende eines langen Tisches , an dessen Fuß ich stand , einige Stücke Papier und ein Schreibzeug vor sich . Der eine war der nächste Vorsteher der Schule , der auch selbst Unterricht erteilte und mich kannte , der andere ein höherer gelehrter Herr , welcher wenig sagte . Zu jenem stand ich in einem eigentümlichen Verhältnisse er war ein gemütlicher Poltron , gern viele Worte machend und froh , wenn ein Schüler durch bescheidene Widerrede ihm Gelegenheit gab , sich gründlich über ein Faktum zu verbreiten . Im Anfange hatte er mir wohlgewollt , da ich gerade bei ihm mich ziemlich gut aufführte ; aber meine Eigenschaft , den Vorwürfen , Ermahnungen und Strafen bei vorkommenden Fällen ein unwandelbares Schweigen entgegenzusetzen , hatte mir seine Abneigung zugezogen . Das ängstliche Leugnen , die Zungengeläufigkeit , Strafe von sich abzuwenden , das hartnäckige Feilschen um dieselbe waren mir unmöglich ; glaubte ich eine solche verdient zu haben , so nahm ich sie schweigend hin ; schien sie mir zu ungerecht , so schwieg ich ebenfalls , und nicht aus Trotz , sondern ich lachte innerlich ganz frohmütig darüber und dachte , der Richter hätte das Pulver auch nicht erfunden . Darum hielt mich der Herr für einen unbrauchbaren , bedenklichen Burschen und fuhr mich nun mit drohender Miene an : » Hast du an dem Skandale teilgenommen ? Schweig ! leugne nicht , es wird nichts helfen ! « Ich brachte ein leises Ja hervor , der weiteren Dinge gewärtig . Doch wie um mich in seinen Augen , da ihm einmal zur Weckung guter Laune durchaus ein gründlicher Wortwechsel nötig war , noch zu retten , tat er , als ob er ein Nein vernommen hätte , und schrie : » Wie , was ? Heraus mit der Wahrheit ! « - » Ja ! « wiederholte ich etwas lauter . » Gut , gut , gut ! « sagte er , » du wirst gewiß noch einen finden , der dir gewachsen ist , einen Stein , der eine Beule in deine eiserne Stirne schlägt ! « Diese Worte beleidigten mich und taten mir weh ; denn sie schienen nicht nur eine arge Verkennung zu enthalten , sondern auch eine ungehörige Voraussagung der Zukunft , eine persönliche Bitterkeit zu sein . Er fuhr fort : » Hast du auf dem Wege vorgeschlagen , einen förmlichen Zug zu ordnen und ein Lied zu singen ? « Diese Frage machte mich stutzen ; meine Genossen hatten also mich verraten und deshalb ohne Zweifel sich reingewaschen ; ich schwankte , ob ich nicht leugnen könne , aber es kam wieder ein Ja hervor . » Hast du am Hause erklärt , daß keiner sich zurückziehen dürfe , und dieser Erklärung durch Bewachung der Tür Folge gegeben ? « Das bejahte ich unbedenklich , da es mir weder eine Schande noch ein besonderes Vergehen zu sein schien . Diese beiden Momente , aus den ersten Fragen an die Mitschuldigen schon zutage getreten , schienen dem Herrn auf den Haupturheber hinzudeuten ; sie ragten auch wohl am faßbarsten aus all dem wirren Treiben hervor , und er hatte allein auf sie hin verhört . Jeder bejahte regelmäßig die Frage darnach und war froh , nicht über sich selbst sprechen zu müssen . Ich wurde entlassen und ging etwas bewegt , doch gemächlich nach Hause ; das Ganze schien mir nicht sehr würdig zu verlaufen Zwar fühlte ich eine tiefe Reue , aber nur gegen den mißhandelten Lehrer . Zu Hause erzählte ich der Mutter den ganzen Vorgang , worauf sie mir eben eine Strafrede halten wollte , als ein Amtsdiener hereintrat mit einem großen Briefe . Dieser enthielt die Nachricht , daß ich von Stund an und für immer von dem Besuche der Schule ausgeschlossen sei . Das Gefühl des Unwillens und erlittener Ungerechtigkeit , welches sich sogleich in mir äußerte , war so überzeugend , daß meine Mutter nicht länger bei meiner Schuld verweilte , sondern sich ihren eigenen bekümmerten Gefühlen überließ , da der große und allmächtige Staat einer hilflosen Witwe das einzige Kind vor die Türe gestellt hatte mit den Worten Es ist nicht zu brauchen ! Wenn über die Rechtmäßigkeit der Todesstrafe ein tiefer und anhaltender Streit obwaltet , so kann man füglich die Frage , ob der Staat das Recht hat , ein Kind oder einen jungen Menschen , die gerade nicht tobsüchtig sind , von seinem Erziehungssysteme auszuschließen , zugleich mit in den Kauf nehmen . Gemäß jenem Vorgange wird man mir , wenn ich im spätern Leben in eine ähnliche ernstere Verwicklung gerate , bei gleichen Verhältnissen und Richtern wahrscheinlich den Kopf abschneiden ; denn ein Kind von der allgemeinen Erziehung ausschließen heißt nichts anderes , als seine