bald spitz auf des Barfüßele ' s Dami los , der auf Gemeindekosten eine Vergnügungsreise nach Amerika gemacht habe . Nur die schwarze Marann ' nahm ihn freundlich auf und ihr zweites Wort war : » Hast du nichts von meinem Johannes gehört ? « Dami konnte keine Kunde geben . Und in doppelter Weise mußte Dami heute Haar lassen , denn noch am Abend brachte Barfüßele den Bader , der ihm den wilden Vollbart abnehmen und ihm das landesübliche glatte Gesicht geben mußte . Schon am andern Morgen wurde Dami auf ' s Rathhaus beschieden , und da er davor zitterte , er wußte nicht warum , versprach Barfüßele ihn zu begleiten und das war gut , wenn es gleich nicht viel half . Der Gemeinderath verkündete Dami , daß er aus dem Ort ausgewiesen sei ; er habe kein Recht hier zu bleiben , um vielleicht der Gemeinde wieder zur Last zu fallen . Alle Gemeinderäthe staunten , da Barfüßele hierauf erwiderte : » Ja wohl , Ihr könnet ihn ausweisen ; aber wisset Ihr wann ? Wenn Ihr hinausgehen könnt auf den Kirchhof , dort wo unser Vater und unsere Mutter liegt und wenn Ihr zu den Begrabenen sagen könnt : Auf ! geht fort mit Eurem Kind ! - Dann könnt Ihr ihn ausweisen . Man kann Niemand ausweisen aus dem Ort , wo seine Eltern begraben sind , da ist er mehr als daheim ; und wenn ' s tausend und tausendmal da in den Büchern steht ( sie deutete auf die gebundenen Regierungsblätter ) und anders stehen mag , es geht doch nicht und Ihr könnet nicht . « Ein Gemeinderath sagte dem Schullehrer in ' s Ohr : » Diese Reden hat das Barfüßele von niemand Anders gelernt als von der schwarzen Marann ' ! « Und der Heiligenpfleger neigte sich zum Schultheiß und sagte : » Warum duldest du , daß das Aschenbuttel so schreit ? Klingle dem Schütz , er soll sie in ' s Narrenhäusle stecken . « Der Schultheiß aber lächelte und erklärte Barfüßele , daß sich die Gemeinde von allen Ueberlasten , die ihr durch den Dami werden könnten , losgekauft habe , indem sie den größten Theil des Ueberfahrtsgeldes für ihn auslegte . » Ja , wo ist er denn jetzt daheim ? « fragte Barfüßele . » Wo man ihn annimmt , aber hier nicht und vor der Hand nirgends . « » Ja , ich bin nirgends daheim , « sagte Dami , dem es fast wohl that , immer noch mehr unglücklich zu sein . Jetzt konnte es doch Niemand läugnen , daß es keinem Menschen auf der Welt schlechter ginge als ihm . Barfüßele kämpfte noch dagegen , aber sie sah bald , hier half nichts , das Gesetz schien wider sie und nun betheuerte sie , daß ihr eher das Blut unter den Nägeln hervorfließen solle , ehe sie je wieder etwas für sich und ihren Bruder von der Gemeinde annehme und sie versprach alles Erhaltene zurückzuerstatten . » Soll ich das auch in ' s Protokoll nehmen ? « fragte der Gemeindeschreiber die Umsitzenden und Barfüßele antwortete : » Ja , schreibet ' s nur , bei euch gilt ja doch nur das Geschriebene . « Barfüßele unterzeichnete das Protokoll , aber als dies geschehen war , wurde Dami dennoch verkündet , daß er als Fremder die Erlaubniß habe : drei Tage im Dorfe zu bleiben , wenn er bis dahin kein Unterkommen gefunden , werde er ausgewiesen und nöthigenfalls mit Zwangsmitteln über die Grenze gebracht . Ohne weiter ein Wort zu sagen verließ Barfüßele mit Dami das Rathhaus , und Dami weinte darüber , daß sie ihn unnöthig gezwungen habe , in ' s Dorf zurückzukehren ; er wäre besser im Wald geblieben und hätte sich damit den Spott und jetzt den Kummer erspart , zu wissen , daß er aus seinem Heimathsort als Fremder ausgewiesen sei . Barfüßele wollte ihm erwidern , daß es besser sei , wenn man Alles klar wisse und sei es auch das Herbste ; aber sie verschluckte das , sie selber fühlte , daß sie alle Kraft brauche , um sich aufrecht zu erhalten ; sie fühlte sich auch ausgewiesen mit ihrem Bruder und sie empfand es , daß sie einer Welt gegenüber stand , die sich auf Macht und Gesetze stützte und sie selber hatte nur die leere Hand ; aber sie hielt sich jetzt aufrechter als je . Das Ungeschick und Mißgeschick Dami ' s drückte sie nicht nieder , denn so ist der Mensch : hat er ein Schmerzen das ihn ganz erfüllt , dann trägt er ein anderes , und sei es noch so schwer , oft leichter , als wenn es allein gekommen wäre . Und weil Barfüßele ein unnennbares Wehe empfand , gegen das sie nichts thun konnte , trug sie das nennbare , gegen das sie wirken konnte , um so williger und freier . Sie gönnte sich keine Minute der Träumerei mehr und ging immer mit straffen Armen und mit geballter Faust hin und her , als wollte sie sagen : wo ist denn die Arbeit und sei es auch die schwerste , ich nehme sie über mich , wenn ich nur mich und meinen Bruder aus der Abhängigkeit und Verlassenheit herausbringe . Sie dachte jetzt selber daran mit Dami in ' s Elsaß zu wandern und dort in einer Fabrik zu arbeiten . Es kam ihr schrecklich vor , daß sie das sollte ; aber sie wollte sich dazu zwingen . Wenn nur der Sommer vorüber war , dann sollte es fortgehen , und Lebewohl Heimath ! Wir sind ja auch daheim in der Fremde . Der nächste Annehmer , den die beiden Waisen in der Ortsregierung gehabt hatten , war jetzt machtlos . Der alte Rodelbauer lag schwer krank danieder und in der Nacht nach der stürmischen Gemeinderathssitzung verschied er . Barfüßele und die schwarze Marann ' waren diejenigen , die am meisten bei