auch einigemal Beifall genickt , indem er die Umstehenden nach der Reihe anguckte . Als aber Eleonore vom Abschaffen des Frondienstes anfing , sprang er ungeduldig auf . » Gut , daß Sie davon anfangen , Frau Gräfin ! Ich hatte es mir schon längst vorgenommen , Ihnen meine Meinung darüber zu sagen . Sie haben Ihren Bauern den Frondienst erlassen , der jedem Gutsbesitzer von Gott und Rechts wegen zukömmt , dadurch haben Sie aber allen Ihren Nachbarn vielen Schaden zugefügt . Herr Graf ! Es ist nicht ein jeder gesonnen , seinen gerechten Vorteil so mutwillig zu verschleudern , und nun wird uns alles erschwert . Nein , erlauben Sie mir , daß ich ' s Ihnen sage , daran taten sie sehr unrecht ! Eine alte Gerechtigkeit muß man nicht aufheben . Unsere Vorfahren haben den Frondienst eingerichtet , und das waren auch keine Narren ; die Nachkommenschaft sollte nur mehr Respekt vor ihren Einrichtungen haben ! Einzelne Verbesserungen , ja einzelne lasse ich mir gefallen , aber das Ganze darf nicht niedergerissen werden ! Alle Teufel ! Bei der Ordnung muß es bleiben . Und nehmen Sie mir ' s nur nicht übel , Herr Graf , auf diese Weise geht es Ihren Bauern freilich herrlich und in Freuden , da Sie sich das Ihrige entziehen ! Aber damit wäre mir noch gar nicht gedient , meine Bauern sollen sich nicht aus Eigennutz vervollkommnen , und meinen Willen ihres eignen Vorteils wegen vollziehen , sondern aus reiner Liebe und Dankbarkeit sollen Sie mir meinen Willen tun . Weltlichen Vorteil sollen sie gar nicht vor Augen haben , sondern Moralität , feine Ausbildung des Kopfs und des Herzens ! Lieben sollen mich die Halunken ! « - In diesem Ton fuhr der gute Obristwachtmeister noch ein Weilchen fort , zur großen Belustigung der Gesellschaft , die über diesen Freund der Kultur sich nur mit Mühe das laute Lachen enthielt . Eleonore mußte einigemal das Gesicht wegwenden ; der Graf versuchte es , ihn zu unterbrechen , und ein anderes Gespräch auf die Bahn zu bringen , aber das ging nicht so leicht . Er kramte mit großem Eifer alles durcheinander aus , und schwieg nicht eher , bis man zu Tische ging , wo er sich dann wieder beruhigte . Beim Anblick der mannigfaltigen Flaschen ward er vollends wieder friedlich und freundlich gesinnt , vergaß Kultur , Ökonomie und Moralität , ließ es sich trefflich schmecken , und prüfte so lange die einheimischen und fremden Weine gegeneinander , bis man ihn nach einem andern Zimmer führte , wo er den Rest des Tages ruhig verschlief . » Wie gefällt dir die herrliche Karikatur ? « fragte Eduard . - » Dieses ist einer der umfassendsten Geister , die es gibt « , erwiderte Florentin ; » er vereinigt in sich alle die Narrheiten , die man sonst in der ganzen Welt ausgebreitet findet ; jedes Rätsel , das uns in ihr verwirrend und ängstigend entgegenfährt , ist aufs belehrendste in ihm allein aufgelöst . « - Juliane bedauerte spottend die armen Fräulein , die aus ökonomisch-politisch-menschenfreundlicher Absicht mit den unwilligen , aufgebrachten Bauern tanzen mußten , und stellte die Not , sich nach ihrer Weise fügen zu müssen , sehr komisch und lebhaft vor . Sogar Therese und die Knaben übten ihren Mutwillen an dem ehrlichen Obristwachtmeister , bis der Graf ihnen endlich Einhalt tat , der sich bei diesen Gesprächen erinnert hatte , daß seinen Bauern am Vermählungstage ein Gastmahl auf dem Schloß bereitet werden müsse , und war verwundert noch keine Anstalten dazu machen zu sehen . - Eleonore gestand ihm : Sie hätte es zwar nicht vergessen , könnte sich aber immer nicht entschließen etwas anzuordnen , was noch jedesmal ihr Mißfallen erregt , so oft sie dabei gewesen . - Der Graf erwiderte : Es lasse sich schwerlich etwas Gegründetes gegen eine so ehrwürdige Sitte einwenden , die von jeher in seinem Hause stattgefunden , und die er nicht gern ohne Grund abschaffen würde . - » Verzeih mir , mein Bester ! « sagte Eleonore , » aber ich konnte mir nie weder Gutes noch Erfreuliches dabei denken , wenn ich diese Leute an einer langen Tafel , schnurgerade gereiht sitzen sah , Zwang und staunende Langeweile auf allen Gesichtern , die Männer an der einen , die Frauen auf der andern Seite ; zufällig Feinde sich nah , Freunde und Liebende getrennt , fremd , ängstlich , unbehaglich ! Von der Dienerschaft , wo nicht gar von der herrschaftlichen Familie selbst bedient , fühlen sie sich in nicht geringer Verlegenheit , so oft ihnen etwas gereicht ward , und nahmen sich dann natürlich so ungeschickt und link dabei , daß die übermütigen Lakaien sich berechtigt glauben , sie hohnlachend zu verspotten . Irgendein Lächeln , oder das Ansehn von Superiorität , das man doch nicht unterdrücken kann , und das nur auffallender wird , je mehr man ' s unterdrücken will , macht ihnen vollends diesen ostensibeln Akt von Herablassung zur Pein . Es kann nicht fehlen , daß das demütigende und zugleich erniedrigende Bewußtsein sich nicht in ihre Herzen schleiche : sie seien unter dem Vorwand eines Gastmahls bloß zur Dekoration für die Vornehmen bestimmt , die sich an einer ländlichen Szene erlustigen wollten . Dürften diese ehrlichen Leute freimütig ihre Meinung sagen , so würden sicherlich die meisten , wie Sancho Pansa bei den Ziegenhirten , ihrem Herrn für die unbequeme Ehre danken , in seiner Gesellschaft zu speisen ; von denen , die es nicht ausschlügen , hätte ich auch nicht die beste Meinung . « - Eleonore wandte ihre ganze Beredsamkeit an , den Grafen zu bewegen , daß er diesen alten Gebrauch abstellen , und den Bauern auf eine andere Art ein Andenken des fröhlichen Tages vergönnen möchte , aber der Graf wollte nichts davon hören . » Es sind noch Leute darunter « , sagte er , » die sowohl am Tage unserer Vermählung ,