so beschloß sie sich mit mir zu explizieren ; sie explizierte zwei Stunden , ich wußte nicht was ; zu meiner großen Qual diente es gewiß , denn es war schönes Wetter ; aus Ärgernis küßte ich sie , das sollte wieder expliziert werden . Ich armer Unglücklicher war nahe daran , mich aus dem Fenster zu stürzen . Sie erzählte mir nun so vieles , was ihr eigen sei , daß mir die ganze Welt uneigentlich vorkam ; das Eigenste war aber , daß sie eine unwiderstehliche Schwachheit für mich seit dem ersten Abende gefühlt hätte , die mir aber ganz unbekannt blieb , weil ich in ihrer Nähe immer in meine lächerliche Rolle verfallen mußte . Um nicht zu weitläuftig zu werden , will ich statt einer ausführlichen Erzählung der einzelnen Angriffe und Ausfälle , nur die Hauptstellen aus dem Belagerungsjournale entlehnen , das sie mit großer Aufrichtigkeit ihrer Freundin , der Professorin , jede Woche überschickte und das ich nachher zu lesen bekam , als ich aus Überdruß über das langweilige Leben zur Universität zurück kehrte . Eines Tages schrieb sie : Meine Schwachheit für ihn ist leider nur zu gewiß , ein Zittern wirft mich nieder in seiner Nähe ; gestern las ich ihm eine Beschreibung des Schlafes vor nach dem Englischen , und er schlief ein ; wie ist er so ganz in meiner Gewalt . Bald darauf : Wehe mir , die Jahreszeit , die Einsamkeit , alles erleichtert ihm seine Kühnheit , ich wollte einen stolzen Ernst gegen ihn annehmen , aber meine Blicke verraten ihm meine Schwäche ; was sind wir Menschen mit einem weichen Herzen , und doch ohne dieses Herz , was wären wir ! Einige Tage später : Seltene Tugend eines Jünglings seines Alters , seiner Schönheit , in unsrer Zeit ; er vertraute mir heute , daß er noch nichts vom Glücke der Liebe wisse ; ich gab ihm einen Kuß , daß er ihm ein Siegel der Tugend werde ; wehe mir , wenn ich ihm die Ruhe raube , dem Armen , der so früh schon seine Eltern verloren hat . Zuletzt schrieb sie : Noch ein Tag wie dieser in der Sommerlaube und ich bin verloren ; morgen schreibe ich Dir vielleicht : Es ist geschehen , ich atme kaum , - ich denke nicht , voll Schlaf und Traum ist mein Gesicht . Nun gute Nacht , nun guten Tag , ich bin verwacht , nichts mehr vermag . - Ist das Journal über ihren Seelenzustand nicht wie der Bericht des englischen Kapitäns über sein brennendes Schiff , den er von Stunde zu Stunde ans Land schickt , bis er mit dem letzten aufgeflogen ? Doch dazu ließ es meine qualvolle Langeweile nicht kommen ; von ihrer Neigung zu mir hatte ich gar nichts vernommen , denn ihre Liebe bestand gegen alle eigentlich nur darin , sie recht strenge in ihre verrückte Art und Weise zu zwingen . Ganz zermartert von allen Explikationen des vorigen Tages zog ich frühmorgens an jenem bedenklichen Tage meine Stiefel an und ritt davon , nachdem ich einen Brief zurückgelassen , worin ich allerlei verblümte Worte von der Macht des Frühlings gesagt hatte , der mich zu ihr und von ihr zöge ; ohne die Seelengröße zu haben , die ihren Flug erhebe , hätte ich doch den Wunsch , ihr zu folgen , und so sei ich in ihrer Nähe wie ein sterblicher Mensch an einer Göttertafel . - Sie nahm das alles in ihrer Manier auf , als fliehe ich sie , um nicht ihre Keuschheit durch sinnliche Anmutungen in Gefahr zu setzen ; sie hielt mich für einen der größten Tugendhelden . So schrieb sie an meine Professorin und ich kühlte meine Eigenliebe , als ich bei ihr über die große Freundin spotten konnte . Das sei für heute genug . « Wirklich war es auch dem Grafen überflüssig genug . Er hatte während der letzten Erzählung einen solchen Widerwillen gegen den Prediger bekommen , daß er ihm beim Abschiede wie ein kalter Satanas erschien , der nach seiner Frauen Unschuld strebte , als er ihr noch einmal seine Prophezeiung wegen des Kindes vorschwatzte . Als er allein war mit seiner Frau , drückte er diesen Widerwillen ohne Rückhalt aus ; sie begriff ihn gar nicht ; sie hatte die Erzählung ganz unterhaltend gefunden . » Nun « , sagte der Graf , » das muß wohl von seinem verruchten Anblicken gekommen sein ; allerwärts sah ja seine böse Lust und seine Eitelkeit hervor , und dabei wette ich , die Hälfte ist nicht so wahr ; das hat er sich alles weis gemacht , um in sein armseliges Leben doch irgend eine Begebenheit einzuflicken ; um doch auch sich ein Gefühl zu machen , lügt er sich die Haut voll . So lange er von andern erzählte , war er erträglich , kaum sprach er von sich , da war mir ' s , als wenn man einen berühmten Poeten von Angesicht sieht ; man glaubt nicht , daß er so gemein aussehen könne . Und der verruchte Blick : die Idee ist mir ganz verhaßt , ich habe ihn erst allmählich deswegen angesehen ; ich dachte erst später darüber nach . Wenn du niederkommst in neun Monaten , so erkenne ich das Kind nicht an , und den verruchten Pfaffen laß ich als einen Zauberer verbrennen . « Eilftes Kapitel Großer Streit zwischen dem Grafen und der Gräfin Es war allerdings etwas Scherz in dem Eifer ; aber der Graf fühlte doch wirklich so eine Art wunderlicher Eifersucht gegen diesen geistigen Verführer , ungefähr so wie mancher einfache Mann gegen die gelehrten Bekannten seiner gelehrten Frau . Die Gräfin versicherte ihm , sie halte ihn für hypochondrisch krank ; den ganzen Tag habe er nichts getrieben , als ihr jedes Vergnügen abzudisputieren , und jetzt wäre er sogar eifersüchtig auf einen Mann , dessen breites glänzendes Gesicht sie gar nicht ansehen möchte ; ob