ich will deiner Treue gedenken und dieser Stunde ! « Und sie reichte ihm gerührt die Hand . Cethegus neigte leise das Haupt . » Noch eins , o Königin . Die Patrioten , fortan deine Freunde wie die meinen , wissen das Schwert des Verderbens , des Hasses der Barbaren über ihren Häuptern hangen . Die Erschrocknen bedürfen der Aufrichtung . Laß sie mich deines hohen Schutzes versichern : stelle deinen Namen an die Spitze dieses Blattes und laß mich ihnen dadurch ein sichtbar Zeichen deiner Gnade geben . « Sie nahm den goldnen Stift und die Wachstafel , die er ihr reichte . Einen Augenblick noch zögerte sie nachdenklich : dann aber schrieb sie rasch ihren Namen und gab ihm Griffel und Tafel zurück : » Hier , sie sollen mir treu bleiben , treu wie du . « Da trat Cassiodorus ein : » o Königin , die gotischen Großen harren dein . Sie begehren dich zu sprechen . « » Ich komme ! Sie sollen meinen Willen vernehmen , « sprach sie heftig : » du aber , Cassiodor , sei der erste Zeuge des Beschlusses , den diese ernste Stunde in mir gereift , den bald mein ganzes Reich vernehmen soll : hier der Präfekt von Rom ist hinfort der erste meiner Diener , wie er der treuste ist : sein ist der Ehrenplatz in meinem Vertrauen und an meinem Thron . « Staunend führte Cassiodor die Regentin die dunkeln Stufen hinan . Langsam folgte Cethegus . er hob die Wachstafel in die Höhe und sprach zu sich selbst : » Jetzt bist du mein , Tochter Theoderichs . Dein Name auf dieser Liste trennt dich auf immer von deinem Volk . « - - Zweites Kapitel . Als Cethegus aus dem unterirdischen Gewölbe wieder zu dem Erdgeschoß des Palastes aufgetaucht war und sich anschickte , der Regentin zu folgen , ward sein Ohr berührt und sein Schritt gefesselt durch feierliche , klagende Flötentöne . Er erriet , was sie bedeuteten . Sein erster Antrieb war , auszuweichen . Aber alsbald entschloß er sich zu bleiben . » Einmal muß es doch geschehen , also am besten gleich , « dachte er . » Man muß prüfen , wie weit sie unterrichtet ist . « Immer näher kamen die Flöten , wechselnd mit eintönigen Klagegesängen . Cethegus trat in eine breite Nische des dunklen Ganges , in welchen schon die Spitze des kleinen Zuges einbog . Voran schritten paarweise sechs edle römische Jungfrauen in grauen Klageschleiern , gesenkte Fackeln in den Händen . Darauf folgte ein Priester , dem eine hohe Kreuzesfahne mit langen Wimpeln vorangetragen wurde . Hierauf eine Schar von Freigelassenen der Familie , angeführt von Corbulo , und die Flötenbläser . Dann erschien von vier römischen Mädchen getragen , ein offener , blumenüberschütteter Sarg : da lag auf weißem Linnentuch die tote Kamilla , in bräutlichem Schmuck , einen Kranz von weißen Rosen um das schwarze Haar : ein Zug lächelnden Friedens spielte um den leicht geöffneten Mund . Hinter dem Sarg aber wankte , mit gelöstem Haar , stier vor sich hinblickend , die unselige Mutter , von Matronen umgeben , welche die Sinkende stützten . Eine Reihe von Sklavinnen schloß den Zug , der sich langsam in das Totengewölbe verlor . Cethegus erkannte die schluchzende Daphnidion und hielt sie an . » Wann starb sie ? « fragte er ruhig . - » Ach , Herr , vor wenigen Stunden ! O die gute , schöne freundliche Domna ! « - » Ist sie noch einmal erwacht zu vollem Bewußtsein ? « » Nein , Herr , nicht mehr . Nur ganz zuletzt schlug sie die großen Augen nochmal auf und schien rings umher zu suchen « . » Wo ist er hin ? « fragte sie die Mutter . » Ach , ich sehe ihn , « rief sie dann und hob sich aus den Kissen . » Kind , mein Kind , wo willst du hin ? « weinte die Herrin . » Nun , dorthin , « sagte sie mit verklärtem Lächeln : » nach den Inseln der Seligen ! « und sie schloß die Augen und sank zurück auf das Lager und jenes holde Lächeln blieb stehen auf ihrem Mund - und sie war dahin , dahin auf ewig ! - » Wer hat sie hier herabbringen lassen ? « - » Die Königin . Sie erfuhr alles und befahl , die Tote als die Braut ihres Sohnes neben ihm auszustellen und zu bestatten . « » Aber was sagt der Arzt ? wie konnte sie so plötzlich sterben ? « - » Ach der Arzt sah sie nur flüchtig ; er hatte alle Gedanken bei der Königsleiche und die Herrin litt ja gar nicht , daß der fremde Mann ihre Tochter berühre . Das Herz ist ihr eben gebrochen : daran mag man wohl sterben ! Aber still , sie kommen . « Der Zug ging in derselben Ordnung ohne den Sarg , zurück . Daphnidion schloß sich an . Nur Rusticiana fehlte . Ruhig schritt Cethegus den einsamen Gang auf und nieder , sie zu erwarten . Endlich stieg die gebrochne Gestalt die Stufen herauf . Sie wankte und drohte zu fallen . Da ergriff er rasch ihren Arm . » Rusticiana , fasse dich ! « » Du hier ? O Gott , du hast sie auch geliebt ! Und wir , wir beide haben sie ermordet ! « Und sie brach auf seine Schulter zusammen . » Schweig , Unselige ! « flüsterte er , sich umsehend . » Ach , ich , die eigne Mutter , habe sie getötet . Ich habe den Trank gemischt , der ihm den Tod gebracht . « Gut , dachte er , sie ahnt also nicht , daß sie getrunken , geschweige , daß ich sie trinken sah . » Es ist ein grausamer Streich des Geschicks , « sagte er laut ; » aber