Herz dieser Frau ist aus durchaus edlerem Stoffe , als sonst die Menschenherzen sind , und daß sie Gutes thun und Andere beglücken muß , gerade wie ein Kanarienvogel singt und ein Eichhörnchen springt , weil ' s eben so ihre schöne Natur ist , und sie nicht anders kann . Verzeihen Sie , lieber Collega , daß ich mit diesen Dingen , die Sie nicht interessiren und nicht interessiren können , Ihre Zeit in Anspruch nehme , aber mein Herz ist wirklich zu voll , als daß es nicht überfließen sollte , und ich habe das Vertrauen zu Ihnen , daß Sie mich deshalb nicht für einen sentimentalen Gesellen halten werden . Ich kann Sie nur versichern , daß Sie Ihr Vertrauen keinem Unwürdigen schenken , Herr Bemperlein , auch wenn Sie mir nicht erlauben , mit Ihnen zu sympathisiren . Ich Ihnen das nicht erlauben ? Es ist mein innigster Wunsch , daß Sie das vermöchten , um so mehr , als ich , offen gestanden , hauptsächlich in der ganz egoistischen Absicht herübergekommen bin , Sie in einer für mich hochwichtigen Angelegenheit um Rath zu fragen . Mich ? Ja , Sie ! Ich will Ihnen auch ganz offen sagen , wie Sie dazu kommen , bei mir die Stelle des weisen Einsiedlers im Walde , zu dem sich die vom Zweifel geplagte Creatur flüchtet , einzunehmen . Sie sind zu diesem verantwortlichen Amte durch eine Stimme erhoben , gegen die für mich kein Appell existirt ; ich meine durch die Stimme der Frau von Berkow . Ich versuchte ihr heute Morgen auseinanderzusetzen , was ich Ihnen alsbald mit Ihrer gütigen Erlaubniß mittheilen will ; sie hörte mich mit himmlischer Geduld von Anfang bis zu Ende an und sagte dann , ihre Hand für einen Augenblick auf die meinige legend : Lieber Bemperlein , sagte sie , wollen Sie meinen Rath hören . Natürlich , gnädige Frau ! sagte ich . Nun denn , sagte sie , lieber Bemperlein , gehen Sie hinüber nach Grenwitz , bringen Sie Herrn Doctor Stein eine Empfehlung von mir , und erzählen Sie ihm ganz ausführlich , was Sie mir eben gesagt haben ; und was er Ihnen dann antwortet , das nehmen Sie als meine Antwort . Auf Oswalds Lippen schwebte ein stolzes Lächeln . Er sah in dieser Demuth Melitta ' s eine ihm dargebrachte Huldigung ; er fühlte , daß sie ihrer Liebe keinen reineren Ausdruck geben konnte , als durch dieses Geständniß , wie fortan ihre Existenz in der ihres Geliebten aufgehe . Wie Sie sich aus dieser Verlegenheit ziehen werden , fuhr Herr Bemperlein fort , ist Ihre Sache : die Rolle des Vertrauten ist Ihnen einmal zugetheilt , und Sie müssen dieselbe herunterspielen , so gut Sie können . Die Sache ist nämlich einfach die , oder vielmehr gar nicht einfach , sondern sehr complicirter Weise , auf alle Fälle indessen ist die Sache die : Ich bin nämlich - ich habe nämlich - aber hier kann ich Ihnen das nicht erzählen , ich muß dazu den Himmel über mir haben , denn unter dem blauen Himmel sind mir die Gedanken gekommen , die eine solche Revolution in meinem Innern hervorbrachten . Sie thäten mir also einen Gefallen , Herr Collega , wenn Sie mir nach Berkow das Geleit geben wollten . Unterwegs lege ich Ihnen meine Beichte ab . Jetzt will ich gehen , Julius zu rufen , und mich bei den Herrschaften zu empfehlen . Machen Sie sich unterdessen zurecht ; aber lassen Sie mich um Himmelswillen nicht lange warten . Zehn Minuten reichen vollkommen zu , und länger halte ich auch ein tête-à-tête mit Ihrer Baronin nicht aus . Also à revoir in zehn Minuten , es schadet nichts , wenn es auch nur neun sind . Als Oswald nach unten kam , complimentirte sich gerade Herr Bemperlein vor dem alten Baron zur Thür der Wohnstube hinaus . Keinen Schritt weiter , Herr Baron ! Uff ! - Nun lassen Sie uns machen , daß wir wegkommen , Herr Collega . Wo ist mein Julius ? Auf dem Hofe fanden sie die Knaben . Bruno saß auf dem Rand des Brunnens der kopflosen Najade , und schlichtete Julius , der zwischen seinen Knieen stand , das lange lockige Haar . Wie willst Du denn ohne den Pony fertig werden , Julius ? Ja , ich will sehen , vielleicht lasse ich mir ihn nachschicken . Du Glücklicher , ich glaube , Du läßt Dir auch Deine Mama und Herrn Bemperlein nachschicken , wenn ' s ohne sie nicht geht . - Ich wollte , ich könnte mit Dir nach Grünwald , und sähe dies verdammte Nest im Leben nicht wieder . Mama sagte mir , Du hättest Herrn Stein so lieb , ist das wahr ? Ich ihn lieb ? sagte Bruno , den Kopf trotzig in die Höhe werfend ; weshalb sollte ich ihn lieb haben ? er ist mir ganz gleichgültig . Er bekümmert sich viel um mich ! Er ! Gestern ist er den ganzen Tag ohne mich umhergelaufen , und heute hat er mich noch keines Blickes gewürdigt - er ist mir ganz gleichgültig ; hörst Du ? sag ' das nur Deiner Mama , ganz gleichgültig ! - Und damit verbarg er sein Gesicht in Julius Locken und schluchzte . Was ist Dir , Bruno ? Mir ? nichts ! was sollte mir sein ! Bruno , ich begleite Herrn Bemperlein ! rief Oswald herüber . Herr Doctor , ich begleite Julius ! rief Bruno zurück . Wo ist Malte ? Soll ich Maltes Hüter sein ? Malte ist auf dem Zimmer des Barons , sagte Herr Bemperlein ; er ist von der Fahrt sehr angegriffen ; die Baronin meint , er fiebere etwas , und der Baron hat ihm auf dem Sopha ein Lager zurecht gemacht , wie einer jungen Katze . Welchen Weg nehmen wir ? Ich denke , wir gehen durch den Wald ,