ich diese Denkwürdigkeiten vernichtet hätte ? Das haben Sie nicht ! Nein , nein ! Oder doch ? Doch ? Die großherzige Liebe meiner Mutter beschämte Sie ? Sie vernichteten ein Denkmal Ihrer Scham , Ihres Neides ? Sprechen Sie ! Die Blätter existiren . Aber sie sollen , Sie dürfen sie nicht lesen ! Welche Ausflüchte ! Überstürzen Sie sich nicht ! Ich meine es gut mit Ihnen , Feuerkopf ! Die Blätter lesen Sie nicht ! Geben Sie mir das Testament meiner Mutter ! Sie sind ein Ungestüm ! Endigen Sie diese Ausflüchte , diese Verstellungen ... ha , diese Lügen , Madame ! rief Egon jetzt knirschend vor Ärger über solche Weitläuftigkeiten . Sie haben mich zähmen , rühren wollen ... O mein Gott ! stöhnte Pauline . Noch denken Sie niedrig von mir ! Ich flehe Sie an ! Begehren Sie diese Geständnisse einer Frau nicht , die die Welt verachtete , nur Gott liebte und Niemanden , Niemanden sonst ... nicht einmal Sie ! Nicht ihren Sohn ? Nicht mich ? Madame ! Lüge ! Prinz ! In dem Augenblicke ertönte die Glocke des Hauses . Ha ! athmete Pauline auf . Es war ihr , als wäre sie ganz verlassen gewesen , ganz der Wildheit dieses jungen Mannes , der keine Rücksichten kannte , überlassen . Ich weiche nicht von dieser Stelle , rief Egon , bis ich diesen Spuk , diesen ewigen Eingriff in mein Leben nicht endlich beseitigt habe . Ich bin vor Ihnen gewarnt . Der Vater , die Mutter bezeichneten mir Ihren Namen als den einer Schlange , die sich um mein Leben ringeln wird , um mir das Herzblut auszusaugen . Pauline horchte eine Weile , wer kam . Man hörte die Thüre öffnen . Vielleicht ist es Franz ! dachte sie erleichtert . Es war so still , so dunkel draußen . Sie hörte die Ludmer nicht . Ihre Diener waren nicht alle zugegen . Es regnete draußen in Strömen . Sie war diesem Ungestümen so preisgegeben ... Noch sagte sie fest und entschieden zu Egon : Prinz , wenn Sie diese Blätter lesen , droht Ihnen etwas , was Ihnen nach einem solchen Glauben über mich wirklich die Hölle sein müßte ... Das wäre ? Die Qual ... mein Freund zu werden ! Egon lachte bitter auf und bat um Aufklärung einer solchen Möglichkeit , die allerdings , wie er grausam hinzufügte , ihr ... Bedenkliches hätte . Erlassen Sie mir , sagte Pauline tiefverletzt , aber mit immer mehr sich beherrschender Ruhe , die nähere Auseinandersetzung . Genug , Sie würden mein Freund werden , ja vielleicht , setzte sie scharf betonend hinzu - mein Sklave . Also , wohlan ! Prinz ! Ich verbrenne die Blätter . Gute Nacht ! Damit erhob sie sich , um zu gehen . Egon aber hielt sie mit gewaltsamem Entschluß an der Hand zurück , führte sie an ' s Fenster und riß dies Fenster auf ... es stürmte , es regnete ... die Bäume krachten ... Pauline bebte ... sie wollte sich losreißen , sie wollte schreien ... da intonirte vor dem Garten eine jugendliche Männerstimme ein kurzes Lied . Hören Sie diesen Gesang ? rief Egon in wilder Aufregung . Pauline , von der Kälte der Nacht durchschauert , sah ihn mit Entsetzen an und rang sich von seinen Händen los . Es ist das Zeichen eines Wächters ! sprach Egon , indem er das Fenster schloß . Meine Freunde , drei an der Zahl , sind entschlossen , in dieser Stunde mit mir die Fäden gewaltsam zu zerreißen , die mein Leben umspinnen ! Was bezwecken Sie , Prinz ? Um ' s Himmelswillen ! rief Pauline und wollte mit einer raschen Wendung entfliehen . Egon aber warf sie mit einer Armbewegung zurück und behielt die Thür im Rücken . Ich dringe mit meinen Freunden , die hier in dies Fenster steigen , in Ihr Arbeitszimmer und verlasse es nicht früher , bis wir besitzen , was mein ist . Ein Wink von mir und ich habe die Freunde , die mich unterstützen , hier zur Seite . In Ihrem geheimsten Zimmer , das ich mir bezeichnen ließ , bleiben wir so lange , bis wir diesen unerträglichen Intriguen ein Ende gemacht haben . Das war fast zuviel . Ein Attentat auf ihre Häuslichkeit . Wer hätte hier die Untersuchung aller ihrer Schränke hindern sollen ? Die feigen Bedienten ? Wer hätte beispringen sollen in diesen einsamen Gartenhäusern ? Aber Pauline lächelte jetzt ruhig und sagte : Wohlan , mein Prinz , so kommen Sie ! Wir können es auch anders beschließen . Ich gebe Ihnen die letzten Geständnisse Ihrer Mutter . Damit gab sie Egon das Zeichen voranzugehen . Als er öffnen wollte , war die Thür verriegelt . Aha ! sagte Pauline . Ihr Überfall stößt doch schon auf Vorsichtsmaßregeln . Eine Horcherin hat die Gefahr abwenden wollen und ich bin nicht so verlassen , wie Sie denken ! Kommen Sie von dieser Seite , Durchlaucht ! Pauline nahm einen Armleuchter und ging durch eine zweite Thür , durch finstere Zimmer , durch einen Gang ... Egon folgte . Die Ludmer stand auf dem Gange mit Franz und einem Gärtner im Dunkeln wie Gespenster , aber rathlose und selbst furchtsame . Doch erschien ihm diese Ludmer wie eine der Dienerinnen Hekate ' s bei ihren Zauberkünsten , wie eine der Hexen Macbeth ' s. Es war ihm , als sollte er in seine Zukunft sehen und jenen Zauberspiegel in die Hand nehmen , der ihm die Geschichte seines Hauses offenbarte . Pauline ignorirte die zu Tode geängstigte Freundin und führte Egon in ihr zweites Boudoir , das geheime . Sie schloß einen Schrank auf und übergab nach mehrfacher Zögerung und erneuertem Andringen Egon ' s dem Prinzen endlich die Blätter . Dieser erkannte die Handschrift seiner Mutter , küßte sie und sagte zur Geheimräthin : Also auf die Gefahr hin ... Ihr Freund zu