des allmächtigen Staatskanzlers , eine Lust am Verbotenen und Versagten bis in die höchsten Kreise hinauf , ja bis in die der Unterdrücker selbst , die heimlich mit dem liebäugelten , was sie öffentlich verfolgten . Wie konnte er gegen die Mode des Tags Einspruch thun ? Er scherzte mit den andern , lachte mit den Spöttern , vertheidigte nichts , was zumal , wär ' es gerade von ihm festgehalten worden , über seine wahre Lebensstellung hätte Verdacht erwecken können . Doch nicht ungestraft wandelst du unter den Palmen ! Du lernst die süße Luft der Freiheit lieb gewinnen ! Die erquickenden Schatten laden dich zum traulichen Hüttenbauen ein ! ... Terschka kämpfte mit sich , ob er die Fessel , die ihn hielt , nicht einst brechen , seinem Freund und der von ihm hochverehrten ehrwürdigen Mutter desselben ganz und für immer sich offenbaren sollte . Die Bekanntschaft der » Frau in silbernen Locken « vermehrte bis zur Unwiderstehlichkeit in seiner Brust den Drang , diesen Entschluß zu ergreifen . Die Liebe als reine , geläuterte Flamme des Herzens kannte er nicht . Er war ein Wildling gewesen , ein Wanderer der Heide , ein Gaukler , ein Zigeuner . Je schreckhafter er auf das zurückblickte , was er einst war , je gewissensbanger er an seine unwiderruflichen Gelübde dachte , desto ungestümer wuchs sein Verlangen , in allem und jedem das reinigende Feuer der Bildung auf sich wirken zu lassen und die Schlacken der Seele von sich zu werfen . Gerade Monika ' s religiöser Freimuth durfte ihn fesseln . Frauen von Geist und Grazie kannte er genug , Allen war er werth ; seine immer gleiche Weise war jeder weiblichen Natur willkommen , besonders da , wo sie im Mann vorzugsweise nur einen Ableiter ihrer Laune zu haben wünscht . Monika ' s Geist aber war positiv . Sie hatte Ueberzeugungen und konnte Partei ergreifen . Die Menschen sind so dumm , so dumm ! Mit einem Zorn konnte sie das ausrufen , daß ihre Augen Funken sprühten . Terschka hatte nur immer zu beruhigen und in die Bahn des Hergebrachten zu lenken . » Sie sind der ewige Leimer und Versöhner ! « sagte sie dann wol . » Sie vermählen den Großtürken mit der Republik Venedig ! Was wäre die Welt geworden , hätte es nicht Frauen von Gesinnung gegeben ! Perikles lernte Reden erst halten von Aspasien ! Die Kraft der Römer lag in ihren Gattinnen und Müttern ! Die Frauen haben das Mittelalter vor dem Uebermaß der Barbarei bewahrt ! An jeden großen Namen des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts knüpft sich eine Frau , die für ihn kämpfte , mit ihm litt , seinen wankenden Muth befeuerte ! Napoleon herrschte noch heute , wenn er einer Frau von Geist , vielleicht der Staël , die ihn liebte - sie haßte ihn wenigstens nur aus Liebe - hätte vergeben können , daß sie häßlich war ! « Graf Hugo sagte eines Tages in seiner trockenen und einfachen Art : » Das vergibt sich schon , meine gnädige Frau , wenn man nur eine solche häßliche Frau nicht dann auch sogleich wiederlieben soll ! « Die Mutter fand den Beruf der Frauen für große Eingriffe ins Leben vollkommen bewiesen durch die Schrift . Sie pries nicht die immerhin etwas zweideutige That der Judith , wol aber die der Deborah , die alles Volk zum Kampfe wider Sissera auffoderte , ja jene Jaël sogar , die dem Sissera , als er schlief , einen Nagel durch den Kopf trieb ; nur hätten diese Frauen alle dabei Gott die Ehre gegeben , was man von den atheistischen Gönnerinnen der » Herren Rousseau und Voltaire « nicht sagen könne . » Chère maman « , sagte Graf Hugo scherzend und voll Artigkeit den Dampf seiner Cigarre zum offen stehenden Fenster hinausblasend , » il y en a encore beaucoup de femmes , die uns den Kopf - vernageln ! Mais , chère maman , - sie müssen hübsch sein ! « Terschka vermittelte und kam auf Napoleon zurück , auf Josephine Beauharnais , auf die Liebe eines einfachen und rein - weiblichen Weibes - » Pah « , sagte Monika , » Josephine Beauharnais war empfindlerisch und verstand sich nur in türkische Shawls zu drapiren ! « Hätte Terschka , den Schwur vergessend , der ihn gefangen hielt , die Liebe Monika ' s gewinnen können , er würde sich zu allem entschlossen haben , was zur vollständigen Erreichung seines Glücks gehört hätte . Traten Beide zur Confession der Gräfin Erdmuthe , ihrer Gönnerin , über , so war ihre Verbindung möglich . Aber Monika vermied seine Bewerbung . Sie verstand sie nicht oder gab sich den Schein , sie nicht zu verstehen . Sie wich den Beweisen seiner Gefälligkeit aus . Es gab etwas , was sie von ihm zurückschreckte . Nur die stete Rückkehr der Gräfin auf ein gewisses , wenn auch nur angedeutetes und erst kurz wieder vor ihrer Reise nach England offen behandeltes Kapitel fing an sie zu beunruhigen . Sie floh vor einer Aufregung ihres Innern , die ihr unheimlich wurde ; sie floh der Gefahr entgegen , Armgart in die Gewalt ihres aus Amerika zurückgekehrten Gatten übergeben zu sehen . Terschka folgte . Er folgte sogar in der Absicht , Kocher am Fall zu besuchen . Er wollte diesen vielbesprochenen , noch in räthselhafte Nebel und Schleier gehüllten Ulrich von Hülleshoven kennen lernen . Aber die Erbschaftsfrage rief ihn zu bald nach Witoborn . Hier lebte er jetzt seit einem halben Jahre , in dem ganzen , äußerlich mit bewunderungswürdiger Virtuosität verdeckten Zwiespalt seines zerrissenen Innern , in der steten Angst vor einer Mahnung aus Rom , im Kampf mit Entschließungen , die dann für ein ganzes Leben gelten mußten . Und wie war er jetzt so nahe gerückt allen maßgebenden Momenten seiner Vergangenheit ; seiner nächsten in der außerordentlichen Katholicität der Gegend - seiner entferntesten in den plötzlichen Entdeckungen ,