an ihm war , behüten , oder ihr bei einer solchen doch mindestens zur Seite stehen zu müssen . Es lag daher auch wenig Ermuthigendes in seinem Tone , als er den Freiherrn fragte , welchem Zufalle man die Ehre seines Besuches zu verdanken habe . Auf Paul zu treffen , wo er darauf gerechnet hatte , Seba allein zu finden , war dem Freiherrn nicht willkommen ; aber er überwand sich , weil die Nothwendigkeit ihn dazu zwang , und ohne auf eine Entschuldigung zu sinnen , sagte er mit der Sicherheit derjenigen , welche es gewohnt sind , für sich um ihrer Stellung und ihrer Persönlichkeit willen schließlich doch immer eine gute Aufnahme zu finden : Sie haben ein Recht , diese Frage in solchem Tone an mich zu richten , und ich würde , ehe ich es gewagt hätte , Fräulein Flies nach einer so langen Versäumniß aufzusuchen , mich sicherlich vor ihr zu rechtfertigen getrachtet haben , wäre der Anlaß , der mich heute , der mich eben jetzt nöthigte und trieb , mich an Fräulein Flies zu wenden , nicht ein plötzlich eingetretener , und hätte ich Zeit , an etwas Anderes zu denken , als an die Hülfe , die ich von ihr für eine Unglückliche zu fordern gekommen bin ! Seba hatte ihn genöthigt , sich niederzusetzen , und den Faden seiner Mittheilungen wieder aufnehmend , sagte er : Sie werden Sich , ich weiß es , wundern , daß ich mich eben an Sie wende ... Nein , Herr Major , fiel Seba ihm mit ihrer sanften Würde in die Rede , o nein ! Sie sind nicht der Erste meiner Freunde , der mich versäumte und mir wiederkam , der mich in seinem Glücke vergaß und sich an mich erinnerte , wenn er mich brauchte . Ich habe dies , fügte sie mit einem Lächeln hinzu , das sie noch immer sehr schön erscheinen ließ , ich habe dies aber immer als mein besonderes Adelsdiplom betrachtet , und Ihr heutiger Besuch , Ihr Anspruch an mich sind mir eine Bestätigung desselben . Seien Sie also willkommen - - sie hielt ihm ihre Hand hin - in der That willkommen , Herr Major ! Und nun , was wünschen Sie von mir ? Renatus küßte ihr die Hand , die sie ihm dargeboten hatte ; aber das Roth der Scham trat ihm auf die Stirne , denn Paul war Zeuge der freundlich vornehmen Verzeihung , mit der sie ihren einstigen Freund behandelte , der Gnade , welche Seba ihm angedeihen ließ . Indeß Renatus mußte dies zu vergessen , sich darüber fortzusetzen suchen , und Seba und Paul erleichterten , nachdem die Erstere sich die ihrer würdige , aber unerläßliche Genugthuung bereitet hatte , ihm dies beide durch ihre Fragen und durch die Art , in welcher sie seiner Mittheilung ihr Ohr liehen . So schnell , so gedrängt und so schonend , als es nur möglich war , suchte Renatus sie von den Verhältnissen der Gräfin , von dem , was er selber mit ihr erlebt hatte , in Kenntniß zu setzen . Er hatte dabei seiner Verheirathung , er hatte Cäcilien ' s wie Vittoria ' s zu gedenken , und von dem Eifer seiner Mittheilungen fortgerissen , sagte er : Sie werden meine Stiefmutter , Sie werden meine Frau ja kennen lernen . Keiner von beiden , ich darf das zuversichtlich sagen , würde der gute Wille fehlen , der Gräfin beizustehen , aber der gute Wille ersetzt die Kraft , die Einsicht , die Erfahrung nicht . Sie sind meiner theuren Mutter einst ein solcher Trost gewesen - nehmen Sie Sich der Gräfin Haughton an . Seba antwortete ihm nicht gleich , als er geendet hatte ; das beunruhigte ihn . Sie zögern ? fragte er . Sie wollen oder Sie können ihr nicht beistehen ? Ich sinne nur darüber nach , entgegnete ihm Seba mit jener Einfachheit , deren nur die höchste Bildung und die höchste Güte fähig machen , ich sinne nur darüber nach , wie ich es anfange , gleich jetzt mit Ihnen zu Ihrer Kranken hinzufahren . Sie sagen mir , daß Sie nach Hause müssen , um Frau von Arten nicht zu beunruhigen , und ich habe für den Nachmittag eine andere Verabredung getroffen . Das ist leicht zu ändern , bedeutete ihr Paul , der gewohnt , das Steuer zu führen , es unwillkürlich und überall , bei kleinen wie bei großen Anlässen ergriff ; und die Schelle ziehend , befahl er dem Diener , daß man anspannen , schnell anspannen , und ihm aus dem Comptoir einen Boten senden solle . Dann schlug er dem Freiherrn vor , die Baronin durch ein paar Zeilen über sein Ausbleiben zu beruhigen ; er selber übernahm es , Seba von ihrer genommenen Abrede zu befreien , und während diese sich entfernte , um sich anzukleiden und Davide von ihrem Ausgehen zu benachrichtigen , blieben Paul und Renatus in Seba ' s Wohnzimmer zurück . Die zwei Worte an die Baronin von Arten waren schnell geschrieben , der Bote damit fortgeschickt , und Renatus ward es nun mit einer peinlichen Empfindung inne , daß er sich mit Paul allein befand . Indeß auch jetzt wieder kam der Letztere ihm zu Hülfe . Wie nannten Sie den Namen der jungen Gräfin ? fragte er , um eine Unterhaltung einzuleiten . Ich mochte Sie vorhin in Ihrer Mittheilung nicht unterbrechen und habe ihn nicht verstanden . Gräfin Eleonore Haughton ! antwortete der Freiherr . Paul besann sich . Den Namen habe ich schon gehört , meinte er ; und plötzlich sich erinnernd , sagte er : Irre ich nicht , so ist die Gräfin bei unserm Hause accreditirt und uns in dem Creditive warm empfohlen ; aber ich vermuthete in jener uns zugewiesenen Dame natürlich keine junge Frau , noch weniger ein junges Mädchen , und darum fiel mir der Name nicht gleich am Anfange auf .