werden ! Gute Nacht ! Die Geheimräthin wiederholte lächelnd : Auf die für mich angenehmere Gefahr hin ... sogar mein Sklave zu sein ! Gute Nacht ! Der Prinz verschwand . Bald hörte man Flüstern von Stimmen vor dem Stacket , das Übersteigen seiner ungeduldigen Freunde , das Bellen angeketteter Hunde , das Sprechen , sich Verständigen Egon ' s mit den Freunden , Lachen , Spotten , zuletzt das Rollen seines Wagens im feuchten , knirschenden Kieselsande ... O , sagte die Ludmer , die erst eintrat , als der Wagen nicht mehr hörbar war , welche Scene ! Welche Verblendung , Pauline ! Welche Geständnisse ! Welche Gefahren ! Das Haus war umringt ! Wir müssen in die Stadt ziehen . Man könnte uns hier ermorden ... Laß mich , antwortete Pauline und sank erschöpft auf eine Ottomane . Nach einer Weile fügte sie hinzu : Nie traf es sich , daß ich Egon sah . Als ich den ersten Blick auf ihn geworfen hatte ... o Gott ! Welche Erinnerungen ! Mehr vermochte sie nicht hervorzubringen . Die Ludmer verstand , was sie sagen wollte und versuchte sie auf andre Gedanken zu bringen . Ich riegelte zu , als ich Franz kommen hörte , sagte sie . Er war bei Augusten und hat mir Schreckliches erzählt . Er kam dort gerade zur rechten Zeit ... Ehe das Mädchen am gebrochenen Herzen starb , aus Verzweiflung , sich von einem Ehrenmanne verschmäht zu sehen ? sagte Pauline mit einem Ausdruck , der die ganze Schwere der Gedanken bezeichnete , die auf ihrer Brust lasteten und ihr jetzt wirklich etwas Prophetisches gab . Ehe sie in ' s Narrenhaus gebracht wurde ! sagte die Ludmer ruhig . Großer Gott ! rief Pauline theilnehmend . Charlotte , Charlotte ! Wie ruhig du Das sagen kannst ! Die Ludmer erzählte , wie Franz gekommen wäre , hätte er schon im Hause gehört , daß vorgestern Abend der Fremde , mit dem Auguste seitdem oft ausgegangen wäre , sehr laut und heftig gezankt und dann sich entfernt hätte . Oben hätte Franz den sogenannten Engländer mit der schwarzen Binde gefunden , um Augusten , die auf dem Bette lag , beschäftigt . Der Engländer wäre sehr ergrimmt gegen Franz gewesen . Auguste hätte aber Franzen nicht gekannt . Franz wäre so gescheut gewesen , sich für einen Andern als Den auszugeben , der sie mit Mangold bekannt gemacht hätte . Als Mangold vorgestern gegangen wäre , erfuhr Franz , hätte Auguste nicht ein Wort gesagt , sondern in einem todähnlichen Starrkrampfe dagelegen , bis nächsten Morgen . Murray wäre nicht von ihrem Bett gewichen . Am Morgen wäre sie etwas aufgestanden und hätte in aller Stille das Fenster geöffnet , um sich , ohne einen Laut von sich zu geben , auf den Hof zu werfen . Murray , von dem plötzlichen Gedanken , den Niemand geahnt hätte , überrascht , hätte sie mit Riesenkraft ergriffen und zurückgehalten . Dann lag sie , erzählte Franz , bis zum Abend wieder im Starrkrampfe . Endlich hätte sie Speisen genommen und einige Worte , aber verworren , gesprochen ; sie hätte fortgewollt , man hätte sie gehalten . Murray verließ sie keinen Augenblick . Man hätte den Arzt gerufen und dieser eine Beruhigung verschrieben , nach der sie einschlief . Seit heute früh spräche sie still , aber verwirrt , dann hätte sie geweint , sich gesammelt , aber den ganzen Abend wäre sie so gefährlich irr gewesen , daß man sich hätte entschließen müssen , sie in das Narrenhaus zu schaffen . Franz wäre gerade angekommen , als man einen Wagen holte und Murray sie mit schönen kostbaren Kleidern , die er irgendwo hätte holen lassen , mit Gold und Silber putzte , in einen Fiaker schaffte und sie selbst begleitete . Er hätte ihr gesagt : Es ginge auf den Fortunaball ! Da hätte sie gelacht und mit der Zunge geschnalzt , als ging ' es zum Tanze . Ihre Kleider musterte sie lachend im Spiegel , alle die Ringe , die Brochen , die Armbänder , die sie plötzlich vor Wochen trug , wären zum Vorschein gekommen und so wäre sie lachend und als ging ' es zum Ball oder zu einer Hochzeit mit Murray in ' s Irrenhaus gefahren . Franz , schloß die Ludmer , hat mir die Geschichte so erzählt , daß es mich selbst kalt überlief ... und nun hier diese Scene noch , dieser Überfall wie von Räubern und Mördern ! Du bist schauerlich , Charlotte , sagte Pauline entsetzt ... Gute Nacht , Charlotte ! Es ist erst neun Uhr , bemerkte die Ludmer . Ich gehe zu Bett ! Gute Nacht , Charlotte ! Die Ludmer kannte gewisse determinirte Stimmungen ihrer Herrin . Sie versparte alle Erörterungen auf morgen und fragte , ob sie das Kammermädchen rufen sollte . Pauline schüttelte den Kopf . Die Ludmer , die jetzt mit einem male die lästige Nichte losgeworden war , mit einem male auch die Spannung zu dem Prinzen Egon sich lösen sah , ging ziemlich erleichtert zu Franz zurück , der ihr das Vorgefallene wiederholt erzählen sollte ... Pauline riegelte sich ein , entkleidete sich rasch und warf sich erschöpft auf ihr Lager . Als sie im Dunkeln war , trat ihr im Halbschlafe Egon ' s Gestalt entgegen . Sie seufzte auf und hätte ihn an ' s Herz ziehen mögen , weil er ihr Erinnerungen wachrief , die zu ihren theuersten und schmerzlichsten gehörten . Ihr unruhiges Blut ließ sie nicht schlafen . Sie mußte aufstehen , wieder Licht machen . Zuviel , zuviel der Vergangenheit trat ihr gespenstisch entgegen ! Es war ihr , als wenn die alten Brustkrämpfe wiederkämen . Röchelnd erhob sie sich , als läge ein Alp auf ihr . Sie wollte klingeln ... unterließ es aber , da sie hörte , daß man noch im Hause wachte . Der Geheimrath kam aus dem Theater . Sie hörte sogar