von der Ladung soviel heraus , daß gegen Morgen ihre Bark das fast leergewordene Fahrzeug ins Schlepptau nehmen konnte . Als die Sonne hoch am Himmel stand , war von der » Antje Marie « nichts mehr zu sehen . Robert erhob sich und nahm alle seine Kräfte zusammen . Jetzt war er allein , niemand konnte ihm raten oder helfen , niemand hörte ihn , er mochte rufen sooft er wollte . Im Anfang erdrückte ihn der trostlose Gedanke , machte ihn unfähig seine Lage ruhig zu überblicken oder für die nächste Zukunft irgendeinen Entschluß zu fassen , dann aber raffte er sich auf , um wenigstens etwas zu essen . Der Magen verlangte sein Recht . Mit langsamen Schritten wanderte er am Strand entlang . Es war ihm , als könne er dem Meer nicht den Rücken kehren , als sei er ganz verlassen , wenn erst das dichte Gebüsch ihn umgab . Und vielleicht - vielleicht kam ja auch ein Schiff . Er ging weiter und weiter , aber nichts zeigte sich . Die Küste wurde immer unwegsamer , der Pflanzenwuchs spärlicher , je weiter er vordrang ; auch der Hunger quälte ihn stärker , und der Durst trocknete seine Kehle aus . Zahlreiche Möwen kreuzten über dem Wasser in der heißen Luft , Krebse und Krabben bewegten sich am Ufer , sonst war alles öde und totenstill . Robert fühlte es , er mußte jetzt essen , oder er würde ohnmächtig werden . Schnell entschlossen wandte er sich und ging zurück zu dem ersten Ankerplatz des Bootes , um von dort aus die Stelle zu erreichen , wo er Wasser und Nahrungsmittel finden konnte . Wohnten die Räuber auf dieser Insel und hatten sie das Versteck der Strandgüter schon entdeckt , so war er verloren , aber Robert ergab sich in das Unvermeidliche . Er hatte alle Hoffnung fallen lassen . Mit brennendem Kopf beugte er sich über die Quelle , die er schon am Vortage entdeckt hatte , und trank in langen , durstigen Zügen . Er wusch erst Gesicht und Hände , dann aber zog er sich aus und sprang ganz ins Wasser . Es war , als ob er plötzlich von einem Teil seiner Sorgen und Befürchtungen befreit sei . Er schwamm bald auf dem Rücken , bald mit den zahlreichen langbeinigen Wasserspinnen lustig um die Wette , obwohl dabei der Hunger nur immer grimmiger zu toben begann . Aber das schadete ja nicht ; er besaß zu Essen genug , um den knurrenden Gesellen zu befriedigen , und daher gab er sich dem Vergnügen des Badens erst einmal ungestört hin . Dann schüttelte er den Staub aus seinen Sachen , rieb und reinigte sie so gut wie möglich und lief neu gestärkt auf dem gestern bezeichneten Pfad durch das Gebüsch , um zu dem Stapelplatz der Waren zu kommen . Etwas schlug ihm aber doch das Herz , als er näher kam . Wenn vor ihm die Räuber dagewesen waren und alles weggenommen hatten ? - Dann konnte er Melonen essen , Ananas , Bananen , rohe Krabben und verschiedene kleine Beeren , die an den Büschen wuchsen - weiter blieb ihm nichts übrig . Wenn sich der Magen gegen diese Kost sträubte , so kamen Krankheit und Tod und deckten alles zu , Vergangenheit und Zukunft . Er schlich und lauschte , er spähte durch die Zweige , angstvoll und hoffend zugleich . Aber es war zum Glück kein Mensch dagewesen . Alles lag und stand , wie es gestern die Matrosen übereinandergestapelt hatten ; tiefer Friede ruhte auf der ganzen Umgebung . Robert nahm mit erleichtertem Herzen von seiner künftigen Wohnung Besitz . Er mußte sich einrichten , mußte sich den Verhältnissen anpassen und wie ein Geizhals den vorhandenen Vorrat verwalten , das wußte er . Aber noch hatte es keine Not . Da waren Erbsen , Reis , Bohnen , Pökelfleisch , Speck und Mehl . Ferner fand er mehrere Angeln , einen Spaten , ein Fäßchen Salz , eine kleine Kiste mit Zündhölzern und Kochgeräte , also schien für den Magen gut gesorgt . Bei näherer Umschau entdeckte er noch eine Kiste mit Schiffsbrot , und als seine Zähne tapfer das harte Gebäck zerbissen , wunderte er sich , wie ausgezeichnet es schmeckte . Ein tüchtiges Stück Speck , eine halbe Ananas und ein Glas Wein vollendeten das sonderbar zusammengesetzte Frühstück , dann stützte Robert den Kopf in die Hand und fing an nachzudenken . Wo mochten jetzt seine Kameraden sein ? Lebten sie überhaupt noch ? Wahrscheinlich lagen alle gefesselt auf dem Boden des Meeres , wahrscheinlich waren alle tot , die Männer , in deren Mitte er die Heimat verlassen hatte . Ganz allein hatte ihn das Schicksal dem Strand der unbewohnten Insel zugeführt , ganz allein war er zurückgeblieben , ohne einen Freund , einen Menschen , mit dem er sprechen konnte . So hatte er die alten Eltern zurückgelassen , so verließen ihn die Menschen . Er sprang auf und ging ins Freie . Krank durfte er nicht werden , dann war alles verloren . Er mußte wieder an den Strand gehen und nach Rettung Ausschau halten , darin lag seine einzige Hoffnung . Es graute ihn , sooft er das Gebüsch und die aufgestapelten Vorräte erblickte . Wenn das alles verzehrt war und noch kein Schiff ihn bemerkt hatte , was dann ? Er ergriff eine große Wolldecke und wickelte sie zusammen . Zwischen zwei Bäumen am Ufer ausgespannt , konnte sie vielleicht als Notzeichen dienen , vielleicht führte sie ein Schiff an die Küste , das ihn aufnahm . Er dachte nicht daran , daß auch die Räuber so sein Versteck finden und ihn plötzlich überfallen konnten . Das Gefühl des Verlassenseins ließ ihn noch zu keiner klaren Überlegung kommen . Beladen mit der Decke , einem großen Stück Segeltuch , einer Rolle Garn und etwas Mundvorrat machte er sich auf den Weg , um den Strand wieder zu erreichen . Das