zu erwägen steht , von wegen Deines seligen Vaters in Erfahrung gebracht haben wirst , daß der Mensch nicht ewig lebt allhier auf dieser Erde , sondern daß des Menschen Leben seine Zeit währet und er schon zufrieden sein muß , wenn er nicht schon vor der Zeit abfährt und nach dem Kirchhof abgefahren wird , und sintemalen und alldieweilen Du nun , mit Respekt zu sagen , ein angehender Pastore bist und in Gottes Wort erzogen bist und sonsten ein verträgliches Gemüt und patibeles Temperament hast , so verhoffen wir , als wie ich , Deine Mutter und die Base Schlotterbeck , daß Du dieses Schreiben Dir nicht zu sehr zu Herzen nehmen wirst . Denn mit Deiner Mutter steht es schlecht ! Wir haben länglich geschwiegen , weil es leise anging und wir vermeinten , es solle besser werden , ehe wir Dir Nachricht von das Malör gäben ; aber nun ist ' s aus und am Ende , schlechter kann ' s nicht werden , und wir vermelden es Dir hiermit , Du mußt den Bündel auf den Buckel laden und als ein geistlicher Mensche zeigen , daß Du den Trost nicht bloß für andere in der Tasche trägst und mits Schnupptuch herfürziehst . Habe Dir also nicht zu schrecklich und unvernünftig über das , was in diesem selbigen Brief Dir zukommt ! Deiner Mutter , der guten Seele , ist es denn doch wohl zu gönnen , daß sie einen sanften Tod hat und sich nicht allzu elend und langweilig hinquälen muß , ehe ihr der Odem stillesteht . Aber der Doktor sagt , es kann nicht sein , und sie wird noch viel Drangsal leiden , ehe und bevor der liebe Gott sie zu sich nimmt . Du mußt Dich also darin finden , mein Junge , laß es gehen , wie ' s geht , ich sage nichts weiter . Die Frau hat aber grausame Sehnsucht nach Dir , und wenn Du abkommen kannst von Deine Gelehrsamkeit und Deine Herren Lehrerprofessors Dich loslassen wollen , so wäre es uns sehr angenehmlich , wenn Du Dein Wanderbuch so schnell als möglich hierherfisieren lassen wolltest . Deine Mutter hat es wohl um Dich verdient , daß sie Trost an Dir hat in ihre letzten Tage und große Schmerzen ; denn sie hat die zurückgetretene Gicht , und das Wasser und Waschen hat ihr den Dampf angetan , was was Schreckliches ist . Mache Dich also somit auf die Wanderschaft und komm eilends hierher , wo wir in großer Not Deiner erwarten . Sonsten ist noch alles wie sonst , aber es ist nicht viel Pläsier mehr in der Welt und in den Zeitungen auch nicht mehr . Es waren ganz andere Zeiten , als ich und Deine Mutter noch solch jung Volk waren wie Du anjetzo und Dein Vater , auch ein jung Blut , um Deine Mutter freiete , welches mir ist wie heute , und kann noch nicht daran glauben , wenn ich bedenke , daß der Anton schon so lange tot ist , und wenn ich die Christine , will sagen , Deine Mutter ansehe , wie sie da liegt . Komm also schnell und behalte bis dahin in guten Gedanken Deinen geliebten Oheim und Paten Niklas Grünebaum , Schuhmachermeister . « Der Blitz , welcher du den Füllen Hans Unwirrschs einschlug , betäubte ihn nur auf kurze Zeit , er stand auf den Füßen und horchte auf den feierlich verrollenden Donner . Hans , der so leicht vor jeder rauben Berührung zurückwich , wich nicht , als sich die Hand des Unglücks nun wirklich grimmig gegen ihn ausstreckte . Er packte seine Zeugnisse und wenigen Habseligkeiten mit Überlegung zusammen und zog fort von der Universität nach dem alten Neustadt zum Sterbebett der Mutter . Elftes Kapitel Es war ein melancholischer Weg durch das herbstliche Wetter . Auf der ganzen Länge seines Pfades begleitete den armen Wanderer der Wind , der kalte , grämliche , greinende , stöhnende Oktoberwind . Den Wäldern riß er ein gut Teil des Schmuckes , mit welchem er im Frühling und Sommer so oft schmeichlerisch getändelt hatte , höhnisch ab . Auf der Landstraße jagte er dichte Staubwolken empor , und über die Stoppeln der Felder fuhr er mit einem heulenden Gezisch , welches keinem lebenden Wesen außer der Krähe behagen konnte . Nur das Geklapper der Dreschflegel in nahen und fernen Dörfern konnte als tröstliches Zeichen genommen werden , daß noch nicht alles für die Erde verloren sei und daß der Triumph , welchen der Wind auf den leeren Feldern feiere , nur ein trüglicher sei . Aber für den einsamen Wanderer in den Staubwolken der Landstraße ging dieser Trost verloren ; er konnte wenig darauf achten , und bedrückt und bedrängt aufs tiefste , zog er einen Fuß dem andern nach . Er hatte diesen Weg nun schon so oft gemacht , daß ihm weder zur Rechten noch zur Linken irgendein hervortretender Gegenstand unbekannt war . Bäume und Felsstücke , Häuser und Hütten , Wegweiser , Kirchtürme , alte Grenzsteine , die nichts mehr bedeuteten als die Vergänglichkeit auch des weitesten Besitzes - alles hatte schon früher in wechselnden Stimmungen einen wechselnden Eindruck auf ihn gemacht . Er erinnerte sich , wie er dort nachdenklich gesessen , dort unter jenem Gebüsch einen Nachmittag verschlafen habe . Er gedachte vorzüglich jener Tage , als er diesen Weg zum erstenmal mit dem großen Hunger nach dem Wissen in Begleitung des entschwundenen Jugendgenossen gezogen war . Nun kam er zum letztenmal zurück auf diesem Wege ; - viel hatte er gelernt , mancherlei geduldet und viele Freuden genossen . Wie stand es nun in seiner Seele ? Er war niedergeschlagen , er war traurig und wäre es auch ohne den bösen Brief des Oheims Grünebaum gewesen . Mit aller Kraft hatte er gestrebt , das zu lernen , was von der hohen Wissenschaft , der er sich ergeben hatte , sich lernen ließ , und er mußte sich sagen