und der freundliche Horizont über den Häuptern der Lieben , mit deren Schicksal wir uns beschäftigen , schien sich schon ob dem unglückschwangern Vorsatz zu schwärzen . Laurette hielt Wort . Überall zurückgewiesen , wo sie unterzukommen suchte , im Gefühl ihrer Verächtlichkeit , warf sie , wo sie nur Brennstoff ahnete , die Funken des Argwohns und der Zwietracht , die in ihrem Busen einen Heerd hatten , bedächtig hinein , und bließ und schürte , bis alles in lichten Flammen stand . Im ganzen Kreise nannte man die Familie Lindenhain und Ulmenhorst die Glücklichen oder auch die Guten , und jedem schien ' s Gewinn , in ihre Mitte eingelassen zu werden . Lange hießen sie noch so für jeden nicht Vertrauten , als längst schon die Stützen jedes häuslichen Glücks , Liebe und Zutrauen , zu wanken anfingen . Schmerzvoll ist die Erwähnung einer wiederholt bestätigten Erfahrung , daß es unter dem Monde nichts Beständiges giebt . Als der Krieg Albertinen von ihrem Gatten schied , hatte sie , wie wir schon wissen , nur das rosenfarbene schöne erste Jahr der Ehe mit ihm durchlebt . Beide hatten sich nur im schönsten Lichte , im lachendsten Kolorit gesehen , dessen Interesse durch die schwankende Aussicht einer bevorstehenden Trennung durch den Krieg immer neu belebt wurde . Sie kannten im Grunde einander sehr wenig , und nur in dem Lichte , worin Liebende sich sehen , das heißt : im allerromantischsten . Lindenhain hatte in dem Hause gewohnt , worin Albertine mit ihrer kränklichen Mutter , der Frau von Rehthal , Dämmrigs jüngster Schwester , sehr eingezogen lebte . Kaum , daß sie den Aufenthalt des schönen Jünglings , den sie nur im Vorbeigehen durch die Jalousien gesehen hatte , in ihrer Nähe ahnte . Er hingegen hatte die umgebende Gegend genau rekognoscirt , und nicht sobald erfahren , daß eine leibhafte Liebesgöttin hier neben dem trübseligen Memento mori einer kranken Mutter throne , so ließ er sich bei den Damen melden . Er wurde sehr goutirt ; und um irgend ein Band anzuknüpfen , schlug der junge Officier einen Kommerztractat vor , der eine Auswechselung geistiger Waare betraf , da beide Theile Besitzer guter Bibliotheken waren , und überdem Lindenhain alles Neuste , woran die Damen ziemlich arm waren , herbeizuschaffen versprach . Der junge Nachbar frachtete , in Ermangelung der Domestiken , sein Waarenschifflein immer selbst in den Hafen und genoß seines Lohnes in dem schönen Erröthen der süßen Albertine , die dem schönen Büchermann die Zufuhr immer selbst abnahm . Um diese Zeit nahm eben Albertine Stunden in der Zeichen- und Malerkunst bei ihrer Henriette . Da traf es sich immer ganz besonders , daß Lindenhain eben aus irgend einem Kollegium kam , wenn Albertinens Stunde aus war ; und da sie in einem Hause wohnten , so war nichts natürlicher , als daß sie des Weges zusammen gingen . Albertine sagte das unverholen ihrer Mutter , und die Mutter , die keine Prüde war , lächelte und sagte : » Der Lindenhain wäre mir schon eben recht ; daß er auch ein Officier ist ! « - » Und warum keinen Officier , Mutter ? Giebt es , außer diesem , einen Stand , in welchem der natürliche Karakter und eine bestimmte Denkungsart am meisten beibehalten werden kann ? Kann der Soldat nicht so frei , so gerade , so kühn verbleiben , als die Natur den Mann gemacht hat ? « » Wo haben Sie diese Philosophie her , mein Fräulein ? « sagte die freundliche Mutter . » Hast du so ernstlich über den Nachbar nachgedacht ? Ich leugne dir nicht , daß der Stand in meinen Augen große Vorzüge hat ; aber sieh nur , wie viel Wittwen macht nicht der böse Krieg ! Wie viel Wittwen von lebenden Männern ! Denn das , was du sagest , giebt dem Ein anderes Städtchen , ein anderes Mädchen seine volle Kraft . « - » Ach , Mutterchen , der Nachbar vereint in sich die Vorzüge seines Standes mit der Kultur der friedlicheren Klasse . « - » Nun , Albertine , wenn er käme , es wäre mir nicht zuwider ; aber ein Unglück , daß diese edle Klasse nur erst Brod bekommt , wenn sie es nicht mehr beißen kann ! « - Albertine sagte lustig : » Mag ' s ! « und hüpfte , froh , so viel schon bei der Mutter gewonnen zu haben , an ihre Arbeit . Und es geschah , wie sie gewünscht hatten . Nach einem kurzen Urlaub , wo Lindenhain die Erbschaft seines Vaters übernommen hatte , erschien er mit einer offnen , ungekünstelten Bewerbung um die schöne Nachbarin , und erhielt , ohne Ziererei und Bitte um Bedenkzeit , ein herzliches Ja ! Die verwelkliche Rosenkette umschlang Beide ; sie taumelten in ihrem süßen Duft dahin . Die gute Mutter starb bald nachher , und ihr ansehnliches Vermögen , das , wie wir wissen , leider ! bei ihrem Bruder stand , machte Albertinen auch von dieser Seite zu einer sehr guten Parthie . Nach einem im seligsten Genusse verlebten Jahre , bekam das Regiment Ordre zum Aufbruch . Das junge Paar war untröstlich . Albertine zog , wie wir wissen , zu ihrem Bruder und ihr Gatte in den Krieg , der , wir können es nicht leugnen , bei weitem mehr sein Element war , als die Mirthenlauben von Paphos . Als seine Albertine , wie es ihm schien , in Sicherheit war , zog er mit hoch aufklopfendem Herzen und den hell lodernden Flammen der Kriegslust , seinen Fahnen nach . Sieben und zwanzigstes Kapitel Man sage , was man will , der Krieg , zu Wasser oder zu Lande , verwildert die Naturen , giebt dem Hange zum unstäten Leben Nahrung , erhält in steter Spannung und befriedigt nur durch große , entscheidende Katastrophen ; nur das Große und Riesenmäßige genügt den Mitwirkenden . Daß Lindenhain ,