Stirn und wandte sich , ohne aufzublicken , gleichfalls einer der Lauftreppen zu , die aus dem ersten Stock ins Erdgeschoß führten ... Was ist das nur ? sagte sich Terschka und schritt weiter , als müßte er Armgart anreden ... Denn schon , schon faßten ihn die Geister der Versuchung . Eben noch hatten ihn die wenigen Worte Benno ' s über die Urkunde mit furchtbarer Macht an den Augenblick erinnert , wo sein General vor ihm stand und ihm sagte : Fände sich die Urkunde , die für die Antretung der Erbschaft unsere Religion bedingt , so würde sich das ganze Verhältniß ändern , die Gräfin würde durch einen Familienpact den Grafen Hugo heirathen müssen und die Aufgabe für uns würde eine leichtere werden ! Man riefe ihn dann vielleicht - nach Rom zurück ... Aber dieser wie Donnerton auf ihn einbrechenden Gedankenreihe konnte er nicht volles Gehör schenken , die Mittelstufen derselben wankten , Seligkeit und Qual rangen wie im Titanenkampf ... Es zog ihn vorwärts und vorwärts ... Was sollte dieser Abschied von dem jungen Thiebold sagen ? Warum nur stand vor ihm der liebliche Engel so seltsam bewegt ? ... Wie verklärt diese Augen ! Wie ganz dem Bild ihrer Mutter gleichend ! Sie aber noch die wirkliche Jugend , das wirklich blühende Leben - kein Silberschnee des Haares , der die Jugend Lügen strafte ... Und Terschka ' s Abenteurernatur wurde entfesselter . Losgebunden regte sich die Seele des Emporkömmlings , der sich an alles hält , was ihn erheben und fortreißen kann . Eine der Krallen des apokalyptischen Thieres nach der andern , der » Probabilismus « und die siebenköpfige jesuitische Moral des : » Besser ist besser ! « packte ihn in furchtbarster Gewalt ... Taumelnd folgte er ... Er kam an das Ende des Ganges , der , da das Schloß im Geviert gebaut war , hier nur der Anfang eines im rechten Winkel sich einsetzenden neuen war ... Hier sah er , daß Armgart ein in den Hof gehendes Fenster geöffnet hatte und hinunterwinkte ... Dem ihm zunächstliegenden Fenster sein Auge zuwendend sah er , daß es nun auch Benno war , den sie mit schwacher , erstickter Stimme anrief ... Benno unten verstand sie nicht sofort ... Nun winkte sie ihm heraufzukommen ... Benno eilte auf die erste der kleinen Treppen , die in den Hof gingen ... Terschka zog sich zurück ... Offenbar , sagte er sich , hat sie mit de Jonge eben eine Scene gehabt , die sie mit Asselyn ganz ebenso wiederholen will ... Schon war Benno oben , schon hatte er dessen zwar leicht , aber doch ohne Zweifel tieferbebend Armgart dargebrachten Morgengruß vernommen ... Armgart erwiderte nichts ... Terschka hörte nur das Klappen einer Thür ... Er trat dann wieder vor ... Armgart und Benno waren verschwunden ... Das Zimmer , in das sie hatten gehen müssen , kannte er . Es war dasselbe , in dem neulich Bonaventura seine Mutter wiedergesehen . Nichts hielt ihn , am wenigsten die Moral seiner Bildung und Erziehung , zu versuchen , das Gespräch Benno ' s und Armgart ' s zu belauschen ... Die Schlüssel der Zimmer standen ihm zu Gebote . Mit wenig Sprüngen war er beim Onkel Levinus , schützte das Interesse an einem alten Stammbaum vor , der in einem großen Speisesaal hing , nahm die Schlüssel von der Wand , schloß etwa fünf bis sechs Thüren entfernt von der , hinter welcher jenes Gespräch stattfand , einen Saal auf , schloß wieder hinter sich zu und ging vorsichtig und langsam durch die entweder offen stehenden oder nur leise aufzuklinkenden Verbindungsthüren hindurch bis zu dem Nebenzimmer des Fremdenstübchens ... Auch dort trennte ihn von dem Gespräch nur eine Thür , an die er sein Ohr legte ... Es war kalt und schauerlich still in allen diesen alterthümlichen Räumen , von denen einige mit großer Pracht ausgestattet waren ... Ihn kümmerte nichts ... Er horchte nur ... Fußnoten 1 Wenn es ihm in seiner äußeren Lage gerade schlecht geht . 2 Auch aus den Schlechtigkeiten selbst heraus entwickelt sich manchmal ein guter Anlaß zur Bekehrung . 12. Schon tief in seinen Erörterungen mußte das junge Paar vorgerückt sein . Dennoch staunte Terschka , eine scheinbar so ruhige Conversation zu vernehmen ... Nein , nein , sagte Armgart mit so leiser Stimme , daß auch nur Sein feines Gehör geschickt war folgen zu können - nein , nein , wissen Sie wol , lieber Freund , damals in Lindenwerth , als Sie uns zum ersten male besucht hatten ? Es war ein Frühlingstag . Die Syringen blühten , die Nachtigall sang . Das Pensionat wanderte in die Sieben Berge . Sie , Asselyn , gingen mit uns und als wir in eine Schlucht kamen , die sich so wunderschön öffnete , ganz grün war sie und verlor sich dann in Felder mit goldenen Repssaaten - da hieß es , dies Thal wäre die Aue - und da sagten Sie blos : Hartmann von der Aue ! ... Wer ist das ? fragte ich ... Ein Minnesänger ! sagten Sie und setzten hinzu : Kennen Sie das Gedicht vom armen Heinrich nicht - ? Eine Pause trat ein ... Benno schien sich zu besinnen ... Vom armen Benno ! sagt ' ich wol - warf er leise und bedeutungsvoll ein ... Nein , nein , erwiderte Armgart , diesem Tone ausweichend , vom armen Heinrich , dem zu Liebe sich einst eine fromme Jungfrau geopfert hätte ... Sie wollten ' s mir erzählen und die dummen Mädchen kamen dazwischen mit ihren Eseln - wissen Sie noch , sie wollten sämmtlich Esel reiten und die Steigbügel waren zu lang - ? Werden Sie denn morgen mit bei der Jagd sein ? unterbrach Benno , der noch nicht zu ahnen schien , was Armgart Ernstes mit ihm vorhatte ... Ich weiß es nicht ! antwortete sie . Die Tante sieht soviel Gefahren ... Auch ist Paula heute