der Person zu opfern , untergräbt es selbst das vielgepredigte Rechtsbewußtsein im Volk , entkleidet seine Aemter und Auszeichnungen des Nimbus , und das Gewissen des Volkes fällt uns in die Hände . - Vorläufig aber müssen wir uns der Macht des Augenblicks fügen und ich bitte Sie daher , daß Sie mich in einer nicht auffallenden Weise mit Ihrem Begleiter bekannt machen und in ' s Gespräch bringen . Das wird vorläufig jenen irritiren und uns vor Belästigungen oder Nachfragen sichern . « Der Gesandtschafts-Cavalier hatte sich eben wieder nach dem kleinen Intermezzo zu seinem Begleiter gewendet , der ihm rasch den Gefährten als seinen Banquier und Geschäftsführer vorstellte und beide in ein Gespräch verwickelte . » Mon Dieu ! Diese Leute scheinen mir alle den Kopf verloren zu haben über die gestrigen und heutigen höchst unzuverlässigen Nachrichten , « sagte der junge Diplomat . » Wer wird einer türkischen Depesche glauben und noch dazu einem bloßen Gerücht ! Aber überall , wo man sich hinkehrt , hört man von Nichts als von diesem merkwürdigen Tataren und der Schiffernachricht . « » Ich bitte Sie , Baron , « flüsterte der Graf , » stören Sie die Leute nicht in ihrem Glauben . Die erste Regel in der Diplomatie ist , keine eigene Meinung zu haben . Wir sind hier , um uns an diesem Treiben zu amüsiren und zu belehren , und da kommt auch unser gefälliger Cicerone zurück . « Ein Blick verständigte den Abbé mit dem Courtier , daß die Geschäfte im vollen Gange . Der Attaché wollte die Gelegenheit nicht vorbeigehen lassen , sich über preußische Verhältnisse zu unterrichten . - » Ich habe gehört , daß Ihrem Hypothekenwesen jetzt in gefährdender Weise die Kapitalien entzogen und der Speculation zugewendet werden , « sagte er . » Auf meinen Gängen durch die Straßen bemerkte ich , daß sich die Zahl Ihrer Banquiers bedeutend vermehrt ! « Der Courtier verzog den Mund . » Wer ist heutzutage nicht Banquier ? « Nicht Jedermann ist so bescheiden , wie die hübsche kleine Frau eines dicken Freundes von mir , die , vor Kurzem bei ihren Verwandten in Schlesien zum Besuch , von diesen in einem Kaffeeklatsch als Frau Banquier Langsam aus Berlin vorgestellt wurde und zum Entsetzen der Familie spöttisch berichtigte : » Mit Erlaubniß , wir machen vor der Hand blos kleinen Wucher ! « - Der Baron lachte . » Was die Zahl dieser sogenannten Banquiers betrifft , « fuhr der Courtier fort , » so vermehrt sie sich allerdings , wie die Fliegen , und geht unter dieser Firma frei aus vor der Staatsanwaltschaft . Denn alle Geschäfte dieser kleinen Meute des Geldmarkts gehörten eigentlich vor deren Forum . « » Wie das ? « » Es ist leicht erklärt . Jeder angehende Handelsagent , der ein Bischen Witz und Credit hat und die Anfertigung einer eleganten Firma nebst einer Pränumerandomiethe in einer noblen Verkehrsstraße bezahlen kann , etablirt sich jetzt als Banquier , sucht Bekanntschaften und offerirt seine Dienste zu Geldgeschäften . Bei der Art , wie sie diese Geschäfte dem Publikum gegenüber ausbeuten , müssen diese Leute sämtlich reich werden , wenn sie eben nicht wieder auf eigene Hand speculirten . Ich will Ihnen einmal vorrechnen , wie das Publikum von den Banquiers in die Scheere genommen wird . Ein Besitzer , der kaufen oder verkaufen will , giebt z.B. einem Banquier den Auftrag , 6000 Thaler Berlin-Hamburger Actien ihm zu verkaufen . Der Banquier berechnet dafür an erlaubten Vortheilen zunächst halbe Courtage für den Makler , während er wahrscheinlich das Geschäft selbst gemacht hat , daß heißt 1 / 2 per mille , also hier 3 Thaler , Provision für die Besorgung 1 / 6 Prozent , also hier 10 Thaler . Sie werden mir zugeben , daß 13 Thaler für ein ganz kleines müheloses Geschäft schon ein recht hübscher Verdienst wären . Aber man ist weit entfernt davon , sich damit zu begnügen ! Es gilt , den Committenten nach dem Kunstausdruck zu schneiden , und das geschieht in folgender Weise . Der Agent schlägt die Papiere an der Börse für 1091 / 2 los und berechnet seinem Auftraggeber 109 , höchstens 1091 / 4 dafür , vielleicht auch gar nur , wenn ' s ihm bei den Notirungen glückt , 1081 / 2. Das ist demnach ein kleiner Extraprofit von 15 , 30 oder 60 Thalern bei dem einzigen unbedeutenden Geschäft , ohne das geringste Risiko , und im Grunde doch nichts Anderes als Betrug . « » Aber kann derselbe nicht nachgewiesen werden ? « » Das ist fast unmöglich . Sie werden bereits bemerkt haben , daß zu gewissen Personen hier fortwährend die Leute sich herandrängen und ihnen eifrig zusprechen . Es sind dies die vereideten Makler , welche die Course zu notiren haben , oder die Börsen-Berichterstatter der Zeitungen . Diesen Personen , wenn sie nicht selbst betheiligt sind , was bei der Presse sehr häufig der Fall ist , weiß man auf alle mögliche Weise die Notirungen nach dem eigenen Vortheil aufzudrängen . Man sagt ihnen , hier hab ' ich eben zu dem und dem Cours gekauft oder verkauft , und auf ein Vierteloder ein halb Prozent ist die Sache oft gar nicht zu unterscheiden . Deshalb auch finden Sie erstens in den öffentlichen Notirungen die bezahlten Course oft in verschiedenen Steigerungen notirt , und in den fünf oder sechs Courszetteln , die hier an der Börse herauskommen und zum Theil auf diese Spekulation gegründet sind , die Course sehr häufig ganz verschieden angegeben . Der Banquier hält nun die sämtlichen Courszettel , vielleicht von jedem ein Dutzend im Abonnement , er sucht sich für das bezeichnete Geschäft gerade den Courszettel heraus , der ihm zum Schneiden am vortheilhaftesten paßt , legt ihn bei der Berechnung seinem Committenten bei , und dieser schwört noch darauf , wie solide der Mann ihn behandelt , während er schändlich über ' s Ohr gehauen ist . Das