man von allen Seiten ihr seinen Werth pries , weil Auguste ihn als ein Muster männlichen Verdienstes anerkannte , weil er sich dringend um sie bewarb , und - weil sie wirklich nichts gegen ihn einzuwenden vermochte . Vielleicht hat sie auch geglaubt , ihn zu lieben - ich weiß es nicht - genug , sie gab ihm freiwillig aus Ueberzeugung , aus Vernunft , aus tiefgegründeter Achtung ihre Hand , und hat sich auch gewiß in seinem Charakter nicht geirrt - aber gleichwohl schien doch mit dem Hauch , der das bräutliche Ja von ihren Lippen entführte , ihr jugendlicher Frohsinn und die unbefangene Heiterkeit ihrer Stimmung zu verschwinden . Dazu kam noch , daß sein Hang zur Eifersucht sie , um nicht sowohl den Hausfrieden , als ihm die wohlthätige Stille eines nicht durch Leidenschaften aufgewühlten Gemüths zu erhalten , bald von allen geselligen Kreisen isolirte , den Hof ausgenommen , wo denn nun freilich die mächtig gebietenden Verhältnisse es wollen , daß sie sich dann und wann einmal zeigt . Um vielleicht eine schonende Hülle über die männliche Tirannei zu werfen , mit der seine Anmaßungen fodern , daß sie nur für ihn , und für keinen Genuß des Daseyns außer ihm lebe , bewog sie ihn , das Landhaus Sorgenfrei zu kaufen , dessen Lage ihr schon früher sehr gefallen . Dort richtete sie sich häuslich ein , und so sehr auch die Nähe der Stadt einen ausgebreiteten Umgang begünstigen würde , so scheuchte doch bald die finstere Gemüthsart ihres Gatten alle Besuchenden , vorzüglich männlichen Geschlechts , zurück , so daß immer vereinzelter , immer einsamer der stille Weg ihres Berufs sie von den Freuden der Welt entfernt , und blos auf Mann und Kinder und Augusten beschränkt . Selbst ich , die ich doch so oft in das Haus des * schen Gesandten kam , und sie daher genauer kenne , als die meisten Uebrigen der hiesigen Gesellschaft , sehe sie nur selten , weil ich es nicht verbergen kann , daß ich dem eigensüchtigen Menschen , der uns so viel Liebenswürdigkeit entzieht , um sie egoistisch ganz allein zu genießen , recht von Herzen gram bin . So klar nun auch ihr häusliches Leben scheint , daß man wähnt , in seine innersten Verhältnisse wie in einen Spiegel hineinschauen zu können , so will es mich doch selbst bei den nur höchst sparsamen Besuchen , die ich mir gestatte , dünken , als ob ein Wurm an ihrem Innern nage , den nur Frömmigkeit , Selbstbeherrschung und eine exemplarische Pflichterfüllung beschwichtigen . Aber ob Unzufriedenheit mit ihrer Lage , ob irgend eine geheime Neigung , oder körperliche Kränklichkeit - an die ich zuweilen bei dem zu frühen Erbleichen ihrer frischen Jugendblüthe wohl glaube - die Ursache ist - das kann ich nicht entscheiden , da ihr kaltes , schroffes Schweigen auch dem theilnehmendsten Forscher nicht entgegen kommt . Hat Erna vielleicht , fragte Alexander leise , ihrem Gemahl je Gelegenheit gegeben , eifersüchtig zu seyn ! Das nicht , erwiederte die Gräfin . Selbst die giftigste Verläumdung würde nicht im Stande seyn , auch nur einen Schein von Schuld auf ihren tadellosen Wandel zu werfen . Aber es geht ihm , wie dem Geizhals , der seinen köstlichen Diamant lieber in den Kasten verschließt , als ihn im Strahl der Sonne schimmern läßt , weil er meint , als verlöre er durch das bunte Farbenspiel , das Andere entzückt , an seinem inneren Werthe . Auguste ist die einzige Person , deren Nähe um Erna der Mysanthrop freundlich duldet , da sie ganz für ihn eingenommen ist , und sich auch gewiß willig als Cerberus leihen würde , wenn es einer solchen Kreatur bedürfte , um ein Elisium zu bewachen . Da aber dies Elisium sich durch eigene Strenge und Würde schützt , folglich nie für ihn zum Tartarus wird , so spielt sie statt der Rolle einer auflauernden Duenna nur die einer Freundin im Hause . VIII Diese Skizze von Erna ' s Leben und Verhältnissen gab Alexandern reichen Stoff zum Nachdenken mit nach Hause , und ließ ihn zugleich Linovsky ' s frostigen Empfang nicht als individuelle Abneigung , sondern nur als eine allgemeine Wirkung des unglücklichen Hanges zur Eifersucht erblicken , der sein Daseyn trübte , und - statt ihn auszuzeichnen , ihn nur nicht ausgeschlossen hatte . Dies flößte ihm Muth ein , eine Pflicht des Wohlstandes zu erfüllen , und sobald er sich nur völlig erholt hatte , durch einen Besuch in Sorgenfrei Erna sowohl als ihrem Gemahl zu zeigen , wie dankbar durchdrungen er von ihrer Höflichkeit und Güte sei . Er wählte absichtlich dazu einen Nachmittag , um Linovsky nicht zu verfehlen , weil er seinem mistrauischen Sinn keinen Anlaß zu dem Verdacht geben wollte , als habe er Erna irgend etwas allein zu sagen . Die Familie befand sich auf der Hausflur , die an Eleganz mit den Zimmern wetteifernd , als ein solches gebraucht wurde . Um den Theetisch versammelt , an welchem Erna präsidirte , Otto neben ihr , der kleine Wunibald auf einem Kissen zu ihren Füßen liegend , Auguste mit Arbeit beschäftigt , und Linovsky ein Buch in der Hand , aus welchem er vorzulesen geschienen hatte , stellte die kleine Gruppe , die sein scharfes Auge schon in der Ferne durch die weit geöffneten Glasthüren übersehen konnte , wirklich ein lieblich anziehendes Bild häuslicher Eintracht und häuslicher Freuden dar . Als sein Wagen vorfuhr , und man ihn erkannte , stand Linovsky auf , ihm entgegenzugehen . Da Alexander ihm sogleich als hauptsächlichen Grund seines Kommens den vergeblichen Versuch anführte ihn in der Stadt aufzufinden , um ihm doch endlich persönlich auszudrücken , wie innig verbunden er sich ihm für seine gastfreie Aufnahme fühle , so war der Empfang weniger steif und kalt , als er befürchtet hatte . Wie erstaunte er aber , als er die Stufen heraufstieg , und Erna von ihrem Platz verschwunden sah . Eine leise