sagte Dankmar . Hohenberg ist auch mein Reiseziel . Sie werden früher dort ankommen als ich . Von hier werd ' ich noch zehn Stunden zu gehen haben und Sie wol nur noch sechs zu fahren . Sie sollten mit meiner schlechten Kalesche vorlieb nehmen , bemerkte Dankmar . Er that Dies nicht ohne Zögern , da eben Hackert hinter ihnen ungeduldig und lärmend mit der Peitsche klatschte . Der Fremde sah sich den Wagen an und blieb mit den Worten : Der Staub ist allerdings sehr lästig ! stehen . Hackert rührte sich nicht vom Platze , öffnete auch den Schlag nicht , sondern schien ruhig abzuwarten , ob Dankmar ihn ganz als Kutscher behandeln und jetzt sogar zwingen würde , einen wandernden Handwerksburschen zu fahren ..... Beide Fälle , ob nun die blaue Blouse zu Dankmar oder zu ihm gesetzt wurde , waren seinem empfindlichen Ehrgefühl peinlich . Er schnitt die grimmigsten Gesichter , sprach von Ermüdung des Gauls , schlechtem Wege , engem Platz . Der Fremde , erstaunt über die Unhöflichkeit eines Menschen , den er nur nach dem Bock , auf dem er saß , beurtheilte , schien einen Augenblick zu vergessen , daß er diesem doch auch nur ein wandernder Tischler sein konnte , und über die von Hackert ' s Mienenspiel ihm gegebene Andeutung , sich , wenn er aufstieg , vorn zu ihm zu setzen , schoß ihm fast das Blut ins Gesicht ; doch schien er sich sogleich zu fassen , als Dankmar , alle weitern Erörterungen mit dem widerwärtigen , ewig nergelnden Hackert abschneidend , diesem den Zügel und die Peitsche aus den Händen riß , sich selbst auf den Bock setzte , Hackerten und den Tischler auf den Wagen verwies und mit den Worten : Ich fahre gern einmal selbst ! vorn Platz nahm und selbst das Rößlein des Pelikanwirthes nun zu rascherm lustigen Trabe anfeuerte . Neuntes Capitel Die Visitenkarte des Tischlers Der Wald war zurückgelegt . Zu dem Städtchen Dassel hinab ging es im raschen Trabe . Einige Regentropfen fielen schon , ohne jedoch sehr zu belästigen . Dankmar , wie er so dahin jagte über die staubige Straße , schüttelte über sich selbst den Kopf . Er suchte einen Schatz , der ihn , wie er vielleicht scherzte , zum Millionair machen sollte , und um ihn zu finden , fuhrwerkte er eben eigenhändig einen Handwerksburschen und einen elenden abgedankten Schreiber ! Es ging ihm wirklich unwirsch und ärgerlich im Kopfe hin und her . Auch der Umstand , daß er das Gespräch mit dem geheimnißvollen und ihm jetzt wieder zweideutig gewordenen Fremden gerade da abgebrochen hatte , als er - ohne das vernünftige granum salis hinzugefügt zu haben - sämmtliche deutsche Fürsten wie alten Sauerteig ausfegen wollte , drückte ihn .... Es ist so lästig , in extremen Behauptungen ohne Vermittelung dazustehen . Wir Alle leiden ja überhaupt mehr darunter , daß man uns nicht ausreden läßt , als darunter , daß man uns absichtlich misversteht . Man glaubt uns so oft zu verstehen und Das eben erscheint uns so gefährlich ! Man unterbrach uns nur oder das Schicksal unterbricht uns in Augenblicken , die uns gerade die wichtigsten waren . Der Tod , welche schreckliche Unterbrechung für einen Menschen , der sich noch aussprechen , seine Gefühle rechtfertigen , seine Gedanken erläutern möchte ! Und doch ist der Tod noch der geduldigste unserer Zuhörer . Selten , daß er uns mitten in einer Periode einer Auseinandersetzung für unser ganzes Leben überrascht . Die ungeduldigsten und quälendsten Störer sind aber gerade die , die uns immer vortrefflich verstanden haben wollen und gleich in die Rede fallen . Sie verlassen uns wie in schönster Übereinstimmung und wir bleiben mit dem Gefühle stehen : Der geht doch mit einer Voraussetzung von uns fort , die nicht zutrifft ! Es sind doch nicht meine Gedanken , die er da als die meinen mit fortnimmt ! Himmel , er wird sie verbreiten , er wird mich nach ihnen beurtheilt machen , er hat mich nicht ausreden lassen und macht mich unglücklich . So lagen auch offene Gewaltthätigkeiten Dankmar ' s politischen Meinungen ganz fern . Er wollte immer nur das Nothwendige und Vernunftgemäße und hier fühlte er nun , daß er doch weit mehr noch hätte sagen müssen , um ganz verstanden zu sein . Diesem drückenden Gefühle half etwas die Ankunft in Dassel ab . Es zerstreute doch , durch eine kleine gewerbfleißige Stadt zu fahren , und wenn auch nur im Vorüberfluge hier und da von einem freundlichen Gesichte begrüßt zu werden . Hinter Dassel belustigte Dankmarn , der sich eine Cigarre angezündet hatte und um zu gleicher Zeit fahren und rauchen zu können , schweigen mußte , ein Gespräch , das Hackert mit dem Fremden anfing . Hackert hielt diesen für Das , was er gleich anfangs vermuthet hatte , einen Spion , redete ihn aber für Das , für was er sich ausgab , an und sagte ganz dreist : Tischlergesell bist du ? Tischlergesell - wiederholte nach einigem Zögern der Fremde . Wo bist du her ? Hier aus dem Hohenbergischen . Wo standest du zuletzt in Condition ? In Paris . Donnerwetter , Das ist weit . Von da kommst du direct und verlegst dich nicht aufs Fechten ? Hast wol in Paris geschafft ? Ich seh ' es . Deine Mütze ist bei Noack in der Fischerstraße ganz neu gekauft und deine Blouse , glaub ' ich , hab ' ich schon ' mal auf dem Maskenball im Opernhause gesehen . Diese Wendung frappirte den Fremden . Dankmar lachte in sich hinein : Siehst du ! dachte er ; du kommst da an den Rechten . Tischler ist kein übles Handwerk , fuhr Hackert behaglich fort . Aber immer Wiegen zu machen , wäre mir zu läppisch , und immer Särge , zu schwermüthig . Wobei hast du denn am meisten den Hobel angesetzt ? Ich bin ein Kunsttischler , mehr zum