ist Ihre Mutter ... ich darf wohl hinzufügen , daß die Gräfin Hohenberg sehr unglücklich verheirathet war . Ich lasse über diese Saison von Landeck , über die Folgen derselben einen Schleier fallen ... Warum ? Erzählen Sie ! Ich kenne das unglückliche Loos meiner Mutter - Mein Prinz , ich schweige . Sie wissen nichts von dem Allen . Ich will Ihnen nur sagen , daß die Freundschaft zwischen mir und der plötzlich zur Fürstin erhobenen Amanda sich nicht erhalten hat . Ich war von meinen Brustkrämpfen dem Tode oft nahe und glaubte zu sterben . In Ems erwartete ich mein Ende . Meine Schwester Anna kam , sie kam mit ihrer Tochter , einem Engel von sechszehn Jahren , einer halben Waise ( der Vater war soeben gestorben ) Rodewald stand mir zur Seite ... man erwartete meine Auflösung . Anna hatte sich nur losgerissen , um mich noch einmal zu sehen . Sie mußte zurück zur Ordnung ihrer Erbschaft . Ich bat sie , mir ihr Kind Selma zur Seite zu lassen . Sie willigte ein . Die Ludmer bedurfte einer Unterstützung in meiner Pflege . Ich starb aber nicht ... ein Jahr lang glaubt ' ich , daß jeden Tag mein Ende nahe . Rodewald und Selma sollten , Das war noch mein letzter Wille , noch meine heiligste Lebensaufgabe , sich dauernd vereinigen ... Selma und Rodewald sollten ... Egon hob sein Haupt und erstaunte über die Verwirrung , die sich Paulinen ' s plötzlich bemächtigte . Sie war schon längst aufgestanden , athmete laut , machte einen Gang durch ' s Zimmer , rückte an den Sesseln , warf sich auf ein Canapé , drückte den Kopf auf ein Kissen und bat um eine Minute Zeit , sich zu erholen . Ist Ihnen nicht wohl , gnäd ' ge Frau ? fragte er und wollte klingeln . Nein , nein , stöhnte sie . Ich erhole mich ... Nach einer Weile fuhr sie fort : Ich gestehe Ihnen , Fürst , daß ich mir damals einbildete , eine Heroine , ein Engel an Kraft und Entsagung zu sein . Ich wollte Selma und Rodewald verbinden , ich wollte , daß sie einig würden , ich lenkte das Herz des Kindes meiner Nichte mit Gewalt , ich zwang sie , in Heinrich das Alles schon zu finden , was sie vielleicht noch nicht suchte . Ich kann , ich darf Ihnen nicht sagen - Ihnen nicht , Prinz - was mich bestimmte , von der Welt scheidend die Beruhigung mitzunehmen , daß Rodewald und nur Selma sich liebten , keine Andere , keine Andere ... Warum mir nicht ? Warum Ihr Zorn ? Ihr neu entflammter Haß ? Wen sollte Rodewald nicht lieben .. ? Dringen Sie nicht in mich , Prinz ! Ich will nichts erzählen , nichts aufklären , ich will Sie nur auf Wege führen , wo Sie Achtung und Schonung für mich lernen sollen , Prinz ! Ja , es mag Rache gewesen sein , daß ich Rodewald und Selma wie die Schlange am Baume des Paradieses verband . Aber der Himmel strafte mich ! Strafte mich durch seine Gnade ! Ich genas , Prinz ! Ich genas ! Ein kluger und kundiger Arzt lehrte mich eine Diät , die ich nie gekannt hatte . Die Bäder von Ems linderten den Reiz meiner Nerven . Ich genas , Prinz ! Völlig ! Völlig ! Die Natur hatte sich gefunden . Und als ich froh in ' s Leben zurückkehrte , nun wieder nach Rodewald dem Geliebten suche , ist er entflohen , mir entflohen . Selma war ein Kind . Sie , dacht ' ich , wird von ihrer Leidenschaft bald geheilt sein . Aber mein Freund ? Wo ist Rodewald ? Er war verschollen . Nicht die Liebe zu Selma , die ihn wohl nie innerlichst ergriffen hatte , hatte ihn fortgetrieben von unsern Wohnungen ; Überdruß am ganzen Leben , Ekel , schrieb er mir einst , an Allem , Ekel aber am meisten an dem Weibe , Ekel am Weibe ! Vielleicht der Kummer und Unmuth über Erfahrungen , die Sie einst noch entdecken werden ... aber Selma liebte ihn . Ich Thörin hatte die Knospe ja selbst entblättert ! Das Kind lebte nur für Den , den ich es gelehrt hatte , als einen menschgewordenen Gott zu verehren . Rodewald , aus Motiven , die ich nur ahnen kann , floh mich , floh alle Welt , er war sich selbst zur Last , zur Qual geworden und mit den Worten : Läuterung ! Läuterung ! nahm er schriftlichen Abschied nach einer Gegend , wo ich ihn nicht mehr sehen sollte und wohin er mit Selma , die nicht mehr von ihm lassen wollte , auf immer verschwunden ist . Aber meine Mutter ? bemerkte Egon und verrieth auf ' s neue die Ungeduld , auf die Bahn ihrer Denkwürdigkeiten einzulenken . Ihre Mutter ? sagte Pauline vor sich hin und machte eine Miene voll Bitterkeit ... Daß Ihre Schwester Anna von Harder Sie hassen mußte , tödtlich hassen muß , erkenn ' ich , sagte Egon . Sie haben die Blüte des jungen Gefühls ihrer Tochter vergiftet - haben , wie Sie , mir unbegreiflich , sagen , aus Rache die Genugthuung haben wollen , daß Rodewald , durch den Tod von Ihnen getrennt , nur Selma liebt ... Sie haben einer Mutter ihr Kind geraubt ... Selma von Harder ? Selma ... Wer erinnerte mich einst an eine Selma ... Egon konnte sich nicht besinnen , daß man ihm von einer Selma Ackermann gesprochen hatte ... Pauline fuhr fort : Meine Schwester haßt mich nicht . Sie gehört zu Denen , die überwunden haben . Weiß sie doch , daß unter dem Raube ihres Kindes Niemand furchtbarer litt als ich . Ich hatte das Leben wieder und das Licht meines Lebens war ausgelöscht . Was war mir die Welt ohne Rodewald ? Er war dahin