daß die ganze regelmäßige Fülle und Pracht der Glieder sichtbar wurde . Das Gesicht erschrocken von der Glorie abgewendet , war sie nur zur Hälfte erleuchtet ; aber es war die deutlichste und vollendetste Figur . Es schien , als wäre die irdische , lebenslustige Schönheit von dem Glanze jener himmlischen berührt , in ihrer bacchantischen Stellung plötzlich so erstarrt . Je länger man das Ganze betrachtete , je mehr und mehr wurde das Zauberbild von allen Seiten lebendig . Die Glorie der mittelsten Figur spielte in den Pflanzengewinden und den zitternden Blätterspitzen der nächststehenden Bäume . Im Hintergrunde sah man noch einige Streifen des Abendrots am Himmel stehen , fernes , dunkelblaues Gebirg , und hin und wieder den Strom aus der weiten Tiefe wie Silber aufblickend . Die ganze Gegend schien in erwartungsvoller Stille zu feiern , wie vor einem großen Morgen , der das geheimnisvoll gebundene Leben in herrlicher Pracht lösen soll . Friedrich war freudig zusammengefahren , als der Vorhang sich plötzlich eröffnete , denn er hatte in der mittelsten Figur mit dem Kreuze sogleich seine Rosa erkannt . Wie wir einen geliebten köstlichen Stein mit dem Kostbarsten sorgfältig umfassen , so schien auch ihm der herrliche Kreis der gestirnten Nacht draußen nur eine Folie um das schöne Bild der Geliebten , zu welcher aller Augen unwiderstehlich hingezogen wurden . An ihren großen , sinnigen Augen entzündete sich in seiner Brust die Macht hoher , freudiger Entschlüsse und Gedanken , das Abendrot draußen war ihm die Aurora eines künftigen , weiten , herrlichen Lebens und seine ganze Seele flog wie mit großen Flügeln in die wunderbare Aussicht hinein . Mitten in dieser Entzückung fiel der Vorhang plötzlich wieder , das Ganze verdeckend , herab , der Kronleuchter wurde heruntergelassen und ein schnatterndes Gewühl und Lachen erfüllte auf einmal wieder den Saal . Der größte Teil der Gesellschaft brach nun von allen Sitzen auf und verlor sich . Nur ein kleiner Teil von Auserwählten blieb im Saale zurück . Friedrich wurde währenddessen vom Minister , der auch zugegen war , bemerkt und sogleich der Frau vom Hause vorgestellt . Es war eine fast durchsichtig schlanke , schmächtige Gestalt , gleichsam im Nachsommer ihrer Blüte und Schönheit . Sie bat ihn mit so überaus sanften , leisen , lispelnden Worten , daß er Mühe hatte , sie zu verstehen , ihre künstlerischen Abendandachten , wie sie sich ausdrückte , mit seiner Gegenwart zu beehren , und sah ihn dabei mit blinzelnden , fast zugedrückten Augen an , von denen er zweifelhaft war , ob sie ausforschend , gelehrt , sanft , verliebt oder nur interessant sein sollten . Die Gesellschaft zog sich indes in eine kleinere Stube zusammen . Die Zimmer waren durchaus prachtvoll und im neuesten Geschmacke dekoriert ; nur hin und wieder bemerkte man einige auffallende Besonderheiten und Nachlässigkeiten , unsymmetrische Spiegel , Gitarren , aufgeschlagene Musikalien und Bücher , die auf den Ottomanen zerstreut umherlagen . Friedrich kam es vor , als hätte es der Frau vom Hause vorher einige Stunden mühsamen Studiums gekostet , um in das Ganze eine gewisse unordentliche Genialität hineinzubringen . Endlich erschien auch Rosa mit der jungen Gräfin Romana , welche in dem Tableau die griechische Figur , die lebenslustige , vor dem Glanze des Christentums zu Stein gewordene Religion der Phantasie so meisterhaft dargestellt hatte . Rosas erster Blick traf gerade auf Friedrich . Erstaunt und mit innigster Herzensfreude rief sie laut seinen Namen . Er wäre ihr um den Hals gefallen , aber der Minister stand eben wie eine Statue neben ihm , und manche Augen hatte ihr unvorsichtiger Ausruf auf ihn gerichtet . Er hätte sich vor diesen Leuten ebensogern wie Don Quijote in der Wildnis vor seinem Sancho Pansa in Purzelbäumen produzieren wollen , als seine Liebe ihren Augen preisgeben . Aber so nahe als möglich hielt er sich zu ihr , es war ihm eine unbeschreibliche Lust , sie anzurühren , er sprach wieder mit ihr , als wäre er nie von ihr gewesen und hielt oft minutenlang ihre Hand in der seinigen . Rosa tat diese langentbehrte , ungekünstelte , unwiderstehliche Freude an ihr im Innersten wohl . Es hatte sich unterdes ein niedliches , etwa zehnjähriges Mädchen eingefunden , die in einer reizenden Kleidung mit langen Beinkleidern und kurzem schleiernen Röckchen darüber , keck im Zimmer herumsprang . Es war die Tochter vom Hause . Ein Herr aus der Gesellschaft reichte ihr ein Tamburin , das in einer Ecke auf dem Fußboden gelegen hatte . Alle schlossen bald einen Kreis um sie und das zierliche Mädchen tanzte mit einer wirklich bewunderungswürdigen Anmut und Geschicklichkeit , während sie das Tamburin auf mannigfache Weise schwang und berührte und ein niedliches italienisches Liedchen dazu sang . Jeder war begeistert , erschöpfte sich in Lobsprüchen und wünschte der Mutter Glück , die sehr zufrieden lächelte . Nur Friedrich schwieg still . Denn einmal war ihm schon die moderne Knabentracht bei Mädchen zuwider , ganz abscheulich aber war ihm diese gottlose Art , unschuldige Kinder durch Eitelkeit zu dressieren . Er fühlte vielmehr ein tiefes Mitleid mit der schönen kleinen Bajadere . Sein Ärger und das Lobpreisen der andern stieg , als nachher das Wunderkind sich unter die Gesellschaft mischte , nach allen Seiten hin in fertigem Französisch schnippische Antworten erteilte , die eine Klugheit weit über ihr Alter zeigten , und überhaupt jede Ungezogenheit als genial genommen wurde . Die Damen , welche sämtlich sehr ästhetische Mienen machten , setzten sich darauf nebst mehreren Herren unter dem Vorsitze der Frau vom Hause , die mit vieler Grazie den Tee einzuschenken wußte , förmlich in Schlachtordnung und fingen an , von Ohrenschmäusen zu reden . Der Minister entfernte sich in die Nebenstube , um zu spielen . - Friedrich erstaunte , wie diese Weiber geläufig mit den neuesten Erscheinungen der Literatur umzuspringen wußten , von denen er selber manche kaum dem Namen nach kannte , wie leicht sie mit Namen herumwarfen , die er nie ohne heilige ,