, sich wunderbar beherrschend , mit einer Abhandlung über den Willen Gottes , ohne den kein Haar von unserem Haupte fallen könnte . Die Schnepfauerin schnitt diese Einleitung kurz und gewaltsam ab . » Du kämst heut ' nicht zu mir , wenn du nicht etwas Wichtiges und etwas Schlimmes sagen müßtest . Nun , ich leide schon unter diesem Gedanken so viel , daß es nicht zu sagen ist . Drum schone mich nicht mehr und sage mir offen , warum du da bist . « » Es ist wohl nicht so arg , als du denkst « , antwortete Dorothee langsam . » Der Jos ist nur für einige Wochen arbeitsunfähig geworden bei einem gefährlichen Sprung . Ich möchte der Stigerin nicht gern gleich von der Sache erzählen , du aber wirst schon so gut sein und ihn einige Tage pflegen und warten . Ich stehe dafür , daß dir - von Hansen oder sonst - jedenfalls alles reichlich ersetzt wird , was du tust und anwendest . « » Ist gar nicht nötig « , sagte die Mutter , die viel Schlimmeres erwartet zu haben schien , beinahe fröhlich . » Wer sollte so Zeit und Lust haben , für den armen Jos zu sorgen , wie ich ? « Und noch bevor sie fragte , was denn ihrem Sohne begegnet sei , trug sie einen Laubsack auf die breiteste Bank , stellte einige Lehnstühle davor und machte in der Eile ein Bett , so gut es ihr nur möglich war . Als man aber die Tritte der Nachkommenden hörte , ließ die arme Mutter alles liegen , wie es eben lag , erfaßte krampfhaft das auf dem Tische stehende Licht und wankte zur Türe hinaus . Die langsam nachfolgende Dorothee sah , wie die Mutter beim Anblick ihres Sohnes beinahe ohnmächtig auf den Tritt vor der Haustür niedersank und ihr leichenblasses Gesicht in den zitternden Händen verbarg . Dann raffte sie sich mit einer furchtbaren Kraftanstrengung wieder auf und sagte tonlos und hart : » Er soll gewiß auch noch halb erfrieren hier in der kalten Nacht ? Seid ihr alle denn von Holz , daß ihr so gar nicht mit leidenden Menschen umzugehen wißt ? « Der Armen fiel es nicht ein , daß die Träger nur auf sie warteten . Die guten Burschen verziehen ihr aber gern diese Ungerechtigkeit . Schweigend folgten sie ihr ins kleine Häuschen , als sie das Licht wieder ergriff und rief : » Stoßt doch um Gottes willen nirgends an - oder « , fügte sie in ganz anderem Tone bei , » macht , so gut ihr könnt . Ihr meint ' s ja redlich und habt ihn bis vors Haus gebracht . Ach , es ist so traurig , aber ich hab ' auch schon etwas für fröhlich gehalten , und dann ist ' s nur zum Unglück gewesen . « Auf die Freunde des Jos würde die wohlgesetzteste Rede nicht einen halb so tiefen Eindruck gemacht haben wie diese wenigen scheinbar gar nicht zusammenhängenden Worte der armen Mutter . Feuchten Auges trugen sie ihren Freund in die Stube und sahen mit Freuden die Mutter wieder etwas gehobener und fester , als sie noch an manches erinnerte , was notwendig sogleich getan und hergerichtet werden mußte . Dann aber wollte sie auch wissen , was denn eigentlich dem armen Jos begegnet sei . Jos , der noch kein Wort gesprochen hatte und auch keines zu sprechen imstande war , zog die Bettdecke übers Gesicht , um unbemerkt weinen zu können . Dorothee begann so schonend als möglich zu erzählen , bis sie durch das Kommen des Arztes unterbrochen wurde . Dieser fand den Beinbruch sehr bedenklich . Aber obwohl er sogar vom Abnehmen des Fußes einige Worte fallen ließ , schien doch der Mutter noch immer das traurigste , daß das alles nur die Folge eines Wirtshausstreites war . Sie machte dem Hitzkopf , den sie doch schon so oft und oft warnte , die bittersten Vorwürfe . Als aber der Schmerzgequälte laut aufseufzte , da eilte sie ans Bett , zog die Decke herunter , daß sie sein Gesicht sehen konnte , und kam dann nicht mehr dazu , ihre Strafpredigt wieder aufzunehmen . Dafür gedachte sie nun der traurigen Zukunft . Die anderen suchten sie zu beruhigen , aber ihre Trostworte weckten nur Widerspruch . Man erinnerte sie daran , daß sie mit solchen Klagen dem Kranken weh tue , und das half . In der Sorge um den Liebling fand sie Kraft und Selbstbeherrschung , ja nach wenigen Stunden sogar eine gewisse Heiterkeit der Seele wieder , so daß Dorothee und die anderen sie und den Kranken selbst viel beruhigter verließen . Jos litt nicht nur an seinen Verletzungen . Zu den quälendsten Vorwürfen wegen seiner Übereilung kam bald auch noch die Sorge für seine und der Mutter Zukunft . Die Mutter fand immer noch eine Art Trost und Aufrichtung in der sorglichsten Pflege des kranken Lieblings ; diesem aber war wie ein schmerzlich bitterer Vorwurf , was ihn sonst als sprechender Beweis der Mutterliebe auch unter schlimmen Umständen überglücklich gemacht hätte . Wie aufs tiefste beschämt , wie vernichtet lag er da , sein verwünschter Trotz war gebrochen ; nicht niedergeschlagen von den Gegnern , die er im Traume sich wieder und wieder gegenüberstehen sah , sondern mehr geschmolzen von der Wärme der Mutterliebe , die ihn umgab und ganz neue , früher nie gekannte Gefühle in ihm keimen und wachsen ließ . Eine wunderbare Weichheit bemächtigte sich seines ganzen Wesens , so daß er ruhig zuhörte , als später seine Freunde ihm erzählten , wie spottschlecht schließlich auch sein Gegner , der Heuer , noch weggekommen sei . So arg als einen hatte Jos mit seinem trotzigen Benehmen Stighans erzürnt . Eine Demütigung gönnte ihm dieser recht wohl und wäre bereit gewesen , auch das Seine dazu beizutragen . Als er dann aber hörte , wie schlecht dem Jos sein kühner Sprung