gebraucht worden waren . Der wilde Bart war größtenteils dem Messer zum Opfer gefallen , wogegen das Haupthaar , welches vordem der Mode von Abu Telfan Vollständig hatte weichen müssen , mit Bewilligung der zivilisierten Welt treiben durfte , wie es konnte . Es hatte getrieben und war von neuem emporgesproßt , allein leider nicht zur Verschönerung des Mannes . Es war , sozusagen , in allen Farben gekommen , braun und grau , gelb und weiß , und es war sehr borstig und widerspenstig gekommen - - jeder Büschel ein Rebell gegen den Kamm und den Salbentopf . Herr Leonhard Hagebucher trug nicht mehr einen Turban oder Fes , sondern einen sehr schönen , schwarzen , glänzenden Zylinderhut : er trug einen glänzenden schwarzen Frack , eine schwarze Sammetweste und schwarze Beinkleider , und sämtliche Teile des Kostüms von dem Hut bis zu den Stiefeln erinnerten jeden in der Naturhistorie nicht Unbewanderten an jene Stiefel , welche der heimtückische Mensch inwendig mit Leim beschmiert und zum Affenfang im Urwald unter den Baum stellt , von dessen Gipfel ihn der rauhhaarige Vetter beobachten kann . Es war viel von dem haarigen Vetter in den Augen unseres Freundes . Er fühlte sich jedenfalls geleimt ; aber er trug den Zustand mit einer wilden Munterkeit , einer Ironie , die ihn zu einem gefährlichen Kumpan für alle Genossen , die sich wohl in ihren Jacken fühlten , machten . Man fühlte , daß das Ding es nicht beim Zähnefletschen bewenden lassen , sondern unter Umständen tüchtig zubeißen werde , und somit war man gewarnt und hatte es sich selber zuzuschreiben , wenn ein Unglück geschah . Was der Afrikaner im letzten Jahre getrieben , was er vergessen und was er gelernt haben mochte , eines stand fest : er sah jetzt jeglicher Art seiner Landsleute scharf ins Gesicht , und wenn die frühere Blödigkeit bei Gelegenheit in ihr Gegenteil umschlug , so hatte sich keiner darüber zu wundern . Herr Leonhard Hagebucher ging niemandem mehr aus Verlegenheit , sondern höchstens nur aus Höflichkeit aus dem Wege : augenblicklich aber ging er wie die andern Bewohner der Hauptstadt spazieren und sah freundlich-nachdenklich auf die mit ihm frische Luft Schöpfenden . Mit dem Strom und gegen den Strom wandelte er gleich den andern im Kreise um die Stadt bis zu dem segnenden Landesgroßpapa und an demselben vorüber und ließ sich zuletzt auf einer Bank nieder , von welcher man einen Teil des geschilderten Platzes überblicken konnte . Hier saß er und grüßte allerlei Leute , deren Bekanntschaft er schon gemacht hatte , und viele Leute , die ihn bereits kannten , widmeten ihm im Vorübergehen ihre ganze Aufmerksamkeit . Eine Schar Buben versammelte sich um ihn , starrte ihn aus einiger Entfernung an und nahm sogleich Reißaus , als er eine Unterhaltung mit ihr beginnen wollte . Zuletzt rollte über den Platz ein offener Wagen , in welchem zwei Damen saßen , gegen ihn heran , und in höchster Überraschung , ja im hellen Schrecken schnellte er empor und rief : » Nikola ! ... Nikola ! « Die eine der Damen trug ein weißes Hütchen , die andere ein blaues , und jene mit dem weißen beugte sich mit ihrer Lorgnette herüber ; aber der Wagen rollte schnell weiter , und Leonhard , nach einigen Schritten vorwärts , als wolle er ihm nachlaufen , setzte sich wieder sehr fest hin und sprach : » Warten wir also ! « In dem Wagen faßte Nikola von Glimmern die Hand ihrer Freundin , der Majorin Emma , und rief : » Wer war das eben ! Sahest du ihn auch ? War er es denn ? O gütiger Himmel , welch eine Abscheulichkeit ! Welch eine Karikatur ! O Gott , Emma ! ... Johann , wir fahren noch einmal um die Stadt ; aber schnell - ventre à terre , schnell , schnell ! « Der Kutscher trieb die Pferde an , und Emma sagte : » Das war dein Afrikaner in Fleisch und Blut und in einem sehr schönen Gesellschaftsanzuge ; in der Tat , ein närrischer Held ist ' s ! Seit einiger Zeit befindet er sich in der Residenz , und man spricht genug von ihm . Mein Mann ist bereits einige Male mit ihm zusammengetroffen und lobt ihn ungemein : auch ich freue mich sehr darauf , ihn genauer kennenzulernen . Werden wir ihn wohl noch auf seiner Bank treffen ? « » Ohne Zweifel ! « sagte Nikola ; aber man merkte es ihr an , daß sie kaum auf die Worte der Freundin Achtung gegeben haben konnte ; sie blickte zerstreut vor sich hin , und wie alles übrige entging ihr jetzt auch das leise Kopfschütteln Emmas . Der Wagen fuhr schnell weiter . Viele Leute grüßten , und viele Leute sagten : » Siehe da , die schöne Baronin Glimmern ! Welch eine gute Partie sie gemacht hat ! « - Und wieder andere Leute fragten andere Leute : » Ist das nicht das wilde Fräulein von Einstein , die Tochter der alten , kleinen Generalin in der Schloßstraße ? « Worauf die Antwort lautete : » Freilich ist sie ' s ! Wir nannten sie im Klub la belle effarouchée ; aber damit ist ' s vorbei , man hat sie nun endlich doch unter die Haube gebracht , und es war Zeit ; der Herbstwind fing an , recht impertinent mit den Blättern der Rose zu tändeln . Begreifen Sie übrigens unsern Freund Glimmern ? Es gehört eben ein Charakter wie der seinige dazu , um ein solches Spiel bis zum Äußersten durchzuführen ! « Noch manche Bemerkungen ähnlicher Art wurden in den Gruppen der Spaziergänger gemacht , ehe der Wagen zum zweitenmal den pater patriae in Bronze erreichte ; jetzt aber kam derselbe von neuem in Sicht , und wirklich befand Herr Leonhard Hagebucher sich ebensowohl noch an seinem Platze auf der Bank wie der Höchstselige Herr auf seinem Postament . » Laß halten