nieder . Ich war immer bei ihr . Niemand wehrte es uns . Sie war freien Geistes , sie fing an , wieder Muth zu fassen , und es schien eine Weile , als kehre das schwindende Leben wirklich noch einmal in sie zurück , als könne das Leiden sich noch besiegen lassen . Aber diese Hoffnung , schwach wie sie war , stürzte meine Seele in den alten Kampf zurück . Die Angst , die Verzweiflung , welche mich bei dem Gedanken an ihren nahen Tod erfüllt hatten , die auftauchende Möglichkeit , sie gerettet zu sehen , die Frage , was dann aus uns werden solle , machten mich fast sinnlos . Meiner selbst nicht mächtig , brach ich das Gelöbniß des Schweigens , das ich ihr einst gegeben hatte , und bekannte ihr , daß es mir nicht möglich sei , in ihrer Nähe zu weilen , ohne zurückzufallen in die sündhafte Verwirrung , der ich mich einst kaum zu entziehen vermocht hatte . Er fuhr sich mit den Händen über die Augen . Dann seufzte er und sagte : Sie hielt eine weiße Rose in ihrer Hand in jener Stunde . Die Rose sank entblättert zur Erde nieder , als ich , vernichtet von Amanden ' s Thränen , um Vergebung flehend , ihre Hand ergriff . Amanda sah trauernd auf mich hin und schwieg , aber sie blieb ruhig und thränenlos . Sie hätten der Rose die paar armen Lebensstunden nicht zerstören sollen ! sagte sie dann endlich . Denken Sie an diese Rose , wenn ich nicht mehr sein werde - und das wird nicht lange auf sich warten lassen ! Sie hatte in den letzten Wochen nicht mehr von ihrem Tode gesprochen , ich beschwor sie , diese düstern Vorstellungen zu verbannen ; sie wollte nicht , daß ich dieselben düster nannte . Der Tod ist für uns kein Leid , er ist ein Engel des Friedens für uns , der uns Erlösung bringt ! sprach sie . Sie müssen mit mir den Himmel dafür danken , daß er mich bald abberufen wird . Wir haben schöne , schöne Tage hier miteinander gelebt , wir werden uns einst rein und geläutert wiedersehen , um unzertrennlich bei einander zu bleiben . Die Spanne Zeit , die noch dazwischen liegt , was ist sie neben der Ewigkeit , die uns erwartet ? Mein Sinn war verdüstert , meine Leidenschaft band mich an die Erde , ich konnte mich zu ihrer Entsagung nicht erheben . Ich konnte meinem Schmerze , meinen Thränen nicht gebieten , ich weinte bitterlich . Sie sah mich lange an . Weinen Sie nicht , sagte sie , ich werde Sie nicht verlassen , ich werde immer bei Ihnen sein , mein Freund ! Was hilft mir das , wenn ich Sie nicht sehe ! rief ich in der Wildheit meines Herzens . Oh ! versetzte sie , und ihr Ton klang mild wie keines andern Menschen Stimme , Sie sollen mich auch sehen , wenn Gott es zuläßt , daß wir den Lebenden erscheinen . Heiligen Sie Ihr Leben ! Leben Sie es im Dienste Gottes und vergessen Sie der weißen Rose nicht ! Sie soll Ihnen ewig eine Mahnung an die menschliche Schwachheit und ein Zeichen meiner Nähe sein . Sind Sie das zufrieden ? Ich hatte keine Antwort , als meinen stummen Schmerz . Sie ließ mich versprechen , daß ich ihr die Augen schließen und täglich für sie beten , daß ich ihre Mutter nicht verlassen , daß ich über ihren Bruder wachen und ihm ein Bruder bleiben wolle . Sie trug mir auf , ihre Asche nach Richten zu schaffen und weiße Rosen pflanzen zu lassen vor der Thüre der Familien-Gruft . Von der Stunde ab war ich Herr geworden über mich für alle Zeit , sagte der Erschütterte mit Ergebung . Im Frühjahr neigte sich ihr Leben zur Ruhe . Der Mai war zu Ende , als sie starb . Ihr Wille geschah . Wir brachten ihr Sterbliches nach der Heimath , ich habe die Rosenbüsche selbst gepflanzt , ich habe auch ihrer Mutter das Auge geschlossen und bin ein Hüter des Grabes geworden , das sie deckt . All mein Wünschen war am Ende , und der Ehrgeiz , das Verlangen nach weltlichem Ansehen und nach weltlicher Macht , die mich sonst zuweilen beseelt , waren damit für immer in mir erloschen . An dem Orte zu weilen , wo sie gelebt hatte , zu wirken , wo ihre Milde gewaltet , das war Alles , was ich begehrte ; und mit inbrünstigem Verlangen , mit täglichem Gebet erwartete ich es , ob sie mir kein Zeichen geben würde . - So kam der Jahrestag ihres Todes heran . Ich hatte an seinem Vorabende lange im Gebet gewacht ; am Morgen eingeschlummert , weckt mich ein Klopfen an der Thüre . Ich rufe herein , ein Knabe aus dem Dorfe kommt in mein Zimmer , und das Erste , was ich erblicke , ist ein Strauß von weißen Rosen , der mir in seiner Hand entgegenwinkt . Er schwieg , von seiner Empfindung überwältigt , und blieb lange in seinen Erinnerungen versunken . Dann richtete er sich empor und sagte mit sanfter Rührung : die weiße Rose hat mich seitdem durch mein ganzes Leben begleitet . Im Wachen und im Traume ist sie mir plötzlich entgegengebracht worden , wenn mein Sinn verdüstert war . Sie hat mich ermahnt und erhoben , und es wird sich ja wohl Jemand finden , sie auch mir einst auf den Sarg zu legen und sie auch auf mein Grab zu pflanzen . Er erhob sich und trat an den Kamin , die Lichter zurecht zu rücken . Mit feuchtem Auge , unfähig , den Empfindungen , die sie bewegten , Worte zu leihen , sah Angelika ihm nach . Sie hatte in den ernsten , stillen Zügen des Caplans diese Vergangenheit nie gelesen ; sie wußte jetzt , was