tut mir so leid , es tut mir jetzt so leid , und davon sprech ich heut zum ersten Male zu einem andern Menschen . Mir ist so weh , wenn ich das Kind ansehe , und ich bin doch so glücklich mit ihm . Auch Zorn ist dabei und Angst ist dabei , aber wie ich es auch sage , ich kann es doch niemandem recht sagen , wie es mir zumute ist um mich und um das Kind ! « » Dann halte den Mund ; - andere Leute müssen es auch tun . Was weißt du von meiner Landstraße ? Was weißt du , was ich erfahren und nicht erfahren , bedenken und nicht bedenken kann ? Hanne Allmann , ich habe dich lieb , und du bist mein einziger Freund in der ganzen weiten Welt ; aber ich kenne dich auch durch und durch , und was kein anderer verrichtet hat , das wirst auch du nicht verrichten : wirr und blöde laß ich mich nicht machen . Glück auf ! Ich meine , einmal sehen wir uns doch noch wieder und mögen die angenehme Unterhaltung weiterspinnen . Glück auf ! « » Glück auf und lebe wohl , Jane Warwolf ! « sagte Hanne und reichte der Freundin abgewendet die Hand . Jane hob ihren Tragkorb wieder auf den Rücken , schüttelte die dargebotene Hand und schritt von dannen , wie immer mit einer Miene , als ob sie Indien erobert und nun des Spaßes halber das Dorf Krodebeck noch nachgeholt habe . Sie schritt sogar noch straffer und sieghafter als gewöhnlich einher ; aber nur so lange , als ihr Weg vom Siechenhause her zu überblicken war . Sobald sie den traurigen winterlichen Wald erreicht hatte , sank ihr Kopf herab und ging sie tief gebückt unter der Last auf ihrem Rücken . Die dichten , alten , borstigen Augenbrauen zogen sich finster zusammen , sie schlug mit ihrem Wanderstabe zornig in die Pfützen und nach den Steinhaufen an ihrem Wege und hub an , in einer ganz andern , unmutigen und zornigen Weise als die melancholische Freundin mit den Göttern und Menschen zu hadern . » Sie hat recht ; wir leben ein Hundeleben und sterben einen Hundetod ! Sie weint darüber , und ich lache darüber ; aber es kommt auf dasselbe hinaus , und niederträchtig ist ' s ! Der alte Herr vom Lauenhof weiß auch davon zu sagen - ein Hundeleben , ein Hundeleben ! Ja , wie viele Jahre Zuchthaus hätt ' s gekostet , wenn die schöne Marie das Kleine mit einem Stein am Halse in den Bach geworfen hätte ? Hui , da ist der Wind wieder ! Da jagt er die Schneewolken über die Tannen herauf . Nun hab ich ihn wieder bis in die Nacht im Gesicht ; - Sackerment , die sitzt und jammert über den letzten Sonnenstrahl , der in ihren Jammerwinkel fällt ; - Sackerment , ein Hundeleben und ein Hundetod , und das letzte ist das Beste ; - Glück auf , Jane Warwolf ! « Fünfzehntes Kapitel Der alte Herr auf dem Lauenhofe litt in der Tat am Leben , und zwar in zwiefacher Beziehung . Erstens im allgemeinen , wie Frau Jane Warwolf aus Hüttenrode das ganz richtig aufgefaßt hatte , und zweitens im besondern , wie davon selbst dem Junker Hennig von Zeit zu Zeit eine dumpfe Ahnung aufging . Es war ein schwerer Winter für den Chevalier , denn erstens war ' s auch für ihn keine Kleinigkeit , sich von seinem Zögling trennen zu müssen , und zweitens wurde , je näher diese Trennung rückte , seine Stellung gegen das Fräulein immer mißlicher und verdrießlicher . Noch einmal hatte Adelaide von Saint-Trouin , Chevalière , Haute-Justicière usw. usw. , sich gerüstet de cap en pied erhoben zum Kampf für ihren Zögling . Konnte sie auch das Verderben nicht vollständig von ihm abwehren , so trat sie doch noch einmal für sein besseres Bewußtsein ein , indem sie dasselbe vor der Abreise des Schlingels mit allem Hohen und Feinen bis zum Rande zu füllen strebte . » Was wird der arme Junge in Halberstadt auszustehen haben , bis sie ihm das wieder aus dem Leibe und der Seele gedroschen haben ! « stöhnte die gnädige Frau , und der Ritter von Glaubigern hielt es für seine Pflicht , ein ernstes Wort mit dem gnädigen Fräulein zu sprechen . Ein grades ernstes Wort ließ sich jedoch sehr übel mit dem Fräulein reden ; denn sie nahm es stets krumm , und in ihrer jetzigen Stimmung nahm sie es natürlich außergewöhnlich krumm . » Mein Gnädiges , wenn ein Mensch von dem hohen Verdienst , welches Sie sich um unsern Knaben erworben , überzeugt ist , so bin ich dieser « , sprach der Chevalier . » Aber , mein Gnädiges , wenn ich mir je erlauben würde , Ihnen gegenüber von einer Danaidenarbeit zu reden , so würde ich es jetzo tun müssen . Ich bin der bescheidentlich anheimgegebenen Meinung , daß in Halberstadt alles wieder auslaufe . « » Und ich , mein lieber Herr von Glaubigern , ich bin der Meinung , daß Sie seit längerer Zeit einen Ton gegen mich angenommen haben , den ich ignorieren muß , aber nie verzeihen werde « , erwiderte das Fräulein mit einem Lächeln süß wie Essig und fügte hinzu : » Ich fühle mich allen Anfechtungen gegenüber stark genug , meine Pflicht bis zum Äußersten zu tun , und ich werde sie tun , mein Herr Leutnant . Daß ich freilich auf jede Höflichkeit Ihrerseits , mein Herr von Glaubigern , zu verzichten habe , ist mir schmerzhaft , kann mich jedoch in meinen Vorsätzen nur bestärken . Ich bitte , sich also fernerhin nicht mehr durch mich und mein armes Kind irgendeinen Chagrin machen zu lassen ; bitte übrigens auch , bei Gelegenheit an einem andern Orte diese meine Sentiments zu kommunizieren . « Als der Ritter