Beförderung , die Reichthum erkauft : - seine Gesundheit , durch die angestrengte Arbeit in dem Zahlamt geschwächt , war seinem jetzt freiwilligen Streben nicht mehr gewachsen , aber unempfindlich gegen die Gefahr , verfolgte er seinen anlockenden Weg , er verwarf die Warnung der Freundschaft , die ihm die traurigen Folgen voraussagte , und eines Morgens ward er todt an seinem Schreibtisch gefunden . Ein Aufsatz , durch welchen er sich die Bahn literarischen Ruhms , bürgerlichen Glücks zu öffnen gehofft hatte , lag soeben vollendet vor ihm auf dem Tisch . - Miß Mortimer und ihre Freundin weinten zusammen , meine Mutter fand bald durch meine Geburt einen Gegenstand der Liebe , welcher die Leere , die ihres Bruders Tod in ihrem Herzen gelassen hatte , ausfüllte . Miß Mortimer erhob ihren Blick in eine beßre Welt ; sie suchte hier auf Erden nie wieder ihr Glück . Maitland , durch feste Grundsätze gesichert , brachte seine Zeit , einzig mit dem Zweck seines Aufenthalts beschäftigt , unangefochten von den Thorheiten seiner Gefährten , in Oxford zu . Nachmals besuchte er , um seine Handelskenntnisse zu vervollkommnen , die größten Handelsplätze des festen Landes , machte die persönliche Bekanntschaft der gebildetsten Männer daselbst und umfaßte in seinem Bestreben alle Zweige der Wissenschaft , welche zu dem Handelsverkehr der Völker benutzt werden können . Im fünf und zwanzigsten Jahre kam er zurück , um einen Hauptantheil an einem der größten Handelshäuser in Großbritannien zu nehmen ; ehe er dreißig Jahre erreicht hatte , verhalf ihm der Tod seines Oheims zu einer ehrenwerthen Unabhängigkeit , und seine Handelsgeschäfte versprachen ihm ein Vermögen , das jeden Traum von Reichthum überstieg . Aber Reichthum war nicht Maitlands Leidenschaft , der geringste Theil seines Einkommens genügte einem Mann von so einfachem Geschmack , der sich an Mäßigkeit gewöhnt hatte und seine Freuden in der Häuslichkeit suchte . Der größte Theil desselben verlief sich in vielfachen Canälen , gleich unsichtbaren Quellen , deren Daseyn sich nur durch das üppigere Grün des Bodens verräth . Wie er der Negerhandel anzugreifen beschloß , ward er einzig von der Ueberzeugung der Wahrheit und des Rechts angetrieben . Da er selbst große Besitzungen in Westindien hatte , würde ihn Eigennutz zu den Gegnern dieser Unglücklichen gezogen haben . Bei seinem wissenschaftlichen Nachdenken über menschliche und Staaten-Verhältnisse hatte er diesen Menschenhandel als das schmuzigste Schandmaal des Culturzustandes , als den schnödesten Spott des Eigennutzes gegen die Grundwahrheiten des Christenthums erkannt . Wie seine Bemühungen , dem Elend einer ganzen Classe seiner Mitbrüder im Allgemeinen ein Ende zu machen , fehlschlug , begab er sich auf seine westindischen Besitzungen , um den Zustand der geringen Zahl , die er selbst besaß , zu verbessern und sich die Kenntnisse über ihre Verhältnisse zu verschaffen , die ihm , bei erneutem Kampf für ihre Rechte , Waffen in die Hand geben konnten . So war Maitland . Gern weilte ich bei seinem Bilde ; vielleicht nicht ganz ohne weibliche Eitelkeit , gewiß mit schmerzlicher Erinnerung , daß ich einst fähig seyn konnte , das Herz dieses edelsten Mannes zum Spielwerk meines Uebermuths machen zu wollen , und mit noch mehr Schmerz , daß dieser Uebermuth mich seiner Achtung beraubt hatte . Obschon ich ihm auf seinen obenerwähnten Brief antwortete , zeigte er kein Verlangen , den Briefwechsel fortzusetzen , erwähnte meiner gegen Miß Mortimer nur als einer gemeinschaftlichen Freundin und sprach von seiner Rückkehr nach England als von einem noch manches Jahr hinausgeschobnen Entschluß . Die Erfahrungen , welche meine Thorheiten mich so schnell ärnten ließen , hatten mich so weise gemacht , daß ich meine Pflicht fühlte , Herrn Sidneys Heirathsantrag , da ich ihn nicht annehmen wollte , bald und unumwunden zurückzuweisen , so daß kein Zweifel über seine Zukunft ihm blieb . Ohne einigen Streit in meinem Innern ging es nicht ab . Herr Sidney bot sich mir als ein angenehmer Gesellschafter dar , an dem meine Einsamkeit keinen Ueberfluß besaß . Die Gewohnheit , einen Mann um mich zu haben , den - wohl nicht mehr meine Laune , aber doch meine Wünsche regierten , ward mir schwer . Doch ich fing an , Pflichterfüllung zur ersten Bedingung meines Friedens zu machen , und stand also nicht an , dem wackern Mann meinen Entschluß , jetzt noch nicht zu heirathen , zu erklären . Sidney war ein Mann von gesundem Verstand und festem Sinn ; nach einigem Kampf mit seiner Einsicht und seiner Redlichkeit ward er , da ich ihn ernstlich überzeugte , daß er mir nicht mehr seyn könnte , mein Freund , solchergestalt , daß unser Verkehr durch die Beseitigung seiner Ansprüche nicht einmal eine Veränderung erlitt . Das Gegentheil in Herrn Sidneys Betragen wäre mir doppelt empfindlich gewesen , weil seine ärztlichen Besuche je mehr und mehr durch Miß Mortimers zunehmende Leiden zur Nothwendigkeit wurden . Der Zufall führte mich darauf , ihm einst , in Betreff eines Linderungsmittels , welches er ihr verschrieb , einige die Scheidekunst betreffende Fragen vorzulegen . Er gab mir einen Aufschluß , der meine Wißbegierde reizte ; in einem gleichförmig einsamen Leben ergreift man gern jedes Mittel , die Interessen zu vermehren , ohne die Gewohnheit zu stören ; und so kam es , daß ich sein Anerbieten , mir etwas Chemie zu lehren , freudig annahm . Miß Mortimer hörte ihm mit Antheil zu , wenn er neben ihrem Krankenstuhl mir die Geheimnisse der Verwandlung der Substanzen , so weit der Mensch sie der Natur abgelauscht hat , erklärte , und lächelte freundlich , wenn ich von meinen kleinen Versuchen mit verbrannten Fingern oder gefärbten Nägeln zurückkam . Mein Lehrmeister konnte mir sehr wenig Zeit widmen , er wies mich mehr an , allein nach Fortschritten zu streben , und so gering deren endlicher Erfolg war , lehrte mich dieses Bestreden doch zum ersten Mal , daß der Erwerb von Kenntnissen noch andern Genuß gewähren kann , als den , damit vor Andern zu glänzen . Mein äußres