dafür Sorge , die Gräfin einzuhüllen . Sie ließ es willenlos geschehen . Kommen Sie , Gräfin , sagte er , hier ist Ihres Bleibens nicht ! - Er nahm ihren Arm in den seinen , und mit dem weltmännischen Anstande , dessen Niemand mehr Meister war , als er , führte er sie die Treppe hinab und nach ihrem Wagen . Sie mochte erwartet haben , daß er sie begleiten werde , denn erst , als er sie hineingehoben hatte und , ihr die Hand noch einmal reichend , von der Thüre desselben zurücktreten wollte , erwachte sie aus ihrer Versunkenheit , und sich emporrichtend , rief sie : Wann , wann sehe ich Sie wieder ? Nicht eher , bis Sie es verlernten , für Sich selbst zu wünschen und zu hoffen , nicht eher , bis Sie den Schleier genommen haben , der Sie abtrennt von dem irdischen Verlangen ! Auf Wiedersehen also in dem ewigen Rom ! sagte er fest und feierlich ; und dem Kutscher das Zeichen gebend , daß er fahren solle , ging der Abbé mit ruhigem Schritte und hochgehobenen Hauptes in sein Gemach zurück . Eine Stunde später hatte er die Stadt verlassen und seinen Weg gen Süden fortgesetzt . Zweites Capitel Renatus hatte , als die Parade beendet war , sein Pferd dem Reitknechte übergeben , um noch einige Besuche und Gänge abzumachen . Er befand sich bereits wieder auf dem Heimwege , als er vor dem Gasthofe , in welchem die Gräfin abgestiegen war , einen Miethswagen halten sah , mit dem es etwas Besonderes auf sich haben mußte , denn der Wirth und die Kellner umgaben ihn mit unverkennbarem Erschrecken . Es kamen die Wirthin und ein anderes Frauenzimmer aus dem Hause herbei , man rief nach einem Sessel , nach einem Arzte , und mit jener Neugier , welche man in einem müßigen Augenblicke empfindet , trat Renatus , der zur Zeit seiner Rückkehr aus Frankreich selbst in dem Hause gewohnt hatte , an den Besitzer desselben heran und fragte , was es gäbe . Ach , versetzte dieser , eine junge , vornehme Dame , die vor zwei Stunden bei uns angekommen ist , hat gleich danach zu Fuße das Haus verlassen und wird uns nun ohnmächtig oder vielleicht gar todt in diesem Wagen nach Hause gebracht . Ihr Diener ist hinauf gegangen , ihre Kammerfrau zu holen , und wir versuchen eben , wie wir sie am besten von der Stelle bringen . Er wendete sich dabei wieder zu seinen Leuten , und von der Seltsamkeit des Vorfalles angezogen , trat Renatus an die andere Seite des Wagens heran , um hinein zu sehen . Kaum aber hatte er die Gestalt erblickt , die ganz zusammengesunken und bleich wie eine Todte mit geschlossenen Augen dalag , als er die Thüre des Wagens aufriß und mit dem Ausrufe : Eleonore , um Gottes willen , wie kommen Sie hieher ? Was ist geschehen , Eleonore ? in den Wagen sprang und sie in seinen Armen in die Höhe hob . Die Umstehenden traten vor Verwunderung zurück ; nur der Wirth sah es , wie die Fremde vor des Freiherrn lautem Anrufe matt und langsam die Augen aufschlug und , als habe sie ihn erkannt , ihr Haupt auf seine Schulter legte . Niemand wußte , was er von dem Vorgange denken solle ; aber als nun vollends die Leute der Gräfin herbeigekommen waren , als der Diener und die Kammerfrau den Freiherrn bei seinem Namen nannten , als die Letztere Gott dafür dankte , daß er den Baron hieher geführt habe , da schien dem Wirthe plötzlich die Einsicht in die obwaltenden Verhältnisse zu kommen , und den Kellnern ein Zeichen gebend , daß sie sich entfernen sollten , leistete er in Person , mit den Leuten Eleonorens , dem Freiherrn den Beistand , dessen er bedurfte , um die ihrer selbst nicht Mächtige in das Haus und in ihre Gemächer zu tragen . Die Kranke war entkleidet , war zu Bette gebracht , ein Arzt herbeigeschafft ; aber von ihr selber konnte man keine Art von Auskunft über ihr Befinden erhalten . Sie vermochte ihre wandernden Gedanken nicht zusammen zu halten , obschon sie Renatus wiedererkannt hatte und nach ihm verlangte , wenn sie in einzelnen Augenblicken ihrer Sinne Herr war . Er und der alte Diener hatten den Arzt , so weit als nöthig , mit den obwaltenden Verhältnissen bekannt gemacht , und wie derselbe sich auch weigerte , in diesem ersten Augenblicke ein festes Urtheil auszusprechen , ließ er es doch errathen , daß man es hier mit mehr als einem vorübergehenden Leiden , daß man es allem Anscheine nach mit einer ernsten und schweren Krankheit zu thun haben werde . Er wollte sich , nachdem er seine Verordnungen gemacht hatte , entfernen , und Renatus schickte sich an , ihn zu begleiten ; aber Eleonore bemerkte es , als der Freiherr seine Hand aus ihrer in Fieberhitze glühenden Rechten zog , und ihn festhaltend , rief sie angstvoll : Sie dürfen nicht fort ! Sie nicht ! Nein , Sie nicht ! Es lag etwas völlig Irres in ihrem Blicke und in ihrem Tone , das ihn entsetzte . Er hatte ein unbegrenztes Mitleid mit dem schönen , einst so selbstgewissen Mädchen , das er so hülflos vor sich sah ; aber auch seine eigene Lage macht ihm Sorge . Daß es für ihn , nach den vereinzelten Gerüchten , welche über seine Beziehungen zu der Gräfin in Umlauf gekommen waren , nicht möglich sei , ihren Krankenpfleger zu machen , darüber wäre er mit sich ganz im Klaren gewesen , auch ohne die Anwandlung von Eifersucht , mit welcher seine junge Frau die Gräfin Haughton stets betrachtet hatte . Er hätte viel darum gegeben , wäre er nicht so unvorbereitet , so plötzlich in dieses Abenteuer hineingezogen worden , hätten die Leute in dem Gasthofe es nicht gesehen , wie er die