' und fährt dreimal um die Hütten herum ; nachher kann kein Elend kommen in eueren heiligen Eh ' stand . « - So klingt das Märchen von der Freya noch fort im deutschen Walde . Die Annamirl schweigt eine Weile und dreht die schweren , säuberlich gerupften und gefüllten Geflügel in der Hand um und um , als wären sie schon am Bratspieß , dann versetzt sie : » Ich halt ' , Mutter , in der Erden kunnten sie verfaulen , oder es fräßen sie die Kätzlein , und deswegen ist es , daß ich sag ' : wir essen sie selber . « Zuletzt naht gar der feine Branntweiner mit seinem großen vollbauchigen Plutzer , der gleich einen weingeistigen Geruch verbreitet in der ganzen Hütte . Das riecht der Ruß-Bartelmei , der sofort herbeieilt , um zu sehen , wie so ein Tonplunzer eigentlich gemacht und zugestopft ist . Aber da kommt die Annamirl dazwischen : » Dank dir zu tausendmal Gott , Branntweinhannes , das ist schon gar zu viel , das können wir nicht abstatten . Das ist ' leicht das best ' Brautgeschenk , und so tu ' ich damit den alten Brauch . « Behendig zieht sie den Stöpsel aus dem Plutzer , gießt den funkelnden , rauchenden Branntwein bis auf den letzten Tropfen auf den Erdboden . Die Alte kichert und keift : » Du Närrisch du , allbeid ' Kätzlein werden dir rauschig ; wird aber das ein Gehetz sein ! « Als alle beisammen sind , hat schon die Sonne zur Tür hereingeleuchtet . In der Nacht ist ein Mahl gekocht worden , das die Leute nun mit gutem Appetit und lustigen Worten verzehren . Ich habe ebenfalls davon genossen und habe mich unter die Kinder gemacht , die da gewesen und denen ich von den Speisen in ihre hölzernen Schüsselchen gefaßt , auf daß sie auch etwas bekommen . Darauf sind wir alle davongegangen . Bei den Kohlenmeilern bleibt ein einziger alter Mann zurück , der mit seinem Eisenhaken lange vor der Tür steht , ein kurzes , hochtürmiges Pfeiflein schmaucht und uns nachblickt , bis wir in dem waldschattigen Hohlweg ihm verschwunden . Dann liegt nur noch die stille Morgensonne auf den Schirmtannen . Viele Männer des Hochzeitszuges haben sogar Schußgewehre bei sich getragen ; aber nicht nach den Tieren zielen sie heute , in die freie Luft schießen sie hinein , und sie halten es für eine große Feierlichkeit und Pracht , wenn es recht knallt und hallt . Gesungen und gejauchzt wird , daß der Sommertag zittert . Herzensfreudige Lieder habe ich da gehört ; Schalkheiten werden getan , althergebrachte Spiele unterwegs gehalten , und es ist schon Mittag , als wir zur Pfarrkirche von Holdenschlag gelangen . Fünf Männer kommen uns entgegen mit Trompeten , Pfeifen und einer gewaltig großen Trommel . Mit einer wahren Festfreudenwut haut der Trommelschläger drein ; und das ist ein Gehetz und mächtiges Gelächter , als der Schlägel plötzlich das so sehr gemarterte Fell durchbricht und in den Bauch hineinschießt , um seinem Takte auf dem andern Felle noch rechtzeitig nachzukommen . Ein Bursche schleicht lauernd um den Zug und will uns nach alter Sitte die Braut entführen , allein der Brauthüter wacht . Er wacht eigentlich mehr über seinen Geldbeutel als über die Braut ; denn wäre ihm diese abhanden gekommen , der Entführer hätte sie in ein entlegenes Gasthaus geschleppt und der Brauthüter hätte müssen die Zeche zahlen . Der Bräutigam geht neben der ersten Kranzjungfrau ; erst nach der Trauung gesellt er sich als Ehemann zu seiner Gattin , und nun geht der frühere Brauthüter mit der Kranzjungfrau , auf daß gleich der Keim zu einer neuen Hochzeit gelegt ist . Der Brauthüter ist mir wohl bekannt , er heißt Berthold , die Kranzjungfrau heißt Aga . In der Kirche wird Wein getrunken und der Herr Pfarrer hält eine sehr erbauliche Rede von dem Ehesakramente und den Absichten Gottes . Der gute alte Herr hat sehr schön gesprochen , aber die Leute aus dem Walde verstehen sein Hochdeutsch nicht recht . Erst im Wirtshause , als wir schon alle gegessen , getrunken und Schabernack getrieben haben , ist für die Leutchen die rechte Predigt . Da erhebt der alte , bärtige Rüpel sein Weinglas und hebt an zu reden : » Ich bin kein gelehrter Mann , hab ' keinen Doktornzipf auf und keine Kutten an . Tät ' ich mein Weinglas nit haben zur Hand , bei meiner Treu ' , Leut ' ich brächt ' kein gescheit Wörtl zustand . Daß die Zung ' mir wird gelöst , wie es Moses ist gewest , desweg ' trink ich den Wein ; fällt mir auch leichter ein schicksam Wörtl ein . - Ich bin als der alte Bibelreiter bekannt ; wär ' ich Rittersmann , ich ritt auf einem Schimmel durchs Land . Und in der Bibel , da hab ' ich einmal ein Sprüchel erfragt , der Herrgott , das Kreuzköpfel , hat ' s selber gesagt : ist der Mensch allein , sagt er , so tut er kein gut ; aber sind ihrer viel , so tun sie auch kein gut ; so probier ich ' s halt justament zu zwein und zwein , und sperr ' sie paarweis ' in die Hütten ein . Aber schaut ' s , da wird gleich die Hütten zu klein . Sie brauchen großmächtiges Haus ; zuletzt ists heilig Paradeis zu eng , sie müssen in die weit ' Welt hinaus . Müssen hinaus in den wilden Wald und auf stockfremde Heiden , müssen leiden und meiden und zuletzt wieder scheiden . Da hat der lieb ' Herrgott seinen Sohn geschickt , daß er sollt die Schäflein weiden . Ich hör ' auf das Kreuz wohl drei Hammerschläg ' klingen , zur Rechten , zur Linken , zu Füßen - da möcht ' einem das Herz zerspringen . Darauf ist geronnen das rosenfarbne Blut , das