treffen , wie wir im Gärtnerhause zu Paretz . Ein Morgen kam , wie er nur nach solchem Abend kommt . Die Sonne funkelte wie gebadet , und als die Läden des Schlosses sich wieder öffneten , schoß das Licht hinein und lief wie ein Blitz durch alle Räume . Das Dunstige und Trübselige , das sonst in solchen Räumen zu Hause ist , es war wie ausgefegt ; Licht macht wohnlich , alles schien bereit ; es war , als solle das schöne königliche Paar , das hier vor siebenzig Jahren lebte und lachte , jeden Augenblick wieder seinen Einzug halten . Und wenn es so wäre , sie würden die Stätte ihres Glücks wenig verändert finden . Da sind noch dieselben Tapeten und Wandgemälde , dieselben kissenreichen , mit Zitz überzogenen Sofas und Ottomanen , dieselben gemalten Papageien und Fasanen , dieselben Büsten und Bilder . Bilder wohl tausend an der Zahl , englische Stiche in Nußbaum- und Ebenholzumrahmung , wie sie jeder von uns aus dem Hause der Großeltern oder aus den Gast- und Logierstuben der Landedelleute kennt . Wie diese Gaststuben gemeinhin neben der Rumpelkammer liegen , so sind sie auch , in allem , was Kunst angeht , die Vorbereitung , die Etappe zu ihr . Ein junges Mädchen mit Kaninchen spielend , ein junges Mädchen mit einem Taubenkorb , die Grotte der Egeria , die Kaskaden von Tivoli , so folgen die Blätter aufeinander , abwechselnd in Schwarz- und in Buntfarbendruck , und alle einer Lordship oder Royal Highness respectfully devoted . Tausend Blätter , aber keines von Bedeutung , mit Ausnahme eines einzigen , das durch seinen Gegenstand und seine Schicksale ein gewisses Interesse einflößt . Es ist dies » die Zusammenkunft des preußischen Königspaares und des Kaisers von Rußland in Memel , 1802 . « Der Stich nach diesem Bilde ist allgemein bekannt ; hier befindet sich das Original , eine Arbeit Dählings , in Gouache sauber ausgeführt . Schloß Paretz ist genau der Punkt , wo dieses Bild seine Stelle finden mußte , denn die Personen , die es darstellt , sind recht eigentlich Paretzer Personen , Gestalten , die dem Schloß » Still-im-Land « in der Epoche von 1795 bis 1805 angehörten . Es sind , außer dem Kaiser auf der einen und dem König und der Königin auf der andern Seite , die folgenden : Prinz Wilhelm , Prinz Heinrich , Feldmarschall von Kalckreuth , Hofmarschall von Massow , Gräfin von Voß , General von Köckritz , die Kammerherren von Schilden und von Buch , die Kammerdame von Moltke und der Major von Jagow . Dies Gouachebild Dählings , das auf der Rückseite mit drei verschiedenen Zetteln oder Briefen beklebt ist , denen wir auch diese Notizen entnehmen , war wohl , wenn nicht direkt im Auftrage des Hofes , so doch wenigstens in der Hoffnung angefertigt worden , daß der Hof es erstehen würde ; die Katastrophe von Jena fuhr aber dazwischen und so ging dies Bild , das seinem Gegenstande nach in das Boudoir einer Fürstin oder Oberhofmeisterin gehörte , in kleinbürgerliche Hände über und wechselte mehrfach seine Eigentümer . Bis 1821 besaß es Herr Asner in Berlin , dann kam es nach Schlesien , und der letzte der drei aufgeklebten Briefzettel , womit dann ( 1850 ) die Irrfahrten dieses Bildes schließen , lautet wie folgt : » Der gegenwärtige Eigentümer dieses Bildes ist der königl . Kreisgerichtssekretär und Kanzleidirektor Wilhelm Heinrich aus Glatz , zur Zeit in Breslau , bis 17. August in Berlin . Beim Doktor Stoll in der Charité zu erfragen . « Das Weitere ergibt sich leicht . Der Kanzleidirektor , in richtiger Erkenntnis dessen , was er besaß , bot ein Gemälde , das recht eigentlich ein hohenzollersches Haus- und Familienbild war , dem König Friedrich Wilhelm IV. zum Kauf an und hatte richtig gerechnet . Der König gab dem Bilde seinen Platz : Paretz . Die Räume des Schlosses erlitten geringe Umwandlungen seit 1805 ; ein Zimmer blieb völlig intakt , das Schlafzimmer . Die Himmelbetten stehen noch wie damals ; die Tische und Toiletten , das kleine Klavier , das die Königin selbst benutzte , die Kommoden in den Formen des ersten Kaiserreichs , – alles behauptet noch die alte Stelle ; auch die » Supraporten « blieben , die Genien und Amoretten über der Tür . Noch flattern ihre Bänder , noch streuen sie Rosen , aber die Bänder sind vergilbt und die Rosen sind verwelkt . Selbst das Bild des Glückes konnte die Jugend nicht wahren . Wir treten zurück in den Park . Alles Leben und Licht . Das Einzelne fällt , das Ganze bleibt . Die Kirche Die Kirche Dem Schloß gegenüber , hinter einem uralten Maulbeerbaum halb versteckt , liegt die Kirche , ein weit zurückgehender Bau , dessen Alter bei den vielen Wandlungen , die er durchzumachen hatte , schwer zu bestimmen ist . Dabei stellen wir die letzten Renovierungen , weil diese seinen Stil wenigstens unverändert ließen , nicht einmal mit in Rechnung . Eine letzte gründliche Wandlung erfuhr die Kirche wahrscheinlich verhältnismäßig spät , in Jahren , da der Protestantismus schon die Oberhand im Lande hatte ; – einige Glasbilder tragen die Zahl 1539 . Um eben diese Zeit , so schließen wir , oder doch nicht viel früher , erfolgte die Gotisierung des Baues , der vorher längst vorhanden und , wie alle die zahlreichen Feldsteinkirchen in der Mark , romanisch war . Wie jetzt das Kirchlein sich präsentiert , sticht es jedenfalls sehr vorteilhaft von dem gegenüber gelegenen Schloßbau ab , mit dem es nur das Alleräußerlichste und Gleichgültigste , die gelbe Tünche , gemein hat . Wieviel Anheimelndes in dieser gotischen Formenfülle , in diesem Reichtum von Details , und wieviel Erkältendes in dieser bloß durchfensterten Fläche , die sich nirgends zu einem Ornament erhebt ! Eine indifferente Alltagsschönheit , die den Dünkel hat , keinen Schmuck tragen zu wollen . Erst die Phantasie , die geschichtskundig das