zitterten unter dem Hufschlag ihrer Rosse ; auf den Fildern zeigten tiefe Spuren , wohin die schweren Feldschlangen , Falkonen und Bombarden , die Kugel- und Pulverwagen , der ganze furchtbare Apparat einer langen Belagerung gezogen war . Diese Fortschritte des Krieges hatte Georg von Sturmfeder nicht gesehen . Ein tiefer , aber süßer Schlummer hielt wie ein mächtiger Zauber seine Sinne viele Tage lang gefangen ; es war ihm in diesem Zustand wohl zumut wie einem Kinde , das an dem Busen seiner Mutter schläft , nur hin und wieder die Augen ein wenig öffnet , um in eine Welt zu blicken , die es noch nicht kennt , um sie dann wieder auf lange zu verschließen . Schöne beruhigende Träume aus besseren Tagen gaukelten um sein Lager , ein mildes , seliges Lächeln zog oft über sein bleiches Gesicht und tröstete die , welche mit banger Erwartung seiner pflegten . Wir wagen es , den Leser in die niedere Hütte zu führen , die ihn gastfreundlich aufgenommen hatte , und zwar am Morgen des neunten Tages , nachdem er verwundet wurde . Die Morgensonne dieses Tages brach sich in farbigen Strahlen an den runden Scheiben eines kleinen Fensters , und erhellte das größere Gemach eines dürftigen Bauernhauses . Das Geräte , womit es ausgestattet war , zeugte zwar von Armut , aber von Reinlichkeit und Sinn für Ordnung . Ein großer eichener Tisch stand in einer Ecke des Zimmers , auf zwei Seiten von einer hölzernen Bank umgeben . Ein geschnitzter , mit hellen Farben bemalter Schrein mochte den Sonntagsstaat der Bewohner , oder schöne selbstgesponnene Leinwand enthalten ; das dunkle Getäfer der Wände trug ringsum ein Brett , worauf blanke Kannen , Becher und Platten von Zinn , irdenes Geschirr mit sinnreichen Reimen bemalt , und allerlei musikalische Instrumente eines längst verflossenen Jahrhunderts , als Zimbeln , Schalmeien und eine Zither aufgestellt waren . Um den großen Kachelofen , der weit vorsprang , waren reinliche Linnen zum Trocknen aufgehängt , und sie verdeckten beinahe dem Auge eine große Bettstelle , mit Gardinen von großgeblümtem Gewebe , die im hintersten Teil der Stube aufgestellt war . An diesem Bette saß ein schönes , liebliches Kind , von etwa sechzehn bis siebzehn Jahren . Sie war in jene malerische Bauerntracht gekleidet , die sich teilweise bis auf unsere Tage in Schwaben erhalten hat . Ihr gelbes Haar war unbedeckt , und fiel in zwei langen , mit bunten Bändern durchflochtenen Zöpfen über den Rücken hinab . Die Sonne hatte ihr freundliches , rundes Gesichtchen etwas gebräunt , doch nicht so sehr , daß es das schöne jugendliche Rot auf der Wange verdunkelt hätte ; ein munteres , blaues Auge blickte unter den langen Wimpern hervor . Weiße faltenreiche Ärmel bedeckten bis an die Hand den schönen Arm , ein rotes Mieder mit silbernen Ketten geschnürt , mit blendend weißen , zierlich genähten Linnen umgeben , schloß eng um den Leib ; ein kurzes , schwarzes Röckchen fiel kaum bis über die Knie herunter ; diese schmucken Sachen und dazu noch eine blanke Schürze und schneeweiße Zwickelstrümpfe mit schönen Kniebändern , wollten beinahe zu stattlich aussehen zu dem dürftigen Gemach , besonders da es Werktag war . Die Kleine spann emsig feine , glänzende Fäden aus ihrer Kunkel , zuweilen lüftete sie die Gardinen des Bettes und warf einen verstohlenen Blick hinein . Doch schnell , als wäre sie auf bösen Wegen erfunden worden , schlug sie die Vorhänge wieder zu und strich die Falten glatt , als sollte niemand merken , daß sie gelauscht habe . Die Türe ging auf , und eine runde , ältliche Frau in derselben Tracht wie das Mädchen , aber ärmlicher gekleidet , trat ein . Sie trug eine dampfende Schüssel Suppe zum Frühstück auf und stellte Teller auf dem Tische zurecht . Indem fiel ihr Blick auf das schöne Kind am Bette , sie staunte sie an und wenig hätte gefehlt , so ließ sie den Krug mit gutem Apfelwein fallen , den sie eben in der Hand hielt . » Was fällt der aber um Gottes willa ei ' , Bärbele « , sagte sie , indem sie den Krug niedersetzte und zu dem Mädchen trat , » was fällt der ei ' , daß de am Wertich da nuia rauta Rock zum Spinna anziehst ? und au ' s nui Mieder hot se an , und , ei daß di ! - au a silberne Kette . Und en frischa Schurz und Strümpf no so mir nix dir nix aus em Kasta reißa ? Wer wird denn en solcha Hochmuat treiba , du dumms Ding , du ? Woißt du net , däß mer arme Leut sind ? und daß du es Kind voma ouglückliche Mann bist ? - « A1 Die Tochter hatte geduldig die ereiferte Frau ausreden lassen ; sie schlug zwar die Augen nieder , aber ein schelmisches Lächeln , das über ihr Gesicht flog , zeigte , daß die Strafpredigt nicht sehr tief gehe . » Ei , so lasset uich doch b ' richta « , antwortete sie , » was schadet ' s denn dem Rock , wenn i ihn au amol amma christliche Wertag ahan ? an der silberna Kette wird au nix verderbt , und da Schurz kann i jo wieder wäscha ! « A2 » So ? als wemma et immer gnuag z ' wäscha und z ' putza hätt ? So sag mer no , was ist denn in de gfahra , daß de so strählst und schöa machst ? « A3 » Ah was ! « flüsterte das errötende Schwabenkind , » wisset Er denn net , daß heut der acht ' Tag ist ? hot et der Ätti g ' sait , der Junker werd ' am heutiga Morga verwacha , wenn sei Tränkle guete Wirking häb ? und do hanne eba denkt - « A4 » Ist ' s um dui Zeit ? « entgegnete die Hausfrau freundlicher