noch unerklärte Weise verrathen werden . Einer unserer Börsenmatadore scheint die Course und Aufträge von außerhalb förmlich zu riechen und überflügelt alle mit seinen Combinationen - oder seinen Nachrichten . Es wäre fatal , wenn er uns in die Quere käme . « Herr Thomas lächelte . - » Beruhigen Sie sich auch hierüber , auch der Herr wird kaufen . « Der Courtier empfahl sich . - - - - - - - - - Der Neubau einer Berliner Börse gehört zu den Seeschlangen ohne Ende , die fortwährend auftauchen und niemals erlegt werden . Zwischen der Dampfmaschine der großen Fontaine und den Ruinen des neuen Doms , für dessen Camposanto-Entwürfe Cornelius die bescheidene Forderung von hunderttausend Thalern macht , liegt oder lag die Villeggiatura des Berliner Handelsstandes und seit drei oder vier Jahren des Berliner Geld- und Creditschwindels . Ein wenn auch nicht unstattliches , doch sehr beengtes Gebäude mit einem von Bäumen besetzten kleinen Vorplatz nimmt täglich von zwölf bis drei Uhr eine Anzahl von mindestens 2000 Personen auf , die den großen Handel und Geldverkehr der Hauptstadt ursprünglich vermitteln sollen zur Beförderung und Vertheilung des Wohlstandes und der Industrie des Landes . Seit den letzten drei Jahren jedoch ist das Berliner Börsenleben zu einer Pest des Landes ausgeartet , verwerflicher , hundertfach gefährlicher , als die von der öffentlichen Meinung und der Regierung geächteten Spielbanken , die nur Einzelne verderben , während die Börse auf alle Klassen demoralisirend oder die Zustände verschlimmernd wirkt . Der frühere Börsenverkehr steht zu der jetzigen Börsenwirthschaft wie die gediegene kaufmännische Berechnung zu dem Delirium der Speculation , wie die Waare zur Ziffer , wie der Handel zum Diebstahl . Vielleicht characterisiren , wenn auch nur schwach , die nachfolgenden Crayons einigermaßen dies Treiben . - Es war Mittag gegen ein Uhr , als Graf Pisani Arm in Arm mit einem Attaché der österreichischen Gesandtschaft auf dem Vorplatze der Börse erschien und langsam durch die versammelten Gruppen wandelte , dem Treiben des Verkehrs zuschauend . Die handgreiflichen Differenz-Ausgleichungen einiger Mitglieder hatten damals noch nicht die Eintrittskarten eingeführt und jeder Fremde betrat ungenirt das Sanctuarium des Zahlenschwindels . Der Attaché war mehreren der großen Banquiers bekannt , die ihn begrüßten und ansprachen , und wunderbar schnell verbreitete sich die Nachricht auf der Börse , daß ein Mitglied der Gesandtschaft mit einem vornehmen Fremden anwesend sei . Offenbar hatte dabei der Agent Treumund die Hand im Spiele , der alsbald bei dem Erscheinen der beiden Herren sich dem Grafen anschloß und den Cicerone nachte , von Zeit zu Zeit sie verlassend und bald hier , bald dort neue Geschäfte abschließend . Dies Verfahren konnte nicht verfehlen , Aufmerksamkeit zu erregen , um so mehr , als bald bekannt wurde , daß die Aufträge , welche der Agent machte , über große Summen lauteten und die Börse ohnehin in höchster Erregung war . So eben waren die telegraphischen Depeschen des Correspondenz-Bureau ' s von Wien und Paris über die dortigen Course eingegangen und der Agent des Hauses Oppenheim verlas nach der getroffenen Einrichtung von einer Erhöhung dieselben mit lauter Stimme . Die Boten des Staats-Telegraphen-Bureau ' s durchbrachen mit Privatdepeschen suchend die Menge . Das Geschäft schien in vollem Gang und die vereideten Makler wurden bestürmt mit Anmeldungen . Der Graf mit dem Gesandschafts-Cavalier , der zu unerfahren und zu sehr Edelmann war , um so rasch zu begreifen , daß er hier zur Folie diente - hatte endlich am Eingang des Hauses einen Platz gefunden , von wo Beide das Treiben innen und außen beobachten konnten . Der Agent stand bei ihnen . Die Scene umher war wirklich charakteristisch und für einen Unbetheiligten an Stoff zu Beobachtungen überreich . Eine Wirrniß von Geschwätz und Geschrei - oft dem eigenthümlichen Idiom einer polnischen Juden-Synagoge gleichend - lag auf dieser sich drängenden , stoßenden , sammelnden und hin und her eilenden oder fest auf gewissen Stellen ansharrenden Menge , in der die gebogene oder kulpige Nase als Typus in hundert Variationen des Alters vorherrschend war . Die gewöhnliche Höflichkeit und Rücksicht großer Gesellschaften schien aus dieser verbannt und Jeder im Schreien , Stoßen und Drängen nur auf seine eigenen Zwecke Bedacht zu nehmen . Ein Notizbuch in der einen , den Bleistift in der andern Hand , mauschelnd , rufend , fragend , horchend , betheuernd und wegwerfend , die gespannteste Aufmerksamkeit in der lauschenden Miene oder mit verächtlichem Achselzucken , schmeichelnd und scheltend , kriechend und hochmüthig - überall die Ohren , überall die Augen - hier ein Wort wechselnd , dort ein Opfer in den Winkel drängend , lügend und belogen , täuschend und getäuscht , jede Spannung , jede Heuchelei auf den Gesichtern , bedächtig und hastig , schnöde und freundlich , lärmend und schweigend , so wogte das Chaos der Geldintelligenz , das sich den Reichthum und die Intelligenz des Landes nennt ! » Staats1 ! wer kauft ? « » Zehn2 ! Wie steht ? « » Wer hat Cölner - Enkel3 ? Achtundachtzig drei Viertel ? Ich kaufe . « » Herr Lion , Herr Lion , wo ist Herr Lion ? « » Franzosen4 ! Hundertsiebenundsiebzig ein Halb ! « » Schreiben Se mer ein , Zwanzig zum Ersten . Wollen Se handeln mit Wittenberger ? Herr Friedemann , brauchen Sie Rheinische Kinder ? « » Sechsundachtzig - haben Se gehört , Herr Hertel ? Notiren Sie den Cours - Sechsundachtzig bezahlt5 . « » Hören Se zu - Meyer is am Kaufen - Nordbahn und 1854er Loose , lassen Se uns eilen , sonst kommen mer zu spät . « Dazwischen schellt die Glocke als Signal um Abschluß . » Die Zahl Ihrer großen Kaufleute und Banquiers , die an der Börse Geschäfte machen , scheint sehr bedeutend , « bemerkte der Sardinier . » Der Schein täuscht , - von der ganzen Zahl , welche die Börse füllt , verdient kaum der vierte Theil , hier zu sein . Vielleicht die Hälfte ist nicht einmal der