) , nicht allein getrocknet habe ich Tränen , auch gesammelt habe ich welche ! - Sieh , Lieschen ! « Einen Ausruf der Verwunderung und Freude stößt Elise trotz ihrem Groll aus , als ihr der Bösewicht den Inhalt seiner Schachtel in den Schoß schüttet und unzählige funkelnde , leuchtende Johanniswürmer um sie herum kriechen und schwirren . Die Lampen sind weit genug entfernt , daß die Tierchen in ihrem ganzen Glanz erscheinen können , und es ist wirklich ein hübscher Anblick - diese besternte Elise ! » Das sind meine Reuetränen , und du - kriegst Tänzer leider zu viel - ohne mich ! - und ich bin ein Teekessel und et cetera - Lieschen ? ! - Lieschen , gucke mich mal an ! « » Taugenichts ! « sagt Elise , dem Sünder in die Haare greifend , und - der Friede ist geschlossen ! - War denn der alte Meister Frey an diesem Abend ganz aus Rand und Band ? Auf einmal verkündete er , daß er seinen morgenden 69sten Geburtstag ( es war der letzte seines Lebens ) jetzt feiern wolle , da bei solchen Gelegenheiten das Improvisieren den wahren Genuß und Jubel hervorbringe . Das halbe Atelier machte er halb betrunken , die ganze weibliche Welt ganz angeheitert . Ein Kranz wurde ihm aufgesetzt trotz allem Sträuben - ein Kranz , der nur so sein mußte . Der Domprediger hielt eine Rede , die » Verehrter Greis « anfing und ähnlich endete , und Reden wurden losgelassen und Toaste ausgebracht bis zwölf Uhr . Dann erhob sich das alte bekränzte Geburtstagskind , beklagte sich über Nachtkühle und Nachtfeuchte , und - das Fest war vorbei . Vorbei ! Wo sind heute alle die , welche es feierten ? Tot ist der alte Meister Frey , zerstreut in alle Welt sind seine Schüler . Peter Holzmann , genannt Peter van Laar oder auch Bamboccio , ist 1849 in einer römischen Villa von französischen Plünderern erstochen , als er eine Raffaelsche Madonna vor ihrer Zerstörungswut schützen wollte . Der Domprediger ist noch immer nicht zum Mormonentum übergetreten , und der Oberlehrer Besenmeier hat Fräulein Julie Frey geheiratet und steht - » mit dem Gürtel , mit dem Schleier reißt der schöne Wahn entzwei « - fürchterlich unter dem Pantoffel . Die Frau Rektor Dippelmann knüpft noch wie immer alle Morgen ihrem Gemahl die Halsbinde um , steckt ihm das Butterbrot , in die gestrige Zeitung gewickelt , in die Rocktasche und sieht ihm stolz nach aus dem Fenster , wie er über die Friedensbrücke nach dem Schimmelstädtischen Gymnasium wandelt . Und Gustav und Elise ? - - - Ich werde nachher dieses Blatt der Chronik hinübertragen zu jener schönen ältlichen Frau in Nr. zwölf der Sperlingsgasse , deren Fortepianoklänge sich schon den ganzen Nachmittag über in meine Gedanken verwoben haben . Dann werden wir von Gustav und Elise sprechen ! Am 14. März » Hören Sie , Wachholder « , sagte heute Strobel , mit den zusammengehefteten Bogen der Chronik aufs Knie schlagend , » wenn Ihnen einmal Freund Hein das Lebenslicht ausgeblasen hat , irgend jemand unter Ihrem Nachlaß diese Blätter aufwühlt und er sich die Mühe gibt , hineinzugucken , ehe er sie zu gemeinnützigen Zwecken verwendet , so wird er in demselben Fall sein wie der alte Albrecht Dürer , der ein Jagdbild lobte , aber sich zugleich beklagte , er könne nicht recht unterscheiden , was eigentlich die Hunde und was die Hasen sein sollten . Sie würfeln wirklich Traum und Historie , Vergangenheit und Gegenwart zu toll durcheinander , Teuerster ; wer darüber nicht konfus wird , der ist es schon ! Und wenn Sie noch Ihre Bilder einfach hinstellten wie ein alter , vernünftiger , gelangweilter Herr und Memoirenschreiber ! Aber nein , da rennt Ihnen Ihr Mitarbeitertum der Welken Blätter zwischen die Beine , da putzen Sie Ihre Erinnerungen auf mit dem , was Ihnen der Augenblick eingibt , hängen hier ein Glöckchen an und da eins , und ehe man ' s sich versieht , haben Sie ein Ding hingestellt wie - wie ein Gebäude aus den bunten Steinen eines Kinderbaukastens . Das ist hübsch und bunt , aber - es paßt nichts recht zusammen , und wenn man es genau besieht - puh ! - Nehmen Sie ' s nicht übel , aber manchmal gleicht Ihre Chronik doch dem Machwerk eines angehenden literarischen Lichts , das sich mit Rousseau getröstet hat : Avec quelque talent qu ' on puisse être né , l ' art d ' écrire ne s ' apprend pas tout d ' un coup . « Ich hatte dieser langen Rede des Karikaturenzeichners geduldig zugehört , jetzt sagte ich , während ich erbost meine Pfeife ausklopfte : » Sie haben vor einiger Zeit versprochen , ein Mitarbeiter meiner Chronik werden zu wollen , ich nehme Sie jetzt nach Ihrer so tief eingehenden Kritik sogleich beim Wort und - lasse Sie mit Dinte , Feder und Papier allein , daß Sie Ihren Beitrag derselben auf der Stelle anhängen . Der einst Konfuswerdende mag auch von Ihnen etwas mit aufwühlen . Guten Abend ! « Der Karikaturenmaler lachte , sagte » fiat « und begann eine Feder zu schneiden , während ich Hut und Stock nahm und abzog mit dem Gefühl eines Menschen , der eine belebte Straße hinabzieht unter der festen Überzeugung , daß ihm hinten ein ungreifbares , ellenlanges Band vom Vorhemde über den Rockkragen baumelt . » Und recht hat er doch ! « brummte ich , indem ich die Treppe hinabstieg . » Wenn nur die Liese erst wieder da wäre ! Komm zurück , Schlingel von Gustav , und bringe sie mit , daß euer alter Onkel ruhig wieder an seinem Werke de vanitate weiterschreiben kann ! « Damit trat ich aus dem Hause und zog eben die Handschuh an , als sich oben mein Fenster öffnete , der Karikaturenzeichner den Kopf heraussteckte und herunterrief : » Hören Sie