. Von Dir , Röschen , verlange ich das vor Andern . Du bist klug und alt genug , um mich zu verstehen . Der Instinct , welchen die Natur Deinem Geschlecht in so reichem Maße verliehen hat , sagt Dir schon von selbst , was am meisten dazu dienen kann , Dich mir gefällig zu machen . Ohne Dir einen Wink zu geben , bist Du von selbst darauf gefallen , diese unschönen Kleider mit zarteren , geschmackvolleren Hüllen vertauschen zu wollen . Sieh , mein Kind , das nenne ich natürliches Talent , Anlage , meine Gedanken zu errathen . Mit dem Kleide wirst Du unmerklich auch Deine Wünsche , Deine Erwartungen , Deine Gefühle wechseln . Glaube mir , es ist gar nicht gleichgiltig , wie man sich kleidet ! Der rohe Stoff , die grobe , unschöne Tracht drückt mit lähmender Gewalt unsere geistigen Anlagen nieder und stumpft alles feinere Gefühl ab , während die leichte , schimmernde , weiche Hülle , die sich sanft den Formen anschmiegt , unsern Gedanken Schwung und Kraft , unsern Empfindungen dauernden Reiz , unserm Willen erhöhte Festigkeit und einen schönen vornehmen Stolz verleiht . - Vermöchte es der Bettler über sich , die Lumpen , die seine Blöße decken , von sich zu werfen und der Unreinlichkeit zu entsagen , an die ihn sein faules Leben gewöhnt hat , wahrlich , er würde sich alsbald seiner selbst schämen und in Kurzem ein anderer , ein besserer Mensch werden ! Und so hoffe ich , soll der Geist der Anmuth , der feineren Sitten , der größeren Lebensgewandtheit auch in Deinem schuldlosen Busen mit dem Kleidertausche , den Du wünschest , einziehen . Dafür mußt Du mir jedoch einen Gefallen thun . « Röschens Bezauberung , die mit ihrer Ankunft auf dem Edelhofe begonnen hatte und in welcher sie wie in einer Welt wunderbarer Träume seitdem lebte , ward immer gewaltiger . Sie fühlte sich von den lockenden Tönen , die von des Grafen Lippe fielen und um ihre Schläfen schmeichelten , wie von einer reizenden Musik berauscht , und ohne zu ahnen , was man eigentlich mit ihr vorhabe oder von ihr wolle , gab sie jetzt durch billigendes Kopfnicken zu erkennen , daß sie die Meinung ihres klugen Gebieters zu theilen bereit sei . » Recht gut ! « fuhr der Graf fort , » wir müssen uns nur auch über das Was und Wie verständigen . Zuvörderst wirst Du also hier bleiben und Dich nach Art der Vornehmen kleiden . « » O ich werde ganz närrisch werden vor Freude , wenn ich in schönen langen Kleidern , blitzende Steine im Haar und an den Füßen Sammetschuhe mit hohen rothen Stelzchen vor den hohen großen Spiegeln auf-und niedergehe , « sagte Haideröschen und lachte dabei munter und seelenvergnügt , wie ein Kind . » Dann wirst Du mich auch lieb haben , nicht wahr ? « » Ich werde Ew . Gnaden immerdar als meinen Herrn und Gebieter verehren . « » Nicht doch , Haideröschen ! Liebe ist mehr als Verehrung , und es ist mein Wille und mein Befehl , daß Du mich lieben sollst ! « In Röschens Augen erlosch jetzt der Freudenglanz , der sie während der einschmeichelnden Rede des Grafen belebt hatte . » Lieben ? « wiederholte sie mit einem leichten Seufzer . » Gnädigster Herr , die Liebe können sie nicht befehlen . Sie ist nicht auf Erden , sie fliegt durch die Himmel und spielt über den Herzen der Menschen , wie Schmetterlinge über den duftenden Blumen der Haide ! Sie ist ein Gnadengeschenk des Himmels , dem Geringen so oft , so reieh , so beglückend zugetheilt , wie dem Vornehmen ! - Nein , gnädigster Herr Graf . Sie können Alles mit Ihrem Willen erreichen , nur nicht , daß eines armen leibeigenen Mädchens schüchternes Herz Sie liebe ! « Magnus ward von dieser unerwarteten Antwort des aufgeweckten Naturkindes sehr wenig erbaut . Doch hielt er noch an sich und fragte anscheinend verwundert : » Du willst mich also nicht lieben ? « » Ich will , gnädigster Herr , aber ich kann nicht ! « versetzte Haideröschen . » Ich liebe den Gesang der Lerche über dem blühenden Buchwaizen , ich liebe den Hänfling , der im Laube unseres Gärtchens sein Nest baut , ich liebe das Schwärmen und Flattern der Schmetterlinge um die nickenden Blumenhäupter , ach ich liebe die feierliche Stille und den brausenden Sturm meiner heimathlichen Haide , ohne es zu wollen , ohne mich zu zwingen ! Gott will es so und legte die Kraft dazu in mein Herz , aber er hat mir nicht gesagt , daß ich auch Sie lieben soll . Vor dem gnädigen Herrn beuge ich nur in Demuth und Ehrfurcht mein niedriges Haupt . « » Wenn Du bei diesen Gesinnungen verharrst , wirst Du mich erzürnen , Röschen , und mich zwingen , Dich härter zu behandeln , als ich will . « » Der gnädigste Herr Graf haben über mich zu gebieten , « sagte die Wendin still ergeben . » So thue , was ich will ! « rief Magnus heftig und stand auf , das zarte , reizende Kind der Haide mit hartem Druck von sich stoßend . » Ich thue , was ich kann , « versetzte Haideröschen bescheiden und unterwürfig . » Du bist mir unterthan , Du mußt meinen Befehlen gehorchen ! « » Befehlen , Ew . Gnaden , was Sie dürfen , und ich werde ohne Murren Gehorsam leisten . « » Dürfen ! - Hast Du mir Vorschriften zu machen ? Ich darf , was ich will . Du bist meine Leibeigene . « » Nun ja , « sagte Haideröschen , » ich bin Ihre oder Ihres gnädigen Herrn Vaters Leibeigene . Bedienen sich der Herr Graf meines Körpers ; aber über mein Herz zu verfügen , wollen Sie unterlassen . « Diese rührende Antwort hätte