Gebärde außerordentlich auffiel . Ich wollte endlich nach Rom zurückkehren , und siehe da , meine Geldbörse war mir irgendwo entwendet worden , oder ich hatte sie im Gebirge verloren . Der Wirt des Hauses , der mich nicht kannte , weil ich es liebe , ohne Titel und Würden auf meinen Zügen zu leben , fing in seiner Weise ein lautes Gezänk an , sprach von Landstreichern und Betrügern , und benutzte mein Phlegma , sich immer eifriger in seinen Komödienzorn hineinzuarbeiten . Plötzlich flog der Mann in einen Winkel seiner Stube , und ich begriff nicht , welche Gewalt ihn dahin gezaubert hatte , als ich in selbem Augenblick meinen Unbekannten vor mir stehen sah . Lump ! rief er jenem zu , der sich am Boden krümmte ; so einen Edelmann zu behandeln ! Siehst du nicht , wen du vor dir hast ? - Der bleiche Mensch empfing zitternd aus der Hand des Starken seine Bezahlung , und ein übriges , um ihm den Schreck zu vergüten . Als ich dem Fremden meinen Namen zugleich mit meinem höflichen Dank sagen wollte , rief er : Unnötig , laßt uns noch eine Weile , so namenlose Bekannte und Wandersleute bleiben . Erlaubt mir , ebenfalls für Euch ein simpler Reisender zu sein . - So streiften wir noch einige Tage umher , und als wir ankamen , sah ich , daß er ein Haus nicht weit von der Porta Capena besitzt , wo er nach seinem Eigensinn , fast ohne Bedienung lebt . Seitdem haben wir uns öfter dort im Felde wiedergesehn . Ich habe ihm viel von Euch erzählt , und er wünscht lebhaft , daß ich ihn bei Euch einführen möge . Aber er ist eine Art von Menschenfeind , besonders hat er , so scheint es , einen Haß auf die große Welt . Als er erfuhr , daß Euch der übermütige Farnese nicht selten besucht , gereute ihn schon sein ausgesprochener Wunsch , doch bittet er durch mich , wenn Ihr einmal allein seid , ihm zu erlauben , Euch zu sehen , und wenn ich nicht irre , seid ihr morgen abend ohne Gesellschaft . Darf ich den barschen Mann dann bringen ? « » Gern « , sagte Vittoria , » nur hütet Euch , Bester , daß ihr keinen von den berühmten Banditen in unsre Haushaltung führt die uns nachher wohl gar ausrauben und ermorden . « Caporale lachte laut und erwiderte : » Nein , schöne Freundin den Anschein hat er durchaus nicht : er eröffnete mir endlich , er sei ein wohlhabender Kaufmann aus der Lombardei , und habe sich von dort entfernt , weil die Pest , wie wir alle wissen , in Oberitalien auf eine furchtbare Art wütet . « » Du vergissest , Vittoria « , sagte die Mutter , » daß morgen der Celio Malespina hier sein wird , und Euer junger Freund Don Cesare , der redselige Boccalini . « » Die beiden werden ihn wohl nicht stören , oder ihm im Wege sein « , sagte Caporale : » doch will ich es ihm ankündigen , damit er kommen oder wegbleiben kann . Ihr seid aber auch von der Güte , alle andern Fremden zurückzuweisen . « So geschah es . Die Familie war am andern Abend versammelt , und der junge Boccalini , ein großer Verehrer des Dichters Caporale hatte sich zuerst eingefunden . Bald darauf erschien Malespina , der in Florenz bei dem Herzoge Francesco , welcher erst vor einigen Jahren die Regierung angetreten hatte , seit einigen Monden die Stelle eines Sekretärs bekleidete . Er war jung und wohlberedt und sein neuer Eintritt in die große Welt , wo er plötzlich blendende und mächtige Verhältnisse aus seiner Nähe in einem andern Lichte sah , schien ihn sehr glücklich zu machen . Er spottete mutwillig über viele Gegenstände , die ihm vor einem Jahr vielleicht ein ehrfurchtvolles Schweigen aufgelegt hätten . Er kannte außerdem die Literatur , und viele Gelehrte persönlich . - Jetzt trat Caporale mit seinem neuen Freunde ein . Dieser begrüßte sie alle höflich , mit den feinen Manieren eines Weltmanns sagte dann schmeichelnd , wie er seit lange gewünscht , die berühmte Accorombona näher und persönlich kennenzulernen , deren Ruhm durch ganz Italien verbreitet sei : er fühle sich überrascht , daß der Ruf der Schönheit von einem so zauberreichen Wesen noch zu wenig gesagt habe . Auch der Mutter war er verbindlich und vergaß oder übersah auch Peretti nicht , sowie die beiden Fremden , so daß er sich durch sein sicheres Wesen , und seinen gebildeten Ton , der ihn als einen Mann von tiefer Erfahrung und mannigfaltigen Schicksalen ankündigte , mit allen Gegenwärtigen sogleich in ein gutes Verhältnis setzte . Celio Malespina erzählte von Florenz , Boccalini spöttelte über einige römische Gelehrte und berühmte Staatsmänner , Caporale suchte die zu scharfen Urteile zu mildern und Virginia war so ausschließend mit der Betrachtung des Fremden beschäftigt , dessen Sonderbarkeit ihr auffiel und sie fesselte , daß sie fast nur mit einigen lachenden Antworten an dem Gespräch der übrigen teilnehmen konnte . Auch die Mutter beobachtete diesen und sie suchte emsig in ihren Erinnerungen umher , ob sie dem bedeutenden , großen und stark gebauten Mann , mit diesem feurigen gebietenden Auge , nicht schon früher in ihrem Leben begegnet sei . Peretti drückte eine gewisse Scheu und Furcht vor dem Fremden aus und war in seinen Äußerungen , wenn er an der Unterhaltung teilnahm , noch furchtsamer und blöder , als gewöhnlich . Malespina erzählte , daß jetzt einige unvollendete Gesänge des befreiten Jerusalems von Tasso nach Florenz gekommen seien , die den ganzen Hof in Entzücken versetzt hätten . » Es ist wohl gewiß « , fuhr er dann fort , » daß dieser junge Mann jetzt der größte Dichtergenius unsers Vaterlandes ist . Es erheben sich sogar hie und da einige Stimmen , die ihn schon über unsern großen Ariost erheben wollen