, Verfassung und Satzung entsponnen ? Warum wird es zuweilen auf Einmal so still , so ängstlich , so nachdenklich in Prag ? Horch , da klirrt ein Fenster . Es wird doch kein katholischer Reichsrath herausgeworfen werden , wie zu der Hussiten Zeiten ! Nein , es ist eine schöne Pragerin , die ihre Blumentöpfe begießt . Schöne , schöne Pragerin , Du machst Deinem Lande , Deinem Volke Ehre ! Ein Volk , das so schöne Mädchen hat , kann und darf und wird nie untergehen . Es ist gar nicht möglich . Doch ehe wir in die Häuser und Stuben hineingehn und mit den Gesichtern Bündnisse und Verträge schließen , laß uns noch einmal die Stadt anschaun , liebe Heilige ! Komm , komm , ich weiß , Du ziehst gern in der Welt herum . Nachdem ich Deine Bekenntnisse gelesen , ist meine Sehnsucht zu Dir noch stärker und inniger gewachsen . Ich habe Dich verstanden , und bin Deiner Seele an manchem Kreuzweg begegnet , an dem auch ich stand , und bald gebetet , bald geflucht habe . Du aber hast wie eine weibliche Seele gehandelt und geduldet , und bist dabei schön geblieben . Aus mir hat Gott einen Mann gemacht , und ich bin bei weitem ruchloser ins Zeug der Welt hineingefahren . Doch haben mich mitten in meiner Ruchlosigkeit gute und weit ins Leben blickende Gedanken überrascht . So geht es aber allen den strebenden Geistern der heutigen Zeit , sie lernen viel aus dem Fleisch der Welt . Und das Fleisch und die Welt werden für den Kundigen immer durchsichtiger , denn darin hat sich Gott offenbart . So sei mir denn noch einmal ganz aus tiefstem Herzen gegrüßt , Du weltliche Seele . Ich bin es , wie Du . Eine weltliche Seele , die oft an Gott denkt , und an die Geschichte . Warum bist Du nicht bei mir , und warum reisen wir nicht zusammen , da ich Dir verwandt und Du mir ? Ich habe mein Lebelang einen ungestillten Drang nach verwandten Seelen gehabt , weil ich mich immer so langweile in aller Gesellschaft . So komm denn , ich will denken , Du bist hier ! Ich denke gern an Dein weltliches Marienbild , o Maria , Madonna ! Komm , ich will Dir Prag zeigen , hier ist viel , worüber wir noch mit einander zu sprechen haben . In Prag ist viel Welt , viel Fleisch und Blut , viel Geschichte , und für Gott sind viele Kirchen , wenn auch nur alleinseeligmachende , gebaut . Von der Neustadt aus , in der ich mich eingemiethet habe , laß Dich durch den alterthümlichen Pulverthurm , dem wir nur im Vorbeigehn unsere Ehrfurcht beweisen , die stattliche Zeltnergasse entlang , und noch über manche Straße der Altstadt fort , zuerst bis zur Brücke von mir führen ! Deine Dresdener Brücke , über die Du nach der Messe oft spaziert bist , kann sich mit dieser , die den heiligen Nepomuk selber trägt , nicht vergleichen , und auch die Elbe nicht mit der inselreichen Moldau , welche hier zu beiden Seiten in breiter Strömung vor dem Auge hinwallt . Nun sieh Dich um , rechts und links , während wir schnell über die Brücke gehn , und diesmal , schau ! lüfte ich auch den Hut vor dem heiligen Nepomuk mit seinen Sternen , denn seitdem ich damals , mehr aus Liebe , als aus Grobheit , Deine Madonna nicht grüßte , habe ich schon etwas gelernt in katholischen Landen . Und nun sind wir auf der Kleinseite , der Wiege Prags , und oben vor Dir erblickst Du den erhabenen Hradschin , wo die Könige Böhmens thronten und jede Thurmspitze in eine graue Vorzeit hineinragt . Diesmal führe ich Dich jedoch weder in das Schloß , noch in die uralte Domkirche , noch in das Haus von Loretto , noch auf die Sternwarte Tycho Brahe ' s. Unser Weg ist weit und beschwerlich in der Hitze , aber Du bist gut zu Fuß , und so steigen wir , trotz der Mittagsglut der Sonne , hoch oben hinauf auf den Laurentiusberg , wo ich das ganze vielgethürmte Prag Dir zu Füßen legen will . Wir gehen immer die Mauer entlang , und gelangen endlich zu einem Höhepunct dieses felsigen Petrin , wo wir plötzlich tief unter uns Alles schöner , reicher , zauberhafter wiederfinden , als wir es verlassen hatten . Nämlich die Stadt in der malerischen Perspective aller ihrer Theile , ein wunderbares Lebensbild , das aus dem fernen Erdenthal die Augen zu uns emporschlägt , die Hände zu uns heraufstreckt . Hier oben haben wir den höchsten Standort , von dem wir den ganzen Umkreis bis weit hinaus über Böhmens Gränzen beherrschen , erreicht . Zu Häupten den Hochziehenden Wolkenhimmel mit blauem und weißem Geäder , und hinten an den Säumen des Horizonts die ferngelagerten Reihen der Gebirge , die wie Riesenadler mit lang ausgreifenden Fittigen in den Lüften verschweben . Aber werfen wir aus unserer Abgeschiedenheit die Blicke dahin , wo wir in seinen angewiesenen Gränzen menschliches Leben und Bewegen zurückgelassen haben . Ein wogendes , blitzendes Meer von Dächern , Thürmen , Kuppeln , Palästen breitet sich dort unten über den grünenden Kessel der Moldau in pittoresk hingeworfenen Gruppen aus , und dazwischen schlängelt sich theilend der helle Faden des Stroms , immer frohen Laufes , bald gekrümmt , bald eben vorwärts eilend , bald lautaufrauschend gegen seine Wehre , hindurch . Je länger Du hinblickst , je mehr tritt Harmonie in das reiche , mannigfaltige Gemälde , und die Haufen der Häuser theilen sich , und die Straßen ziehen schöne Linien der Ordnung durch die dichten Massen des Steins . Immer deutlicher , immer ausgearbeiteter , immer näher scheinen die Bilder , es ist Dir , als müßtest Du hineinschauen in die Häuser , und während eine große , feierliche Stille über dem ganzen Panorama ruht ,