, wie ich mich besann und ihm zuschaute , das ist mir so lieb , - ich konnt nicht schlafen im Bett , es war mir zu wohl dort gestern , wo ich den Herzschlag der Natur fühlte , und wo sie mit ihren Blumen mich anflammte . Im Dunkel haucht man die Lieb aus und schämt sich nicht vor dem Schatz , weil ' s dunkel ist . - Nun bin ich mit Zagen hergeschlichen , heimlich , daß es nicht gewußt sei , wie auch jenes Leuchten nicht gewußt ist . - Erst greinte die Hoftür , aber heut abend will ich sie salben , wie der Properz , wenn er einen Liebesweg vor hat ; dann krachte die Gartentür , dann schurrte der Kies unter den Füßen . - Man scheut das Gebüsch zu wecken , so still ist alles mit Ruh gedeckt . Die verschlafnen Federnelkchen schuckern zusammen im frühen Tau , und mich schauert auch das stille Wirken der Natur , hier über der schlafenden Welt , obschon der Wind nicht so scharf ist , der den Tag heraufweht . Heut ist doch ganz milde , gestern abend war der Himmel grün und mischte sich mit dem Rot , das vom Untergang heraufzog , unten waren Purpurstreifen und Violett mit Feuer umsäumt , dann kam die Nacht herauf . - Heut früh schlagen die Morgenwolken ihre Feuerflügel um Euern schwarzen Dom , man denkt als , sie wollten ihn in der Glut verzehren ; dazu schmettern die Nachtigallen , und das blaue Gebirg drüben , so stolz und kühl ! - das alles freut mich besser als Weisheit , - hier unter dem Zitronenbaum , der gestern Flammen und heut Tränen über mich schüttelt . Und jetzt geh ich , Dir hab ich alles eingeprägt , das ist nicht ausgeplaudert , mich lockt ' s , damit es nicht vergessen sein soll , daß ich Dir ' s vertraut hab . Nr. 2. Am Abend Heut ist der Jud erst um sieben Uhr kommen . Mit der Großmama bin ich im besten Vernehmen , solang die Tante im Bad ist , bleib ich hier , es gefällt ihr , daß ich gern bei ihr bleib , ich hab aber noch so manch andres , was mich anzieht , wovon sie nichts weiß . Heut morgen kam ich dazu , wie der Bernhards-Gärtner mit einem Nelkenheber die dunkelroten Nelken in einen Kreis um einen Berg von weißen Lilien versetzte , in der Mitte stand ein Rosenbusch . Diese Früharbeit gefiel mir wohl und hab mit Andacht dabei geholfen , der Dienst der Natur , der ist wie Tempeldienst . Wenn der Knabe Jon vor die Tempelhalle tritt und die ziehenden Störche bedeutet , daß sie ihm die Zinne des Tempels nicht verunreinigen sollen , wenn er dann die Schwelle mit kühler Flut besprengt , die Halle fegt und schmückt , so fühl ich in diesem einsamen Tagwerk ein hohes Geschick , vor dem ich Ehrfurcht habe . Ach ich möcht ein Knab sein , Wasser holen in der Morgenfrische , wenn alles noch schläft , den Marmor polieren von den Säulen , meine Götterbilder still bedeutsam waschen und alles reinigen vom Staub , daß es leuchte im Dämmerlicht ; dann , nach der Arbeit die heiße Stirn auf die kühlen Stufen legen und ruhen , in heimlichem Genügen ; ruhen die Brust , die schwillt von Tränen , daß es so schön ist in der dämmrigen Stille im Tempel ; so scheint mir auch die heutige Arbeit ein Tempeldienst der Natur ; dann ihre Blumen in Kreisen schön verschlingen , ist das nicht ihr gedient ? - Die Blumen , die ihren Duft unter einander schwenken in so dichter Fülle , ist denen nicht ein schönerer Frühling bereitet ? - denn was uns schöner ist in der Natur , ist das nicht auch ihr selber schöner ? - Und ihre Bäume vom Moos reinigen , in nachbarliche Reihen pflanzen , ihre Blumenkelche füllen , ist das nicht ihrem Willen sich hingeben ? - Läßt sie die Sorge nicht gedeihen , und gibt der Früchte vom gepfropften Reis mehr und schöner und süßer dafür ? - Tempel und Natur , friedliche Nachbarn , Freunde ! wie ich und Du , teilen ihre Gaben wie ich und Du . - Vom Frühling bis zum Winter - ( da hast Du mein Gelübde ) teil ich mit Dir , wie mit dem Tempel der Naturgarten , der ihn umzieht - im Frühling hast Du meine Keime , die alle dicht um Dich her aufwachen . Im Sommer wilder Vögelgesang , der anschlägt in einsamer Nacht an Deinen verschloßnen Pforten , und dann in der Ferne auch , wenn die Pilger heimziehen , die am Tag Deinen Göttern huldigten , da glühen die Blumen , am Weg von mir zu Dir . - Im Herbst da roll ich meine Früchte zu Dir hin , leg sie auf Deinen Altar , und den Honig meiner Bienen , die Dich umsummen , bewahr ich in Deinen Opferschalen . Dann rausch ich die falben Blätter herab auf Deine Stufen , die umtanzen Dich im Winterwind , begraben sich unterm Schnee , den meine belasteten Äste auf Dich niederstürzen , dann braust es draußen und stürmt , aber meine Seele wohnt in Dir und pflegt Dich , gibt der Lampe reines Öl zu , die Deine stille Halle erleuchtet , und die Sterne vom hohen Firmament herab leuchten über Deiner Zinne . Still ist ' s dann und verlassen von allen Menschen sind wir , die gebahnten Wege verschneit , allein in Dir zu wohnen , wenn wir des Lebens Grenzen mit einander ermessen haben . - Wie die Natur eingeht zum Tempel im Winter und ruht da im Gottfühlen aus , das nennen die Menschen Winterschlaf , dann kehrt sie wieder mit neuer Blütekraft und taut und duftet den eingesognen Himmelsatem , und ewig ist der Tempel Gottes angehaucht von der Liebe der