das Laub zerstört oder verunstaltet war , was von Raupenfraß herrührte . Mir fiel die Sache nicht weiter auf , da ich sie von Jugend an zu sehen gewohnt war , und da sie sich nicht in einem ungewöhnlichen Grade zeigte ; aber das fiel mir auf , daß so wie an diesen Rosen auch in Eurem ganzen Garten nichts von dem Übel zu sehen ist , kein dürres Reis , kein kahles Zweiglein , kein Stengel eines abgefressenen Blattes , ja nicht einmal ein verletztes Blatt des Kohles , dem doch sonst der Weißling so gerne Schaden tut . Im Angesichte dieses Wohlbefindens kamen mir die Zerstörungen wieder zu Sinne , die ich in dem Lande gesehen hatte , und ich beschloß , in dieser Hinsicht eine Frage an Euch zu tun , ob Ihr denn da eigentümliche Vorkehrungen habt ; denn das Ablesen der Raupen und Insekten hat sich ja überall als unzulänglich gezeigt . « » Wir würden allerdings durch Ablesen des Ungeziefers weder unsere Rosen noch die Bäume und Gesträuche im Garten vor Verunglimpfung frei halten können « , antwortete er . » Wir haben nun in der Tat andere Einrichtungen dagegen . Ich muß Euch sagen , daß es mich freue , daß Ihr in meinem Garten die Abwesenheit des Raupenfraßes bemerkt habt , und ich werde Euch recht gerne darüber Aufklärung geben , und besonders darum , daß es sich auch ausbreiten könne . Die Beantwortung Eurer Frage kann aber am besten in dem Garten geschehen , weil ich Euch zur Bekräftigung gleich manche Vorrichtungen zeigen und die Beweise dartun kann . Wenn es Euch genehm ist , so gehen wir in den Garten , in welchem auch eine kleine Ruhe auf irgend einem Bänkchen nach dem Gange von dem Meierhofe herauf nicht unangenehm sein wird . « » Einen Augenblick laßt mich noch diese Rosen betrachten « , sagte ich . » Tut nach Eurem Gefallen « , antwortete er . Ich trat zuerst näher an das Gitter , um einzelnes zu betrachten . Ich sah nun wirklich die reinliche Erde , in welcher die Stämmchen standen , und die nicht von einem einzigen Gräschen bewachsen war . Ich sah das gutbestrichene Holzgitter , an welchem die Bäumchen angebunden , und an welchem ihre Zweige ausgebreitet waren , daß sich keine leere Stelle an der Wand des Hauses zeigte . An jedem Stämmchen hing der Name der Blume auf Papier geschrieben und in einer gläsernen Hülse hernieder . Diese gläsernen Hülsen waren gegen den Regen geschützt , indem sie oben geschlossen , unten umgestülpt und mit einer kleinen Abflußrinne versehen waren . Nach dieser Betrachtung in der Nähe trat ich wieder zurück und besah noch einmal die ganze Wand der Blumen durch mehrere Augenblicke . Nachdem ich dieses getan hatte , sagte ich , daß wir jetzt in den Garten gehen könnten . Wir näherten uns dem Torgitter , der alte Mann tat einen Druck wie gestern , da er mich eingelassen hatte , das Tor öffnete sich , und wir gingen in den Garten . Dort näherten wir uns einer Bank , die in angenehmem nachmittägigem Schatten stand . Als wir uns auf ihr niedergesetzt hatten , sagte mein Gastfreund : » Unsere Mittel , die Bäume , Gesträuche und kleineren Pflanzen vor Kahlheit zu bewahren , sind so einfach und in der Natur gegründet , daß es eine Schande wäre sie aufzuzählen , wenn es andererseits nicht auch wahr wäre , daß sie nicht überall angewendet werden , besonders das letzte . Was nun das Kahlwerden von Bäumen und Ästen anlangt , so entsteht es nicht immer durch Raupen , sondern oft auch auf andern Wegen nach und nach . Gegen ein endliches Sterben und also Entlaubtwerden des ganzen Baumes gibt es so wenig ein Mittel als gegen den Tod des Menschen ; aber so weit darf man es bei einem Baume im Garten nicht kommen lassen , daß er tot in demselben dasteht ; sondern wenn man ihm durch Zurückschneiden seiner Äste öfter Verjüngungskräfte gegeben hat , wenn aber nach und nach dieses Mittel anfängt , seine Wirkung nicht mehr zu bewähren , so tut man dem Baume und dem Garten eine Wohltat , wenn man beide trennt . Ein solcher Baum steht also in einem nur einiger Maßen gut besorgten Garten oder auf anderem Grunde gar nicht . Damit aber auch nicht Teile eines Baumes kahl dastehen , haben wir mehrere Mittel . Sie bestehen aber darin , dem Baume zu geben , was ihm nottut , und ihm zu nehmen , was ihm schadet . Darum gilt als Oberstes , daß man nie einen Baum an eine Stelle setze , auf der er nicht leben kann . Auf Stellen , die Bäumen überhaupt das Leben versagen , setzt wohl kein vernünftiger Mensch einen . Aber es gibt auch Stellen , die nur darum nicht taugen , weil sie nicht bearbeitet sind , oder weil ihnen etwas mangelt , was einem bestimmten Gewächse notwendig ist . Um nun die Stelle gut zu bearbeiten , haben wir , ehe wir einen Baum setzten , eine so tiefe Grube gegraben und mit gelockerter Erde gefüllt , daß der Baum bedeutend alt werden konnte , ehe er genötigt war , seine Wurzeln in unbearbeiteten Boden zu treiben . Selbst alte Stämme , die ich hier gefunden hatte , und deren Zustand mir nicht gefiel , habe ich durch Herausnehmen , Lockern ihres Standortes und Wiedereinsetzen zu vortrefflichem Gedeihen gebracht . Aber ehe wir die Grube gegraben haben , ehe wir den Baum in dieselbe gesetzt haben , haben wir auch durch Erfahrung oder Bücher herauszubringen gesucht , was ihm auch nebst der Erde noch not tue , und welchen Platz er haben müsse . Für welchen Baum ein geeigneter Platz im Garten nicht ist , der soll auch im Garten gar nicht sein . Welche Bäume viele Luft brauchen , setzen wir in die Luft , die das Licht lieben , in