Schloß mit Leben und Gestalten füllt , macht es uns lieb und wert , hebt über den ersten Eindruck der Nüchternheit hinweg . An dem Maulbeerbaum vorbei treten wir jetzt in die Kirche ein . Wir wählen das Westportal . Der Eindruck besonderer Gefälligkeit , den schon das Äußere übt , er wiederholt sich hier ; die Restaurierung ist pietätvoll zuwege gegangen . Alles Anmutige und Zierliche , alles , was in Form oder Farbe auch das Laienauge angenehm berühren konnte , man ließ es der Kirche und sorgte nur , wie es sein soll , für Luft und Licht , für Raum und Bequemlichkeit . Die nördliche Hälfte des Querschiffs wurde zum » Königsstuhl « , der Raum hinter dem Altar , also der hohe Chor , zu einer Art Kunstkammer hergerichtet . Um diese beiden Punkte drehte sich das Interesse der Kirche . Zuerst der Chor . Mannigfach sind die Geschenke , womit königliche Munifizenz ihn bedachte . Auf engem Raume drängen sich hier die Bilder , meist Jugendarbeiten des trefflichen Wach : » Johannes der Täufer « , » Christus mit Johannes und Matthäus « , » Christus auf Gethsemane « . Das größte und bedeutendste aber , das sich hier findet , ist eine » Grablegung « von Schumann ; die ohnmächtig niedersinkende Maria gilt als vorzugsweise gelungen . – Reich geschmückt , wie dieser Raum hinter dem Altar , ist vor allem auch der Altar selbst ; eine schwere , grüne Damastdecke , mit eingestickten goldenen Kreuzen , deckt den Abendmahlstisch ; Kruzifix und Altarleuchter , größer und reicher , als sie sonst in Dorfkirchen heimisch sind , deuten auf den königlichen Geber ; zu Füßen des Kruzifixes aber liegt die sogenannte Kurfürstenbibel , mit vielen Stichen und Bildern , prächtig gebunden . Der breite Goldschnitt zeigt oben und unten , wie auch in Front , drei zierliche Aquarellbilder : die Taufe , das Abendmahl , die Himmelfahrt , – eine Art der Ornamentierung , der wir hier zum ersten Male begegneten . Es sind Arbeiten ( ihrem Kunstwert nach unsern Porzellanmalereien verwandt ) , wie sie damals in Dresden nach berühmten Poussins und Carraccis gut und mannigfach ausgeführt wurden . Durch eine Balustrade vom Kirchenschiff getrennt ist der » Königsstuhl « . Er hat die Dimensionen eines kleinen Zimmers ; die Herrichtung ist einfach ; an der Westwand erhebt sich , in das Mauerwerk eingelassen , eine durch den Stich mannigfach bekannt gewordene Arbeit Schadows : » Die Apotheose der Königin Luise « . Mehr eigentümlich , als schön . In ihrer Mischung von christlicher und heidnischer Symbolik ist uns die Arbeit kaum noch verständlich , jedenfalls unserem Sinne nicht mehr adäquat . Sie gehört , ihrer Grundanschauung nach , jener wirren Kunstepoche an , wo der große Fritz in Gefahr war , unter die Heiligen versetzt zu werden , wo er im Elysium , mit Sternenkranz und Krückstock angetan , die der Zeitlichkeit entrückten preußischen Helden wie zur Parade empfing . Eine Art Sanssouci auch dort oben . Schadow , sonst von so gutem Geschmack , vergriff sich in diesem Falle , wie uns scheinen will , und die Inschrift eines von einem Engel gehaltenen Schildes gibt Auskunft darüber , wie er sich vergriff . Diese Inschrift lautet : » Hohenzieritz , den 19. Juli 1810 , vertauschte Sie die irdische Krone mit der himmlischen , umgeben von Hoffnung , Liebe , Glaube und Treue , und in tiefe Trauer versinken Brennus und Borussia . « Wir haben hier Kunstmengerei und Religionsmengerei , alles beieinander . Die Verdienste der Arbeit sind nichtsdestoweniger bedeutend , aber sie sind mehr technischer Natur und greifen zum Teil auf das Gebiet der Kunstindustrie hinüber . Die anderweitigen Schätze , die die Paretzer Kirche , weit über diese großen Schildereien hinaus , in ihrer Mitte birgt , sind zwei Erinnerungsstücke , alt und neu , das eine aus der Zeit der kirchlichen , das andere aus der Zeit der politischen Umgestaltung , die dieses Land erfuhr , beinahe dreihundert Jahre liegen dazwischen . Aus dem Jahre 1539 , wie die eingebrannte Jahreszahl zeigt , stammt das Bildnis des heiligen Mauritius , das aus dem Spitzbogen des Chorfensters in die Kirche hinein grüßt ; zu Füßen des alten Schutzpatrons dieser Lande aber steht ein zierlicher , mit Tapisseriebildern versehener Kasten , in dem ein blauseidenes , silbergesticktes Tuch zusammengefaltet liegt . Es ist das Tuch , das Königin Luise bei ihrem letzten Besuch an dieser Stelle trug . Der König , nach ihrem Tode , breitete es , als das Liebste , was er hatte , über den Altartisch , bis es , halb zerfallen in seinem leichten Gewebe , durch den Damast abgelöst wurde , der , mit goldenen griechischen Kreuzen geschmückt , jetzt dieselbe Stelle ziert . Aber in dem Kästchen liegen doch , wie verkörpert , die Erinnerungen dieser Stätte . Der » Tempel Der » Tempel « Die Kirche von Paretz ist ein Platz reicher Erinnerungen , aber Paretz hat der Erinnerungsplätze mehr . Speziell der Erinnerung geweiht ist der » Tempel « . Er befindet sich in einer verschwiegenen Ecke des Parks , wo dieser die Havel berührt , und bildet einen Teil des an dieser Stelle künstlich aufgeworfenen Aussichtshügels , der auf seiner Spitze ein japanisches Häuschen , auf seiner westlichen Seite eine Rokokogrotte und nach Süden hin eben diesen » Tempel « trägt . Dieser Tempel , eine bloße Fassade , die auf halbversunkenen dorischen Säulen ruht und zunächst keinem anderen Zwecke gedient haben mochte , als Schutz gegen Regen und Sonne zu gewähren , scheint von Anfang an ein bevorzugter Platz gewesen zu sein , wie es auch in dem laubenreichsten Garten immer noch eine Lieblingslaube gibt , woran sich Leid und Freud des Hauses knüpfen : der erste Kuß , die stille Verlobung , Abschied und Wiedersehen . Zu solchem Platze wuchs der Tempel heran , und der ziemlich nichtssagende Bau , der bei seiner Anlage nichts gewesen war ,