als freuten sie sich der Umschau , die sie halten . Die Längslinie des Bildes folgt dem Uferrande drüben , der zugleich der Hauptgasse des Dorfes entspricht . Das Treiben dieser von Busch- und Baumwerk dicht eingefaßten Gasse entzieht sich unserem Auge ; überall da aber , wo breite Querlinien die Längslinie durchbrechen , entsteht ein heller Fleck im Dunkel und das ganze sich fortbewegende Treiben drüben erscheint in dieser Lichtung und schwindet wieder . Die Entfernung ist groß genug , um jeden Lärm zu verschlingen , und so kommen die Bilder und gehen wieder wie auf der glatten Fläche einer Camera obscura . Jetzt Schnitter , die Harke und Sense über die Schulter gelegt , vom Felde heimwärts kehrend , jetzt kiepentragende Frauen , jetzt hochbeladene Heuwagen , deren helleres Grün in dem Dunkelgrün der Baumkronen schwerfällig hin und her schwankt . Die Sonne , die eben noch wie ein Glutball über dem Windmühlenberge gestanden hatte , sank jetzt tiefer und ließ die Wandfläche der Mühle wie einen dunklen Schatten erscheinen , den ein rotgoldener Schimmer nach allen Seiten hin umgab . Und dieser Schimmer , sich bahnbrechend durch die Baumwelt des Vordergrunds , fiel jetzt auch auf die breite Fläche der Wublitz , und wo ein Schwan durch diesen glühenden Streifen hindurchfuhr , da überzog es sein Gefieder wie flüchtige Röte , die der nächste Augenblick wieder von ihm streifte . Wohl mochten hier die Mummeln blühen , als wäre die Wublitz ein Blumenbeet , denn es war ein Bild wie hergeliehen aus einem Feengarten . Minutenlang sah ich still in diesen Zauber hinein , dann richtete ich mich auf und rief mein » Hol über ! « über die Wasserfläche hin . Aber der Ruf schien in dieser Stille zu verklingen . Nichts regte sich drüben und schon war meine ganze Naturbewunderung in Gefahr , im Ärger über den Fährmann unterzugehen , als es drüben lebendig zu werden begann . Eine hagere , mittelgroße , nach Wendenart in graue Leinwand gekleidete Gestalt trat aus dem Fährhaus , machte eine Handbewegung , die unverkennbar ausdrücken sollte , » ich möchte mich nur ruhig verhalten « , und löste dann langsam und mürrisch , soweit sich das aus seiner Handlung erkennen ließ , einen Kahn vom Ufer und schob ihn , ohne Ruder , an einem zwischen beiden Ufern ausgespannten Taue von drüben zu mir herüber . Als der Kahn auflief , blieb sein Insasse stehen und sah mich an . Ich ihn auch . Endlich gewann er es über sich und bot mir » guten Abend . « Nach dieser Konzession von seiner Seite , denn so schien er es aufzufassen , glaubte auch ich ein übriges tun zu müssen . So entspann sich denn , während der Kahn langsam wieder zurückglitt , folgende Unterhaltung : » Guten Abend , Fährmann . Geht ' s Geschäft ? « » I , wie wird ' s denn gehn ? « » Na , ich sollte doch meinen . Da sind erst die Ützer ... « » Die fahren umsonst . « » Und dann all ' die Dörfer , die hier hinten liegen ... « Er schüttelte griesgrämig den Kopf , beschrieb mit der Hand nach Norden hin eine Kurve und brummte : Alles ' rum , immer ' rum ! « » Aber die Phöbener und Paretzer werden doch nicht über Falkenrehde fahren ? Das ist ja die Meile sieben Viertel ! « » Das ist es . Aber was ein richtiger Bauer is , der geht nich über ' s Wasser . « » Weil ' s ihm zu unsicher ist ? « » Nich doch . Es is ihm bloß sicher , daß der Fährmann sein Fährgeld kriegt . Das zahlt kein Bauer , wenn er nich muß . Und er muß nich . Eine Meile oder zwei , ihm ist ' s all ' eins . Er braucht sie nich zu laufen . Er nimmt seine Peitsche , knipst und ruft seinen Gäulen zu : › Der Hafer ist teuer heut ' ; verdient ihn euch ! ‹ Und der Ützer Fährmann – na , der mag sehen , wo er seine Pacht hernimmt . « Die Spitze des Kahns war jetzt auf dem Trockenen ; ich sprang hinaus und fragte nach meiner Schuldigkeit . Die Taxe war niedrig ; ich gab ihm ein Stück Geld , etwa das Fünffache . Er nahm es , sagte nichts und erwiderte meinen » guten Abend « durch ein Geknurr , das über seine Enttäuschung keinen Zweifel ließ . Die Fährleute sind ein eigen Geschlecht und haben ihren eigenen Artigkeitskodex . Ich schritt nun die Querallee hinauf , kreuzte die Dorfstraße und erstieg den Mühlenberg , hinter dessen Kamm , bereits erblassend , die Abendröte stand . Ein schwacher rötlicher Schimmer säumte nur noch den Himmel gegenüber . Das Dorf , die Wublitz waren still ; im Fährhaus schimmerte ein Licht , die Schwäne sammelten sich am Schilf , die Abendglocke klang in langsamen Schlägen über Ütz hin . Du schönster Ort im ganzen Havelland , Wer könnte je dich ungerührt verlassen ! Paretz Paretz von 1796 bis 1806 Paretz von 1796 bis 1806 Diese Wünsche gingen vor allem auf Stille , Abgeschiedenheit . Sehr bald nach seiner Vermählung hatte sich der Kronprinz Schloß Oranienburg zum Aufenthalt ausersehen , dessen landwirtschaftlicher Charakter , beiläufig bemerkt , eine große Verwandtschaft mit dem von Paretz zeigt . Aber das Schloß daselbst – damals noch viel von der Pracht aufweisend , die ihm Kurfürst Friedrich III. gegeben hatte – war ihm viel zu groß und glänzend , und so kam ihm die Nachricht überaus erwünscht , daß das stille Paretz , das er zufällig aus seinen Kindertagen her kannte ( Oberstleutnant von Blumenthal war damals Prinzengouverneur gewesen ) , zu verkaufen sei . General von Bischofswerder , von dem benachbarten Marquardt aus , machte den Vermittler , das Geschäftliche wurde schnell erledigt , und unter des Hofmarschalls von Massow Aufsicht begann