. Da mußten Alt und Jung , Männer , Weiber und Kinder es anhören . Fand man Zusätze nöthig , wurden sie gemacht . Und wenn das Sittengesetz vorgelesen war , mußte der erste Vorsteher jedesmal fragen : » Wollet ihr dies Gesetz halten , welches die Grundlage unsers Wohlstandes , unserer Eintracht und Ehre ist ? « - Und Alt und Jung antwortete mit lauter Stimme deutlich ein allgemeines Ja . 31. Die Kindtaufe . Oswald genoß zu dieser Zeit eine rechte Herzenswonne , nach der er sich lange schon vergebens gesehnt hatte . Nämlich die liebe , gute Elsbeth hatte ihm einen muntern Sohn zur Welt gebracht . Da war er wie im Himmel . Und er ging darauf zu seinem Freund , dem neuen Löwenwirth , der einer von den wohlbekannten zweiunddreißig Bundesgenossen war . Zu diesem sprach er : » Mein Freund , ich habe doch dich noch nie um eine Gefälligkeit angesprochen , und ich komme damit zum ersten Mal . Meine Frau liegt im Kindbette , und ich kann sie nicht verlassen , und zur Stadt gehen . Ich gebrauche aber fünfhundert Gulden , wenn auch nur acht Tage lang , und sie sollen wo möglich in Gold sein . Willst du mir so viel auf acht Tage leihen ? « Der Löwenwirth antwortete : » Ich bin dir für so Vieles Dank schuldig ; warum sollte ich nicht ? Ich habe eben achthundert Gulden empfangen , die liegen noch immer bei mir . Aber sie sind zum Theil in Silbermünze . Willst du , so nimm Alles auf so lange du willst . « Oswald sagte : » Ich möchte lieber Gold ; es liegt mir sehr daran . « Der Löwenwirth versetzte : » Wohlan , ich will Rath schaffen . Wann mußt du es haben ? « Oswald erwiederte : » Bringe mir das Geld morgen Abend um die achte Stunde in mein Haus . Aber sage Niemandem davon . « Als er sein Geschäft hier vollendet hatte , ging er fort und zu den übrigen einunddreißig Bundesgenossen und sagte ihnen dieselben Worte , wie dem Löwenwirth und bat um fünfhundert Gulden , wo möglich in Gold . Und Jeder freute sich , dem wackern Manne endlich einmal einen Freundschaftsdienst erweisen zu können , und versprach , ihm das Geld zu bringen . Er bestellte Jeden auf den folgenden Tag des Abend um die achte Stunde zu sich . Und sie kamen um dieselbe Stunde , da es schon dunkel war , zu ihm . Er führte sie Alle in sein Zimmer , aber es war noch kein Licht angezündet . Die Leute wunderten sich in der Stille über die Menge der Anwesenden . Oswald ging , um Licht zu holen . Und als er wieder in die Stube trat , mit zwei brennenden Kerzen in der Hand , erblickten sie ihn wieder , wie sie ihn schon einmal gesehen hatten , in prächtigen Offizierskleidern , mit hohem Federbusch auf dem Hut , einem Orden auf der Brust und einem langen Säbel an der Seite . Sie sahen einander verwundert an , und sahen , wie vor sieben Jahren , dieselben Gestalten , in demselben Zimmer , um denselben Tisch , auf welchen der Offizier die Kerzen niedersetzte . Oswald sagte darauf : » Habet ihr mir gebracht , liebe Freunde , um was ich euch gebeten habe , so leget es hier auf den Tisch . « Da traten sie Alle , Einer nach dem Andern , zum Tisch , und Mehrere bedauerten , ihm die Summe nicht in Gold zahlen zu können . Er sagte darauf liebreich : » So ist ' s gleichviel . Gebet , wie ihr es habet . « Und sie schütteten Gold , Andere Silber auf den Tisch , Andere legten ihm gute Kapitalbriefe und Zinsschriften hin . Darauf erhob Oswald die Stimme und sprach : » Erinnert euch , es ist die Zeit der Prüfung vorüber , und die sieben Jahre und sieben Wochen sind zu Ende , von denen ich euch geredet . Und ihr habet mehr Geld auf diesen Tisch geworfen , als ich vor sieben Jahren und sieben Wochen vor euern Augen ausschüttete . Damals waret ihr kaum im Stande , fünfhundert rothe Kreuzer auszuleihen ; in der Stadt hätte sie euch Niemand anvertraut . Jetzt habet ihr binnen vierundzwanzig Stunden Jeder fünfhundert Gulden aufgebracht , also daß sechszehntausend Gulden hier plötzlich auf dem Tisch beisammen sind . Also ist die Prüfungszeit vorüber , und ich habe euch die Kunst gelehrt , Gold zu machen . Und nun werdet ihr verstehen , was ich sagte , da ihr das erste Mal hier standet . Ich sagte aber : die Kunst ist selbst mehr noch , als das Gold , werth ; denn diese Kunst ist die beste Weisheit des Lebens . Bleibet euern Gelübden und Gott getreu , und euer Glück und Wohlstand wird wachsen von Tag zu Tag . Wer vom Gelübde läßt , der läßt von seinem Glück . Präget dies Gelübde euern Kindern ein , und lasset sie es halten , so werden sie Fülle haben . Nun habe ich mein Wort gelöst , das ich euch gegeben . Ihr seid darum reich , weil ihr wenig bedürfet und viel erwerbet , und weil ihr Zutrauen genießet bei den reichen Leuten , daß ihre Geldsäcke euch offen stehen . So habet ihr Gold machen gelernt , wie Ehrenmänner Gold machen sollen . Oder habet ihr anderes erwartet ? « Sie lächelten allesammt und sprachen : » Ei nun , wir haben wohl längst schon vermerken können , wie du es mit der Goldmacherei gemeint hast . Doch als wir einmal zur rechten Erkenntniß gekommen waren , schämten wir uns auch des dummen Aberglaubens , der uns vormals bethörte , und wußten es dir im Herzen Dank , daß du uns auf bessere Bahn gebracht . Ohne dich und deine Hülfe wären wir aber doch nie dahin gekommen