, sondern zur Ausdehnung ihrer ganzen überströmenden Natur großer Räumlichkeiten . Diener und Wagen hatte sie mitgebracht , aber diesen » Train « jetzt noch weit über den Bedarf vermehrt . Jede Woche mußten Gärtner die Zimmer mit neuen Blumen schmücken . Ihr Empfangsalon war ein kleiner Dahlien-Flor . Was sie bei Wanderungen durch die Magazine , selbst bei einer flüchtigen Vorüberfahrt an den glänzenden Schaufenstern der Hauptstraßen nur an Vasen , Porzellan , Kunstwerken , Bronzesachen Gefälliges entdeckte , mußte , wenn sie sich davon einen Effect versprach , sogleich , ganz nach Goethe ' s Theorie vom Besitze des Schönen , angekauft und in ihren Zimmern aufgestellt werden . Wie sie denn in Allem das Weib des unmittelbaren Instinctes schien , die lebendiggewordene Unruhe und Beweglichkeit des nur durch die Liebe aufrechtgehaltenen Frauensinnes , so mußte sie , was ihr gefiel , besitzen , was sie dachte , aussprechen , was ihr in den Sinn kam , vollenden . Eine Entsagung ohne sofortigen Ersatz würde ihr die größte Qual gewesen sein . In den sechs Wochen , daß Egon krank war , von Andern gehütet , ihrer Sorge vorenthalten wurde , litt sie unsäglich . Sie hatte das nimmerrastende Bedürfniß der Aufopferung . Sie wäre im Stande gewesen , wie eine in Lohn verdingte Krankenwärterin Egon zu pflegen . Der Mann , der sie erfüllte , war ihr die ganze Welt . Wie konnte sie leben , ohne seinen Athem zu hören , ohne sich in seinen Augen zu spiegeln , selbst wenn diese vom Fieberwahn umschleiert wären und sie nicht erkannt hätten ! Von dem Abend an , wo sie bei ihrer Ankunft in später Nacht vor Egon ' s Fenstern hielt und zu ihnen wie eine Verstoßene sehnsüchtig hinaufblickte und bitter weinte , ruhte sie nicht , sich dem Freunde bemerklich zu machen . Erst als sie erfuhr , daß er ganz krank , dann völlig bewußtlos war , unterließ sie diese nächtlichen Aufblicke zu seinen Fenstern . Aber Blumen schickte sie , Erkundigungen zog sie ein , setzte sich mit der dienenden Umgebung , mit den Ärzten in Verbindung . Sie litt peinliche Tage , in denen sie nur von Paulinen , die durch Amanden ' s Memoiren wieder Kraft und Fassung errungen hatte , aufrecht erhalten , getröstet wurde . Wie viel Thränen weinte sie an der Brust dieser Freundin , die sich für mitfühlend erklärte , aber ihren Schmerz nur studirte , wie der Künstler an der Armuth vorübergeht , ihr Almosen spendet , aber seiner Phantasie auch die Geberden des Hungers einprägt . Pauline gab sich ganz auf die » großen Gefühle « ihrer jungen Freundin gestimmt ; aber Helene mit ihrem überflutenden , liebesiechen Herzen , war ihr doch nur eine Studie jener Autorschaft , an die sie zuweilen zurückdachte , seit sie durch Guido Stromer , den vacirenden Pfarrer von Hohenberg , den entpuppten Schmetterling der schönen Phrase und des irren , von Allem geblendeten Idealismus , wieder in literarische Beziehungen kam ! Helene , im Jammer um Egon , erkannte Niemanden mehr , der bei Paulinen verkehrte . Ein Blick des Schmerzes und sie wandte sich jeder Begegnung ab . Nur Melanie blieb ihr von dem ersten Abend her in Erinnerung als ein » schönes Mädchen « . Als » schöner Mann « hätte sie Heinrichson fesseln dürfen ; allein sie erbat sich nur die Unterstützung seiner kunstgewandten Hand , um Erinnerungsblätter an ihre Egon-Liebe , die sie zeichnete , an ihren egoistischen Egonismus , wie der witzhaschende Heinrichson dies Verhältniß nannte , zu einer größern Vollendung zu bringen . Kümmerte sich Helene während dieser Trauerwochen um Niemanden , als wer sie aufsuchte , verschloß sie sich jeder Beziehung zu ihrer Schwester Adele Wäsämskoi , die sie ihres kleinen und engen Herzens wegen verachtete , zu Rudhard , der ihr ein lästiger , gefühlstrockener Pedant war , so mußte es auffallen , daß sie Sylvester Rafflard nicht gleich das erste mal , daß er sich bei ihr melden ließ , abwies . Helene glaubte sonst keinen größern Feind zu haben ! Von Osteggen , dem Gute ihrer Ältern , war dieser Rafflard plötzlich entlassen worden ; in Genf hatte er Ursache , Egon zu hassen , den er später zu Paris in ihren Armen wiedersah . Die alte Gräfin d ' Azimont , Helenen ' s Schwiegermutter , mit ihrem Ehrgeize und ihrer weltverachtenden Bigoterie , hatte die Wahl ihres Sohnes schon damals gemisbilligt , als Graf Desiré am Schwarzen Meere in Helenen eine Protestantin wählte . Welche Clauseln wurden nicht alle in dem mit Paris über Berlin und Petersburg verhandelten Ehecontracte erfunden , um den Folgen dieses Misverhältnisses vorzubeugen ! Anfangs nahm die strenge Bewohnerin des Faubourg St.-Germain ihre Tochter mit gnädiger Herablassung auf , bald aber zeigte sich , daß die alte jesuitische Klassizität der Mutter mit der romantischen Ketzerei der Tochter sich nicht vereinigen ließ . Welche Cirkel suchte Helene auf ! Welche Menschen fand sie interessant ! Wie verworren sah es in ihrem Salon aus ! Der » Horreur « , den die Mutter durchweg vor der Tochter empfand , steigerte sich , als Helene die Rücksichten auf ihren kränkelnden , blasirten , überbequemen Gatten völlig aus den Augen ließ und sich mit ihm sogar auf eine Art Freundschaft , auf den Fuß einer gegenseitigen Schonung und Duldung setzte ! Der Graf wurde der Vertraute seiner Gattin . Er mußte sorgen , helfen , vermitteln , wenn ihr Herz litt . Und er gab sich dazu mit der ganzen modernen Philosophie , die Sitte und Gesetz auf den Kopf stellt und das Herz zum Gott , dessen Eingebungen zur Offenbarung macht , bereitwilligst her , zum großen Unmuth der Mutter , die diese neuromantische Ehe mit keinen Kindern gesegnet sah . Durch Zufall war der Neophyt Sylvester Rafflard der alten Gräfin nähergekommen und der Vertraute ihrer Wünsche geworden . Die alte Dame hatte immer einen solchen zuverlässigen Hausfreund nöthig gehabt und hielt sehr treu zu