Gabrielens Begleitung , auszuführen ; er hoffte viel Erfreuliches für ihre völlige Herstellung , nicht sowohl von den Heilquellen , als von den Zerstreuungen , welche stets im Gefolge einer solchen Reise sind . Es war durchaus nothwendig , die Erlaubniß des Baron Aarheim zu dieser Reise seiner Tochter einzuholen , und Frau von Willnangen übernahm es sehr gern , ihn schriftlich darum zu ersuchen . Seine Einwilligung erfolgte sogleich und in den verbindlichsten Ausdrücken ; nur war die einzige Bedingung beigefügt , daß Gabriele jede Stunde bereit seyn müsse , zu ihrem Vater zu eilen , sobald er ihre Gegenwart verlange . Nicht ohne Schrecken hatte der Baron die Nachricht vernommen , daß Gabriele mit der Tante nicht hatte nach Italien reisen können , denn er fürchtete nun jeden Augenblick , sie in seinem alten Bergschlosse eintreffen zu sehen . Diese schickliche Gelegenheit , sie noch einige Zeit von sich entfernt zu halten , überhob ihn einstweilen jener Sorge , und ward deshalb freudig von ihm ergriffen . Dennoch war er jetzt sehr zufrieden , daß nicht die Alpen zwischen ihm und seiner Tochter als Scheidewand dastünden , weil er seit einigen Tagen dem Ziel seines Strebens ganz nahe zu seyn dachte , so daß er oft die völlige Entschleierung des großen Geheimnisses von der nächsten Sekunde erwartete . Seit er so ganz allein , fern von jeder äußern Störung , in Schloß Aarheims düstern Mauern hauste , hatte er sich mit rastloser Leidenschaft , ja bis zur Erschöpfung aller seiner Kräfte , jenen geheimnißvollen Arbeiten hingegeben . Kein freundliches , lebendes Wesen durfte ihm nahen , der Wechsel der Jahreszeiten ging unbemerkt an ihm vorüber , er wußte nicht , ob die Bäume grünten oder ob Schnee sie bedeckte ; er sah sogar nicht das Licht der Sonne , denn die schweigenden Nächte sagten seinem dunklen Treiben am besten zu . Deshalb schlief er , wenn alles wachte , und während jedes glückliche Geschöpf nach des Tages Last und Lust Ruhe sucht , begann sein ängstliches Wirken im dunkeln Kreise der finstern Mächte , die kein Sterblicher ungestraft ruft , wenn gleich vielleicht keiner je von ihnen Antwort erhielt . So verkehrte er die Ordnung der Zeiten . Dennoch verhehlte er sich nicht die bei dieser unnatürlichen Lebensweise für seine Gesundheit obwaltende Gefahr . Er wußte bestimmt , daß er auf keine lange Reihe von Jahren mehr rechnen dürfe , in denen er die Früchte seiner Arbeit zu genießen hoffen könne , aber er achtete dieses nicht , denn er strebte nach keinem dauernden Genuß . In nie gesehnem Glanz aus dem Dunkel seiner Ahnenburg hervortreten , sein uraltes Geschlecht aufs neue in seiner Tochter erstehen sehen , aufs neue für kommende Jahrhunderte der Stifter desselben werden , seine alten Feinde , knirschend vor Neid , in ohnmächtiger Wuth erbleichen sehen , und dann sich hinlegen und sterben ; das war es , was er vom Geschick zu erzwingen dachte ; und nur der Gedanke , daß irgend einer von denen , welche er haßte , vor dem Gelingen seines großen Werkes dieses Leben verlassen könne , machte ihn beben . Nicht weniger , als dieses rastlose Treiben , ängstigte ihn ein ewiges Ueberlegen , wie er sein Geheimniß auf das schnellste und vortheilhafteste benutzen könne , sobald es ihm gelungen wäre , es ganz zu entschleiern . Sollte er seine Tochter zur Erbin seines durch mühseliges , unablässiges Forschen und tausendfache Opfer erworbnen Wissens einsetzen ? sollte er sich daran genügen lassen , ihr noch bei seinem Leben unermeßliche Schätze zuzuwenden und sein Geheimniß mit sich in die Gruft seiner Ahnen hinabzunehmen ? Diese Zweifel erregten einen nie zu stillenden Zwiespalt in seinem Innern , der , zerstörender , als Wachen und Arbeit , ihn langsam verzehrte . Es war ihm unmöglich , einem weiblichen Wesen den Muth , die Klugheit , ja selbst die Verschwiegenheit zuzutrauen , welche unumgänglich dazu gehören , ein solches Geheimniß nicht nur zu verwalten , sondern auch zu verbergen . Die Gefahren , welche jedem drohen , den die Gewaltgen dieser Erde im Besitz solcher Kenntnisse wähnen , waren ihm nur zu bekannt , und das Geschick Böttchers , des unglücklichen Erfinders des sächsischen Porzellans , trat oft warnend vor seinen Geist . Alle diese Ueberlegungen machten ihn geneigt , sein Geheimniß mit sich sterben zu lassen ; dann aber ergriff ihn der Gedanke , wie groß es sey , die Erbin seines Namens , mit dieser mächtigsten aller irdischen Gewalten ausgerüstet , zurück zu lassen . Ihn schwindelte , ein neuer Kampf entstand in seinem Gemüth , und so konnte der unglückliche Greis nimmer zur Ruhe gelangen . Rastlos schwankte er ewig in banger Sorge von einem Entschlusse zum andern und verwachte die langen , endlosen Stunden des Tages auf seinem Lager , bis die Abendsonne die Zinnen seiner Burg röthete und ihn mahnte , aufzustehen , um sein nächtliches Tagewerk zu beginnen . Frau von Willnangen zögerte keinen Augenblick , die Erlaubniß des Barons zu benutzen und die Reise in das Bad anzutreten , denn der Sommer war indessen schon ziemlich weit vorgerückt , und da der Herbst dem rauheren Klima der Gebirge selten günstig ist , so hatte sie keine Zeit zu verlieren . Ernesto suchte und erhielt sehr leicht die Erlaubniß , sich der kleinen Karavane seiner Freundinnen anschließen zu dürfen , welche ihrerseits froh waren , ihn zum Beschützer auf der Reise zu haben . Nicht Furcht vor der , während der schönen Jahreszeit mit jedem Tag überhandnehmenden Oede der Stadt hatte ihn zu diesem Entschlusse bewogen , wie Auguste im fröhlichen Muthe ihm oft Schuld gab , sondern wahrhaft väterliche , treue Liebe für die verwaisete Tochter der Frau , deren Andenken ihm noch immer wie ein hell leuchtender Stern am fernen Horizont seiner längst hinter ihm zurück gebliebnen Jugend strahlte . Gabrielens Geschick und der Zustand ihres Gemüths waren dem treuen , beobachtenden Freunde nicht verborgen geblieben , obgleich ihm niemand darüber etwas anvertraut