mir selbst herausgesponnen , das Einzelne verbindet . - Ich bin nicht unzufrieden mit mir und der Welt , nur das Einzige schmerzt mich , und wird mich ewig schmerzen , daß das Höchste meines Lebens , die Zeit , wo sich die Blüthe meines Lebens entfaltete , wo alles auf etwas Einfaches , Großes hinzudeuten schien , doch am Ende in Unverständlichkeit vergieng . O Barton ! ich wiederhole es , nur der kleinste Umstand meines Lebens durfte anders sein , und Vernunft und Glück mußten unvermeidlich der Quaal dieses Gedankens erliegen ! Ich weiß nicht , ob ich Dir es schon geschrieben habe , daß ich ohngeachtet meiner Jugend nun als * * hier angestellt bin . Dies ist eine Stelle , die sich mein jugendlicher Ehrgeitz oft als das schönste Ziel dachte . Theils in Geschäften meines Vaters , theils um noch manche , mir nöthige Kenntnisse und Geschicklichkeiten zu erwerben , werde ich , eh ' ich die Stelle antrete , noch ein Jahr lang reisen . Komme ich dann zurück , so wird es nur von mir abhängen , mich mit Cölestinen , - so heißt das reizende Geschöpf , die Du aus meinem Briefe kennst , - auf immer zu verbinden . - Auf dieser Reise werde ich auch zu Dir kommen , verlaß Dich darauf ! Wahrscheinlich wirst Du dann schon Dein Landgut bewohnen . - Ich muß Dich , ich muß Amanda wiedersehen ! Wie sollte ich mir diesen wunderbaren Moment , der schon jetzt mein Herz erbeben läßt , nicht in mein Leben herein bannen ? - Wie wird sie mir , wie wird mir alles um sie her erscheinen ? Du wirst glücklich sein , Barton ! - Ich muß immer wieder hierauf zurückkommen . Du wirst das heiterste , lebendigste Leben führen , und von Nanettens stets gegenwärtigem Gemüth , Deinen weiter strebenden Sinn , stets freundlich an dem Augenblick gefesselt fühlen ! Eben weil ihr wenig Aehnlichkeit habt , werdet ihr so sehr für einander passen , denn die Liebe wird oft durch das Verlangen genährt , das , was uns fehlet , durch den geliebten Gegenstand ersetzt zu finden , und bei vollkommener Gleichheit des Gemüths mangelt ihr größter Reiz . Der Morgen meiner Abreise ist gekommen , und in wenig Augenblicken sitze ich im Wagen . Ich habe lange keine Frühstunden genossen , und überhaupt alle Naturerscheinungen , unempfindlich vor mir vorüber gehen lassen , weil ich mich nicht den Eindrücken hingab , sondern sie beherrschte . - Nie dünkt es mich , habe der Hahn so melodisch sein Morgenlied gesungen ; nie die Vögel so laut und kühn dem Tag entgegen gejauchzt ; die Landschaft habe nie so frisch aus den nächtlichen Regenschauer hervor geschaut ; die Sonne nie so freudig über die dunkeln Wolken gesiegt , als heute . Ich ahnde es , - auch meinem Leben ist noch ein Morgen aufgegangen - noch Ein Morgen , und wüßte ich auch , daß mit diesem Tage ich selbst mich leise neigen würde , so könnte es mich doch nicht stöhren in meiner freudigen Hoffnung . Elfter Brief Amanda an Julien Dein letzter Brief hat mir sehr viel Freudiges gesagt . In Deinen Urtheilen über mich und mein Leben , finde ich eben so viel Klugheit als Zartheit , und Du versicherst mir es so ehrlich , daß ich es glauben muß , wie meine Briefe immer sehnlich von Dir erwartet würden , wie sie für Dich weit mehr Leben und Interesse , als das schönste Buch hätten , ja , wie sie das einzige Poetische in Deinem Leben wären . - Dies alles ist mir nun sehr willkommen , denn mir ist es nun einmal Bedürfniß geworden , Dir meine Klagen , meine Erinnerungen und meine Freuden , ohne Zwang und Rücksicht zu vertrauen , und Du bist auch die Einzige , gegen die ich es kann . - Ja , Julie , was auch die Zeit an den glänzenden Farben jener Vergangenheit verwischen mag , so glücklich ich mich jetzt durch Antonios Gegenwart fühle , so viele schöne Beziehungen ich um mich vereine ; so kann sich mein Herz doch nie ganz von jenem Zauberlande losreissen , und selbst jedes fröhlichere Gefühl , das mein Herz bewegt , scheint mir nur ein Bote von dort zu sein , der mich wieder lebhaft in die alten Fesseln zieht . - Oft fühle ich es so unruhig und so gewiß , daß ich ihn wiedersehn werde - aber bald spricht eine feindliche Stimme dazwischen : er hat Dich vergessen - und alles ist verändert . Die säuselnden Lüfte , die Berge mit ihren waldigen Scheiteln , der Fluß mit seinen rauschenden Wellen , alle sagen es nach : er hat Dich vergessen ! die Sehnsucht seiner Liebe umschwebt uns nicht mehr ! - Oft wenn ich hinblicke unter die Schatten der Bäume , und aus ihrer freundlichen Dämmerung , viele halbvergeßne Jugendbilder hervortreten , und von ihren flüsternden Zweigen seelige Träume auf mein Herz einsinken ; dann schwebt die entflohene Liebe , wie ein verlohrnes Paradies vor meiner Seele , und eine Thräne des Schmerzes verdunkelt mein Auge . - Aber dann reisse ich meine Blicke gewaltsam von jenen Bildern los , und schaue mit verschloßnem Weh in die lichte , offne Ebene hin , und weite , fröhliche Entwürfe , heiter wie die Ferne , dämmern vor mir auf ; dann umweht mich neue Lebenslust , und ich freue mich meines Muths , daß ich , nach dem Verlust desjenigen , was mir Alles war , noch zu leben wage . - Und Julie , so schwankt mein Gemüth noch oft zwischen den Eindrücken , einer allzu schönen Vergangenheit , und einer heitern Gegenwart . Du kennst aus meinen Briefen die Menschen , die ich täglich sehe , es ist Antonio , der Graf , Charlotte , ihr Mann und Wilhelm ; mein Leben verfließt jetzt gleichförmig und anmuthsvoll , und nur kleine Begebenheiten