zusehends zu genesen , jetzt schlug er oft das Kreuz nach Sitte der Mönche und betete leise . Aber ganz unvermutet fing er einmal an , lateinische Lieder zu singen , die meiner Alten und der Anne , unerachtet sie die Worte nicht verstanden , mit ihren ganz wunderbaren heiligen Tönen bis ins Innerste drangen , so daß sie nicht genug sagen konnten , wie der Kranke sie erbaue . Der Mönch war so weit hergestellt , daß er aufstehen und im Hause umherwandeln konnte , aber sein Aussehen , sein Wesen war ganz verändert . Die Augen blickten sanft , statt daß sonst ein gar böses Feuer in ihnen funkelte , er schritt ganz nach Klostersitte leise und andächtig mit gefaltenen Händen umher , jede Spur des Wahnsinns war verschwunden . Er genoß nichts als Gemüse , Brot und Wasser , und nur selten konnte ich ihn in der letzten Zeit dahin bringen , daß er sich an meinen Tisch setzte und etwas von den Speisen genoß sowie einen kleinen Schluck Wein trank . Dann sprach er das Gratias und ergötzte uns mit seinen Reden , die er so wohl zu stellen wußte wie nicht leicht einer . Oft ging er im Walde einsam spazieren , so kam es denn , daß ich ihm einmal begegnete und , ohne gerade viel zu denken , frug , ob er nicht nun bald in sein Kloster zurückkehren werde . Er schien sehr bewegt , er faßte meine Hand und sprach : Mein Freund , ich habe dir das Heil meiner Seele zu danken , du hast mich errettet von der ewigen Verderbnis , noch kann ich nicht von dir scheiden , laß mich bei dir sein . Ach , habe Mitleid mit mir , den der Satan verlockt hat und der unwiederbringlich verloren war , wenn ihn der Heilige , zu dem er flehte in angstvollen Stunden , nicht im Wahnsinn in diesen Wald gebracht hätte . - Sie fanden mich , fuhr der Mönch nach einigem Stillschweigen fort , in einem ganz entarteten Zustande und ahnden auch jetzt gewiß nicht , daß ich einst ein von der Natur reich ausgestatteter Jüngling war , den nur eine schwärmerische Neigung zur Einsamkeit und zu den tiefsinnigsten Studien ins Kloster brachte . Meine Brüder liebten mich alle ausnehmend , und ich lebte so froh , als es nur in dem Kloster geschehen kann . Durch Frömmigkeit und musterhaftes Betragen schwang ich mich empor , man sah in mir schon den künftigen Prior . Es begab sich , daß einer der Brüder von weiten Reisen heimkehrte und dem Kloster verschiedene Reliquien , die er sich auf dem Wege zu verschaffen gewußt , mitbrachte . Unter diesen befand sich eine verschlossene Flasche , die der heilige Antonius dem Teufel , der darin ein verführerisches Elixier bewahrte , abgenommen haben sollte . Auch diese Reliquie wurde sorgfältig aufbewahrt , unerachtet mir die Sache ganz gegen den Geist der Andacht , den die wahren Reliquien einflößen sollen , und überhaupt ganz abgeschmackt zu sein schien . Aber eine unbeschreibliche Lüsternheit bemächtigte sich meiner , das zu erforschen , was wohl eigentlich in der Flasche enthalten . Es gelang mir , sie beiseite zu schaffen , ich öffnete sie und fand ein herrlich duftendes , süß schmeckendes starkes Getränk darin , das ich bis auf den letzten Tropfen genoß . - Wie nun mein ganzer Sinn sich änderte , wie ich einen brennenden ' Durst ' nach der Lust der Welt empfand , wie das Laster in verführerischer Gestalt mir als des Lebens höchste Spitze erschien , das alles mag ich nicht sagen , kurz , mein Leben wurde eine Reihe schändlicher Verbrechen , so daß , als ich meiner teuflischen Lust unerachtet verraten wurde , mich der Prior zum ewigen Gefängnis verurteilte . Als ich schon mehrere Wochen in dem dumpfen , feuchten Kerker zugebracht hatte , verfluchte ich mich und mein Dasein , ich lästerte Gott und die Heiligen , da trat im glühend roten Scheine der Satan zu mir und sprach , daß , wenn ich meine Seele ganz dem Höchsten abwenden und ihm dienen wolle , er mich befreien werde . Heulend stürzte ich auf die Knie und rief : ' Es ist kein Gott , dem ich diene , du bist mein Herr , und aus deinen Gluten strömt die Lust des Lebens . ' - Da brauste es in den Lüften wie eine Windsbraut , und die Mauern dröhnten , wie vom Erdbeben erschüttert , ein schneidender Ton pfiff durch den Kerker , die Eisenstäbe des Fensters fielen zerbröckelt herab , und ich stand , von unsichtbarer Gewalt hinausgeschleudert , im Klosterhofe . Der Mond schien hell durch die Wolken , und in seinen Strahlen erglänzte das Standbild des heiligen Antonius , das mitten im Hofe bei einem Springbrunnen aufgerichtet war . - Eine unbeschreibliche Angst zerriß mein Herz , ich warf mich zerknirscht nieder vor dem Heiligen , ich schwor dem Bösen ab und flehte um Erbarmen ; aber da zogen schwarze Wolken herauf , und aufs neue brauste der Orkan durch die Luft , mir vergingen die Sinne , und ich fand mich erst im Walde wieder , in dem ich , wahnsinnig vor Hunger und Verzweiflung , umhertobte und aus dem Sie mich erretteten . - So erzählte der Mönch , und seine Geschichte machte auf mich solch einen tiefen Eindruck , daß ich nach vielen Jahren noch so wie heute imstande sein werde , alles Wort für Wort zu wiederholen . Seit der Zeit hat sich der Mönch so fromm , so gutmütig betragen , daß wir ihn alle lieb gewannen , und um so unbegreiflicher ist es mir , wie in voriger Nacht sein Wahnsinn hat aufs neue ausbrechen können . « » Wissen Sie denn gar nicht « , fiel ich dem Förster ins Wort , » aus welchem Kapuzinerkloster der Unglückliche entsprungen ist ? « - » Er hat mir es verschwiegen , « erwiderte