- weiß und glatt wie ungeheure Bogen Papiers - erhoben , Heißensteingasse zu nennen . Sooft Regula an diesen ihren Schöpfungen vorbeiging , tat es ihr jedesmal leid , daß die Pietät ihr verbot , in einer derselben ihren Wohnsitz aufzuschlagen . Wie stimmten die scharfen Ecken , die geraden Stiegen , die getünchten Gänge dieser Bauwerke mit ihrem Geschmacke überein ! Im alten Hause hatte sie sich gefürchtet von Kindheit an . Es knisterte so seltsam in seinem Holzgetäfel , es war immer etwas laut in den Dielen , in den Decken . - Als hätten die grauen Wände von dem Leben der Menschen , dessen jahrhundertlange Zeugen sie waren , einiges in sich gesogen , vernahm man darin jene geheimnisvollen Stimmen des Leblosen , welche die bang lauschende Seele mit leisem Grauen erfüllen . Aber wie gern sie es auch getan hätte , Regula verließ das Haus ihrer Väter doch nicht , die Leute hätten sie vielleicht deshalb tadeln , sie für frivol oder pietätlos halten können . Übrigens , was dereinst geschieht , kann niemand wissen ; vorläufig ist sie entschlossen , aus dem Familienhause erst zu scheiden - als verheiratete Frau . Daß der Augenblick , in dem sie eine solche werden sollte , sehr nahe bevorstehe , versichern der Direktor und der Sekretär auf das bestimmteste . Dem Grafen Ronald liefe , wie man zu sagen pflegt , das Wasser bereits in den Mund , erklärte der erste , er wisse nicht mehr , wo aus noch ein ; die größte Wohltat würde ihm der erweisen , der ihn aufmerksam machte , wie nah die schönste Rettung liegt . Schimmelreiter fragte ihn , ob er sich nicht selbst dieses Verdienst erwerben wolle ? ... Aber der Direktor bemerkte mit Feinheit , einen solchen Eingriff in ihre Rechte dürfte ihm die Freifrau von Waffenau füglich übelnehmen . Der Verkehr zwischen Regula und jener vielbeschäftigten Dame war nicht besonders lebhaft . Man sah einander zweimal im Jahre . Im Frühling machte das Fräulein einen Besuch in Haluschka , im Spätsommer erwiderte ihn die Baronin . Da kam sie mit ihrem Manne und mit zweien ihrer Söhne - sie hatten deren sechs - nach Weinberg . Alljährlich wurden nämlich ein paar andere dieser Jünglinge auf das Gymnasium geführt , um dort ihre Maturitätsprüfung zu machen . Sie fielen regelmäßig durch . Die Freifrau sagte : » Ei , ei , welche Schande ! « Der Freiherr sagte : » Zum Gelehrten muß man halt geboren sein « , die Weinberger wiederholten ihren alten Witz , der Baron Waffenau sei mit vier Pferden nach Weinberg gekommen und mit zwei Eseln abgefahren - und alles war gut . Die Stunden , die der Vater mit seinen Söhnen in dem Tempel der Wissenschaften zubrachte , benützte die Mutter , um ihre Vorräte an Zucker und Kaffee einzukaufen und einen Besuch bei Regula abzustatten . Die Baronin war eine mittelgroße Frau mit feinen Zügen , mit dunklen , immer noch feurigen Augen und Leberflecken auf dem Gesichte ; eine unvergleichliche Hausfrau und Gattin und eine schwache Mutter . Sie war einst sehr schön gewesen , hatte aber keinen Wert darauf gelegt . Die Sorgen für ihren eigenen Herd nahmen sie völlig in Anspruch ; fremdes Elend fand , soweit ihre beschränkten Mittel es erlaubten , bei ihr Hilfe , aber kein Mitleid , nie war über ihre Lippen ein anderes Trostwort gekommen als : » Es ist einmal so « , und - je nachdem es paßte : » Sie sind selbst schuld « , oder : » Wer kann dafür ? « Gar nicht zu begreifen , ja völlig unnatürlich schien es ihr , daß eine Frau sich für anderes lebhaft interessieren könne als für ihren Mann , ihre Kinder und ihren Haushalt . Sogar ihren Eltern hatte sie sich allmählich entfremdet . Von Rondsperg sprach sie nur , um zu sagen , daß sich dort alles wohlbefinde . Wenn Regula sich die Bemerkung erlaubte , sie habe gehört , » Frau Gräfin Mutter « seien unwohl gewesen , antwortete sie : » Meine Mutter hat eben wieder einen ihrer gewöhnlichen Anfälle von Schwäche gehabt . Das hat nichts zu bedeuten . « Und im stillen dachte sie : Was kümmert ' s dich , neugierige alte Jungfer ! Einige Tage nach dem Gespräche zwischen Schimmelreiter und dem Direktor kam die Baronin , diesmal zweispännig und allein , beim » Grünen Baum « angefahren . Sie ließ dort ihre Equipage einstellen , trug dem Kutscher auf , sich nicht zu betrinken , die Pferde gut zu versorgen und für drei Uhr nachmittags alles zur Abfahrt bereit zu halten . Sodann begab sie sich zu Fuße nach dem Heißensteinschen Hause . Als sie bei dem Fräulein eintrat , befand sich die Baronin in großer Aufregung und gab sich keine Mühe , sie zu verbergen . Sie wisse wohl längst , sagte sie gleich nach den ersten Begrüßungen zu Regula , und es sei ja ein öffentliches Geheimnis , daß die pekuniären Verhältnisse ihrer Eltern nichts weniger als glänzend sind . Dennoch habe die Mitteilung , die Ronald ihr gestern gemacht , sie traurig überrascht - : Rondsperg muß verkauft werden , und zwar so bald als möglich , es gibt kein Mittel , der Familie das Gut zu erhalten . Regula neigte ihr Haupt und sprach : » Das ist ja schrecklich . « » Wohl ! « rief die Baronin , und ihre Stimme verriet eine tiefe Erschütterung , » besonders wenn man an unsere alten Eltern denkt ... Aber - was ist zu tun ? - Sie glauben mir , liebe Regula , wenn ich Ihnen sage , daß ich nicht gekommen bin , Ihnen vorzuklagen . « Regula versicherte , sie sei davon überzeugt , und die Baronin fuhr fort : » Sondern vielmehr , um Ihnen einen Vorschlag zu machen , zu dem die Lage der Dinge meinen Bruder zwingt : Wollen Sie Rondsperg kaufen , liebe Regula