mich heftig in Otbert verliebte . Er beschäftigte so sehr meine Phantasie , er schmolz in ihre Silberwogen die Bilder seines Wesens so anmuthig ein , er funkelte und gaukelte in so poetischem Licht um Sinne und Seele - daß ich langsam und leise von unbestimmten Mächten fortgezogen wie in ein Glutmeer von aufgelöstem Purpur , Gold und Rosen hinein schwamm . Ich vergaß meine gewohnten Zweifel , Fragen und Grübeleien . Sie sanken gleichsam in ein verborgenes Fach , in einen tiefen Abgrund meiner Seele hinein , während ich wähnte , daß sie sich in Nichts aufgelöst hätten . Ich vergaß den dunkeln Strom , der sein Bett an das Ufer meiner Existenz drängte und es zu untergraben suchte ; ich saß an dessen Abhang unter Blumen , Lauben und Kränzen und träumte von einem unvergänglichen Frühling . Dieser Mann , so flatterhaft , wankelmüthig und unstät in seinen Neigungen , hatte sich seit Jahren mit dem Herzen an mich gefesselt gefühlt , und keine Trennung , keine Hofnungslosigkeit , keine Entmuthigung , keine Lockung zu andrem Glück , hatte ihn von mir abgelöst : das war Treue ! - und aus dieser Treue hatte er zugleich süße Befriedigung und heimlich erkräftigende Zuversicht geschöpft : das war Liebe . Wie Jemand der sich körperlich überarbeitet hat und dem ein Wolthäter die Werkzeuge aus der müden Hand nimmt - oder wie Jemand der sich bei der Lösung eines Problems bis zum Schwindel angestrengt hat und endlich durch Intuition das Wort findet - so war mir zu Muth , so ruhte ich in süßer , auflösender Befriedigung , die als Reaction der unfruchtbaren und heftigen Anspannung über mich kam . - Nie hat mir ein Mensch besser gefallen als Otbert ! ging er durchs Zimmer , so sah es gut aus ; sagte er Ja oder Nein , so klang es gut . Mit seiner Meinung oder seiner Richtung war ich keinesweges immer einverstanden ; aber ich betrachtete es als einen Beweis , daß zwei Menschen in einer höheren Sphäre als in der des Verstandes sich harmonisch zusammenfinden konnten . Er war ein fascinirender Mensch wenn er es sein wollte ; man hatte jeden Augenblick Lust ihn zu tadeln oder Veranlassung zu Mißbilligung ; allein man brachte es nie dahin . Eine oberflächliche Ansicht , welche meint der Mensch sei derselbe heute wie vor zehn und wie nach zehn Jahren , dürfte in Erstaunen gerathen daß ich nicht früher Otberts Zauber verfallen sei . Ich kann darauf nur entgegnen : früher war der Augenblick nicht für mich gekommen . Das unbegreifliche und meistens unselige Wechselspiel unsers innerlichsten Lebens , hängt wie der Klang der Aeolsharfe von unberechenbaren und unbekannten Gewalten ab . Dieser Luftzug - sie tönt ! jener - sie schweigt ! und noch einer - sie braust ! Durch welche innere Umbildungen und Umwandlungen ein Mensch geht , den man doch vor fünf oder zehn oder zwanzig Jahren in derselben Lage und Hauptrichtung gekannt hat : das freilich weiß nur er und Gott allein ! Wären sie nicht - wie käme es denn daß die Menschen mit Freudenflaggen ins Lebensmeer hinaus segelnd nach kurzer Frist unter Trauerflagge heimkehrten ? Und der Eine hält doch das ersehnte und errungene Weib in den Armen - aber an einem erkalteten Herzen ! Und der Andre trägt noch seine stolze Krone - aber über einer geknickten Seele ! Und der Dritte hat noch all sein Gold und all seine Schätze - aber sie sind ihm ohne Werth ! Und der Vierte lächelt noch immer - aber aus Hohn ! Und der Fünfte hält noch immer so hoch und herrscherisch sein Haupt - aber heimlich verachtet er sich selbst ! - - - Du der mich liesest , sprich , ist es nicht so ? - - Einst kam etwas zur Sprache was ich nie geahnt . » Ich bin nicht reich , Sibylle , « sagte Otbert , bei ich weiß nicht welcher Veranlassung . » Nicht reich ? « wiederholte ich sehr erstaunt . » Warum erschreckt Sie das ? « » Es erschreckt mich gar nicht .... es überrascht mich nur ! denn wenn Sie es nicht sind , wie kommen Sie alsdann zu Ihren Nabobs-Allüren ? « » Theils durch Gewohnheit keinen Werth auf Reichthum zu legen - was zur Folge hat daß die Leute mich für einen Millionär halten und mir Geld geben so viel ich verlange ; theils spiele ich zuweilen sehr glücklich . « » Ich habe oft gehört daß das Spiel die Menschen arm - nie daß es sie reich gemacht habe .... außer - Spieler von Profession . « » Ich verachte ein wenig jede Sorte von Profession , weil sie den Menschen kriechend vor seinen Kunden macht . Aber zuweilen , Sibylle , bin ich in high spirit , glückerwartend , glücksgewiß : dann wag ' ich enorm auf einen Satz , und der gelingt mir alsdann immer . Ich hab ' auch mitunter Anwandlungen von Aberglauben , von Zeichendeuterei . Ich sage mir : Gelingt dir dieser Wurf , so ist das Glück dir hold und dir werden noch ganz andre Dinge gelingen . In solchen Stimmungen spiel ' ich auch immer glücklich . « » Und wenn Sie in low spirit sind - wie dann ? « » Dann suche ich überhaupt gar nicht zu spielen - wie ich im Allgemeinen zu nichts Gutem fähig bin , wenn ich mich matt und grundlos herabgestimmt fühle . « » Stellen Sie Glück haben und zum Guten aufgelegt sein in eine Linie ? « fragte ich lächelnd . » Zuweilen .... warum nicht ? Jedem Augenblick gewachsen und für ihn tüchtig sein ist - gut sein . Spiele ich , so will ich Glück haben , setze ich meinen Willen durch , so bin ich tüchtig « .... - » Ja , sobald Ihre eigne Kraft , Geschicklichkeit und Ausdauer Ihren Willen unterstützt und geregelt haben ! « unterbrach ich ihn . » O